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Christian Coleman, of the United States, reacts after winning the men's 100 meter race during the World Athletics Championships in Doha, Qatar, Saturday, Sept. 28, 2019. (AP Photo/Martin Meissner)

Christian Coleman nach seinem Sieg über 100 Meter an den Weltmeisterschaften in Doha. Bild: AP

Christian Coleman – ein Weltmeister mit Makel



Christian Coleman lief an den Weltmeisterschaften in Doha im Final über 100 m in einer eigenen Kategorie. Allerdings liegt ein Schatten über dem Triumph des Amerikaners.

Die Leichtathletik lechzt nach dem Rücktritt von Usain Bolt nach einem neuen Superstar. Coleman besitzt, was die Leistungen betrifft, auf jeden Fall das Potenzial dafür, umso mehr, als er erst 23 Jahre alt ist. «Ich bin mit einem unglaublichen Talent gesegnet», sagt er von sich selber und fügte an: «Es gibt definitiv noch einige Dinge, die ich verbessern kann.»

Zudem unterstrich der Auftritt am Samstagabend - mit der persönlichen Bestzeit von 9.76 Sekunden distanzierte er den zweitplatzierten Justin Gatlin um 13 Hundertstel -, wie gut er mit Druck umgehen kann. Dieser sei gross gewesen, so Coleman, der von seinem Vater früh gefördert wurde, jedoch lieber professioneller Footballer in der NFL geworden wäre. Auf den Vorlauf über 200 m am Sonntagabend verzichtete er.

Die Leistungen sind aber nur die eine Seite. Bolt verstand es mit seiner lockeren Art wie kaum ein anderer, die Leute in seinen Bann zu ziehen. Bezüglich Charisma kann der Amerikaner mit dem Jamaikaner bei weitem nicht mithalten. Coleman glaubt selber nicht, dass irgendjemand in der Lage sei, das Gleiche für den Sport zu tun wie Bolt. «Ich möchte die beste Version von Christian Coleman sein und mein eigenes Vermächtnis hinterlassen», stellte er klar.

Das mit dem Vermächtnis ist aber so eine Sache. Denn das Image von Coleman hat bereits einige Kratzer. Er konnte den Titel in Doha nur deshalb holen, weil dessen Anwalt in den Reglementen ein Schlupfloch fand. Die amerikanische Anti-Doping-Behörde (USADA) hatte Untersuchungen wegen dreier verpasster Dopingkontrollen innerhalb eines Jahres eingeleitet. Das hätte eine zwölfmonatige Sperre zur Folge gehabt. Das erste Vergehen am 6. Juni 2018 konnte jedoch auf den 1. April zurückdatiert werden, sodass nur noch zwei der drei verpassten Tests innerhalb eines Jahres lagen.

«Michael Johnson zahlt meine Rechnungen nicht und unterschreibt meine Schecks nicht, sodass es mir egal ist, was er zu sagen hat»

«Ich habe nichts falsch gemacht», sagte Coleman. «Ich bin bloss ein junger dunkelhäutiger Mann, der seinen Traum lebt. Es ist enttäuschend, dass versucht wird, meinen Ruf zu beschmutzen». Er gab aber zu, dass er sorgfältiger bei der Aktualisierung im System der USADA sein könne. Gemäss des Reglements muss jeder Sportler jeweils vierteljährlich für jeden Tag des kommenden Quartals eine Stunde angeben, während der er an einem bestimmten Ort auffindbar ist.

