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Dominic Aegerter (links) und Tom Lüthi im Gespräch.
Dominic Aegerter (links) und Tom Lüthi im Gespräch.
Bild: Jean-Claude Schertenleib
Probesitzen in Jerez

Töffliebe auf den ersten Blick für Tom Lüthi, aber… 

Wenn Dominique Aegerter nicht aufpasst, verliert er das Töff-Duell der Saison 2015 gegen Tom Lüthi schon diese Woche. Augenschein bei den wichtigsten Tests der Schweizer Töffgeschichte in Jerez. 
13.11.2014, 07:0813.11.2014, 10:16
klaus zaugg, jerez

Jerez de La Frontera. Mittwoch, 12. November 2014. Ganz im Süden von Spanien. Es ist zwar nur 20 Grad warm. Aber die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Es trocknet nach Regengüssen am Vormittag erst gegen Mittag ganz ab. 21 Piloten der Moto2-Klassen sind nach dem letzten Saisonrennen vom vergangenen Wochenende in Valencia nun 700 Kilometer südwestlich nach Jerez gereist. Um hier drei Tage lang, vom Mittwoch bis Freitag, zu testen.

Für die meisten ist es Routine zum Saisonabschluss bevor vom 1. Dezember bis zum 1. Februar absolutes Testverbot gilt. Für den Schweizer Töffrennsport sind es hingegen historische Tage: Erstmals arbeiten Tom Lüthi und Dominique Aegerter bei diesen Tests im gleichen Team (dazu gehört auch Nachwuchsfahrer Robin Mulhauser).

Tom Lüthi setzt sich das erste Mal auf sein neues Gefährt.
Tom Lüthi setzt sich das erste Mal auf sein neues Gefährt.
Bild: Jean-Claude Schertenleib

Wichtiger noch: Alle drei haben gestern Mittwoch ihren neuen Töff erhalten. Sie steigen vom Schweizer Fabrikat Suter auf die deutsche Kalex um, weil sie zum Schluss gekommen sind, dass die Kalex besser ist. Für die drei Schweizer ist dieser erste Kontakt mit der neuen deutschen Höllenmaschine fast so aufregend wie Geschenke auspacken an Weihnachten. Am Sonntag haben sie in Valencia noch mit der Suter das Rennen bestritten (1. Lüthi, 6. Aegerter, 17. Mulhauser). 

Die Bikes kommen in Einzelteilen

Die Kalex-Bikes sind in Einzelteilen in Kisten verpackt nach Jerez gekarrt worden. Die Mechaniker haben aus diesen Teilen in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch die neuen Kalex-Bikes zusammengeschraubt. Die Equipe von Dominique Aegerter war um 02.00 Uhr in der Nacht auf Mittwoch fertig und der Rohrbacher rollte am Mittwochvormittag bereits um 11:52 Uhr aus der Box und fuhr los. Tom Lüthis Techniker brauchten etwas mehr Zeit bis alles parat war.

Er wartete ungeduldig und wenn er ein Rennpferd wäre, dann hätte er gescharrt. Er brauste um 14:42 Uhr aus der Box. Die Maschinen des Schweizer Teams sind bei diesen Tests noch schwarz – ohne Sponsorenaufkleber, die erst im Laufe des Winters fabriziert werden.

Dominique Aegerter macht sich auf zum ersten Test.
Dominique Aegerter macht sich auf zum ersten Test.
bild: Jean-Claude Schertenleib
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Der erste Tag im gleichen Team endet für Tom Lüthi und Dominique Aegerter mit der Hierarchie, die wir im letzten Rennen in Valencia gesehen haben (1. Lüthi, 6. Aegerter). Tom Lüthi absolviert 43 Runden und fährt unter den 21 Piloten auf den 4. Rang. Dominique Aegerter schafft in 61 Runden bloss Platz 14. Ist nun die Kalex wirklich besser als die Suter? Was macht den Unterschied?

«Ich hatte auf der Kalex sofort ein sehr gutes Gefühl und ich war auf Anhieb schnell»
Tom Lüthi

Es gibt noch viel zu tun

«Ich hatte auf der Kalex sofort ein sehr gutes Gefühl und ich war auf Anhieb schnell», erzählt Tom Lüthi. Tatsächlich stürmte er gestern in den ersten Runden gleich zur Bestzeit. Sozusagen Liebe auf den ersten Blick also. «Mit Liebe und Gefühlen hat das nichts zu tun», sagt der Emmentaler etwas unwirsch. «Aber ich fühlte mich sofort wohl. Im Laufe des Tages tauchten dann allerdings die gleichen Probleme mit dem Hinterrad während dieser Saison auf wie bei der Suter. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.»

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Dominique Aegerter blieb 1,7 Sekunden hinter der Bestzeit von Johann Zarco. Der Franzose ist ebenfalls von Suter auf Kalex umgestiegen und hat gleich alle hinter sich gelassen. Dominique Aegerter ist halt kein Testpilot. Eher ein «Gefühlsfahrer», der Zeit braucht um sich an eine neue Technik zu gewöhnen.

Dominique Aegerter während der Testfahrt
Dominique Aegerter während der Testfahrt
bild: Jean-Claude Schertenleib
 «Ich lasse mich nicht stressen. Es geht jetzt darum, die neue Maschine zu entdecken und nach und ich muss mich ans Limit herantasten.» 
Dominique Aegerter

 «Ich lasse mich nicht stressen. Es geht jetzt darum, die neue Maschine zu entdecken und nach und ich muss mich ans Limit herantasten.» Enttäuscht? «Nein, ganz und gar nicht. Vor allem habe ich den Eindruck, dass das Vorderrad beim Bremsen sehr stabil ist.» Das werde ihm beim Spätbremsen helfen. Tom Lüthi allerdings auch.

Den «Lüthi-Komplex» vermeiden

Heute Donnerstag ist in Jerez noch einmal gutes Wetter angesagt. Am Freitag soll es regnen. Es bleibt Dominique Aegerter wohl nur noch der heutige Donnerstag, um einen «Lüthi-Komplex» zu vermeiden. Es wäre ganz und gar nicht gut, wenn er mit Rückstand auf Tom Lüthi überwintern müsste. Mit dem Sieg auf dem Sachsenring schien es, als sei Dominique Aegerter endlich aus dem Schatten seines grossen Vorbildes getreten.

Tom Lüthi 
Tom Lüthi 
bild. Jean-Claude Schertenleib

Wenn Dominique Aegerter hier beim ersten Test mit den neuen Kalex-Bikes gleich hinter Tom Lüthi zurückfällt und mit dieser Niederlage den ganzen Winter leben muss, dann hat er ein Problem. Rennfahrer sind sensible Alphatiere und ihr Selbstvertrauen ist zerbrechlich wie Glas. Wir erleben in Jerez soeben die wichtigsten Tests unserer Töffgeschichte.

Moto2-Tests in Jerez, erster Tag 
1. Johann Zarco (Fr), Kalex 1:42.858  
2. Tito Rabat (Sp), Kalex, 1:42.927 
3. Sandro Cortese (De), Kalex, 1:43.197  
4. Thomas Lüthi (Sz), Kalex, 1:43.470
Ferner: 14. Dominique Aegerter (Sz), Kalex, 1:44.653
19. Robin Mulhauser (Sz), Kalex, 1:45.519
20. Randy Krummenacher (Sz), NTS, 1:45.638
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