Zu den grössten Kritikern von Coleman gehört der vierfache Olympiasieger Michael Johnson, der ihm aufgrund der Vorkommnisse abspricht, ein Gesicht der Leichtathletik zu sein. «Michael Johnson zahlt meine Rechnungen nicht und unterschreibt meine Schecks nicht, sodass es mir egal ist, was er zu sagen hat», entgegnete Coleman. Er erachtet es als entscheidend, «gute Leistungen zu erbringen und den Sport auf die richtige Weise zu vertreten.» Die unangenehme Affäre hat er abgehakt. «Das liegt hinter mir. Ich bin jetzt Weltmeister, und das ist etwas, das mir keiner mehr nehmen kann.» Dennoch bleibt ein Makel, den Coleman wohl nie mehr los wird. (mim/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Therealmonti 30.09.2019 11:24
    Highlight Highlight Coleman ist nicht nur mit "unglaublichem Talent" gesegnet, sondern auch mit einem US-Verband, der alle juristischen Tricks ausnützte, damit er nach seinen nicht eingehaltenen Dopingkontrollen gesperrt wurde und mit einem Internationalen Leichtathletikverband (IAAF), det unter der Führung von Sebastian Coe vor den mächtigen Amis feige duckte.21333333333333333333 vfffffffffffffffffffffffffff
  • Joe Smith 30.09.2019 10:17
    Highlight Highlight Coleman und Gatlin sind eben US-Amerikaner und keine Russen, also wo ist das Problem? Oder wie der Lateiner sagt: Quod licet jovi, non licet bovi.
  • Salamikönig 30.09.2019 09:21
    Highlight Highlight "Ich bin bloss ein junger dunkelhäutiger Mann, der seinen Traum lebt."

    Musste er natürlich gerade seinen Joker setzen...

    Ob dunkel oder hellhäutig, jeder muss sich Dopingkontrollen unterziehen und verpasst nicht 3 mal den Termin.
  • Nik G. 30.09.2019 08:44
    Highlight Highlight Stinkt nach Doping!
  • N. Y. P. 30.09.2019 08:29
    Highlight Highlight @Coleman

    Irgendwie unheimlich. Keine "Sau" interessiert sich für deinen 100 m Sieg.


    Quo vadis, Leichtathletik ?
    Benutzer Bild
    • Scaros_2 30.09.2019 12:11
      Highlight Highlight Was erwartest du auch? Es findet in einem Land statt das keine eigene Sportkultur hat ausser vielleicht Kamele umschubsen. Was kann den dieses Land bieten ausser gekauften Dinge? Nichts. Niemand kennt die Sportarten etc. und niemand interessiert sich für das weil das eine gänzlich andere Kultur ist.
    • Hakuna!Matata 30.09.2019 12:38
      Highlight Highlight Du siehst aber auch was du sehen möchtest... Das Stadion und die Zuschauerbereiche sind bei allen Wettkämpfen leer. Egal ob 100m, 10'000m, Marathon oder Hochsprung. Was hat das also mit diesem Artikel und speziell Coleman zu tun?
    • N. Y. P. 30.09.2019 13:46
      Highlight Highlight @Hakuna!Matata

      nichts
    Weitere Antworten anzeigen
  • Baron Swagham IV 30.09.2019 08:03
    Highlight Highlight Aha, es spielt nur eine Rolle was jemand sagt wenn der einem die Rechnungen bezahlt🤔
    Sagt viel aus über den Jüngling
  • N. Y. P. 30.09.2019 07:54
    Highlight Highlight Coleman hat 3 Kontrollen verpasst. Das spricht für sich. Es spielt keine Rolle, was er zu sagen hat.

    Ich wusste gar nicht, dass WM ist. Ich kenne keine Athleten mehr. Vor 20 Jahren kannte ich in jeder Disziplin die Besten.
    • Töfflifahrer 30.09.2019 13:31
      Highlight Highlight Geht mir ebenso. 🤷‍♂️
  • Nelson Muntz 30.09.2019 07:19
    Highlight Highlight Ein Witz! 3 (DREI!!!) eine Kontrolle verpassen und auch falsche Adressen angeben passiert nicht aus Dummheit sondern bewusst!!

    Und Doping-Gattlin hätte nie mehr starten dürfen. So bückt sich der Verband höchstens gegenüber dem US-Markt.
  • Zeit_Genosse 30.09.2019 07:18
    Highlight Highlight Schade um den verpolitisierten Sport.
  • Glenn Quagmire 30.09.2019 06:33
    Highlight Highlight Coleman und Gatlin sind ein Skandal!

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