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Portrait vom CEO des SC Bern, Marc Luethi, am Montag, 13. August 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SCB-Boss Marc Lühti schaltet sich in die Diskussion um die Liga-Reform im Schweizer Eishockey ein. Bild: KEYSTONE

SCB-Boss Marc Lüthi erklärt, warum die Liga-Reform für die Klubs so wichtig ist

Die bevorstehende Liga-Reform im Schweizer Eishockey erhitzt die Gemüter. Mehr Ausländer, kein Abstieg, Financial Fairplay statt Salary Cap – die Fans gehen auf die Barrikaden, weshalb sich SCB-Boss Marc Lüthi zu einer Stellungnahme gezwungen sah.



Die National League plant im Rahmen der strategischen Ausrichtung 2022 eine komplette Reorganisation der Liga. Die Kernpunkte der vorgesehenen Reform sind die Einführung eines sogenannten «Financial Fairplays» mit Lohn-Ober- und Untergrenze, die Einrichtung einer geschlossenen Liga ohne Auf- und Abstieg sowie die Erhöhung der Ausländer-Anzahl von vier auf zehn.

Den Schweizer Hockey-Fans passt die totale Umkremplung jedoch gar nicht: 18 organisierte Fan-Gruppierungen aus den drei höchsten Schweizer Ligen haben sich in einem gemeinsamen Statement gegen die Neuerungen gestellt und eine watson-Umfrage ergab, dass auch die nicht-organisierten Fans der geplanten Reform deutlich kritisch gegenüberstehen. Eismeister Zaugg schrieb, dass es seit den Lebzeiten von Karl Marx und Friedrich in der freien Marktwirtschaft noch nie so viel Arroganz gegenüber der zahlenden Kundschaft gegeben habe wie rund um die geplante Liga-Reform.

Mehr zum Thema:

Das wollte SCB-CEO Marc Lüthi so nicht stehen lassen. In einem ausführlichen Statement erklärt er, warum die Reform für die Klubs dringend notwendig. Nachfolgend seine wichtigsten Aussagen.

Lüthi über ...

... die Diskussionen über die Reform:

«Momentan werden diverseste Theorien verbreitet mit ebenso vielen Ratschlägen und Forderungen, warum man was nicht machen sollte oder dürfe. Notabene von Leuten, die noch nie einen Klub geführt haben.»

... den Zusammenhang zwischen Pandemie und Reform:

«Seit 1999 hat der SCB bis zum Corona-Jahr immer schwarze Zahlen geschrieben haben. Dafür haben wir jeden Franken im Markt verdient – mit Eishockey und Gastronomie. [...] Ob die Rahmenbedingungen aber jemals wieder die gleichen sein werden wie vor Corona weiss niemand. Wie nachhaltig die Wirtschaft Schaden nimmt auch nicht. Das heisst, wir wissen auch nicht, ob wir jemals wieder mit den gleichen Budgets operieren können wir vor der Krise. Deshalb ist die jetzt diskutierte Liga-Reform äusserst wichtig.»

... die Erhöhung des Ausländerkontingents:

«Es gibt vier Argumente, warum die Anzahl Ausländer angepasst werden muss:

1. Ligagrösse ist nicht mehr fix. Für mehr als 12 Klubs gibt es nicht genügend qualifizierte Schweizer Spieler.

2. Das Abkommen mit der NHL erlaubt es, den nordamerikanischen Klubs bis spätestens Mitte Juli jeden Spieler aus einem laufenden Vertrag in Europa zu holen.

3. Der Spielermarkt soll aufgebrochen werden und es soll die Möglichkeit bestehen, auch einmal einen ausländischen Rollenspieler zu holen, wenn der Schweizer Spieler für die vorgesehene Rolle zu teuer oder noch nicht genug entwickelt ist.

4. Als Schweizer Spieler gelten nur noch Spieler, die einen Schweizer Pass haben und die theoretisch für die Nationalmannschaft spielen können.»

... die Vorteile der neuer Ausländer-Regel:

«Wenn in Zukunft ein Flügel für die dritte Linie gesucht wird, für den es auf dem Schweizer Markt nur einen verfügbaren Spieler gibt, dann soll es möglich sein, stattdessen einen Ausländer zu verpflichten. Denn wenn genau dieser Schweizer Spieler von zwei Klubs gesucht wird, geht der Preis automatisch hoch. Insbesondere auch dann, wenn gerade kein geeigneter und bereits entsprechend gereifter Junior da ist. Denn auch in Zukunft soll gelten, dass einfach nur jung sein keinen Platz garantiert. Für die Plätze sollen die jungen Spieler kämpfen und sich den Einsatz im Profiteam mit Sonderschichten verdienen.»

in the center, Bern's player Ted Brithen celebrate with teammate the the 1-4 goal, during the friendly match of National League A (NLA) Swiss Championship 2020/21 between HC Ambri Piotta and HC Bern at the BiascArena in Biasca, Switzerland, Saturday, September 12, 2020. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Die Frage aller Fragen: Nehmen mehr Ausländer den Schweizer Spielern Spielpraxis weg? Bild: keystone

... das geforderte Einsetzen von Junioren:

«Die neue Regelung der Ligagrösse kann dazu führen, dass in der Liga auch mal 13 oder 14 Klubs mitspielen können. Dafür gibt es schlicht und einfach nicht genügend Schweizer Spieler, die sich auf NL-Niveau befinden. Jeder der nun sagt, man solle einfach Junioren einsetzen, sollte zwei Aspekte berücksichtigen. Erstens gilt in der Schweiz folgende Faustregel: Wenn aus jedem Junioren-Jahrgang ein Spieler aus jedem Klub den Sprung zu den Profis schafft, ist das sehr gut. Zweitens ist es nach wie vor unser Anspruch, den Leuten eine attraktive und spannende Meisterschaft bieten zu können.»

... den Grund für eine Anpassung der Ligagrösse:

«Der alljährliche Druck der Qualifikation für die Playoffs und vor allem jener der Abstiegsgefahr verschlingt in den Klubs am Strich Jahr für Jahr viel Geld. In Zukunft soll eine schlechte Saison nicht mehr darüber entscheiden, ob ein Klub aus der Liga ausscheiden muss oder nicht. Es braucht eine nachhaltig schlechte Entwicklung sowohl sportlich wie auch finanziell, bis ein Klub ausgeschlossen wird. Dies gibt den Klubs auch mehr Planungssicherheit.»

... über den fehlenden Auf- und Abstieg:

«Die Liga ist nicht geschlossen. Ein Swiss League-Meister kann auch in Zukunft in die NL einsteigen, wenn er alle sportlichen und kommerziellen Auflagen erfüllt.»

... die Wichtigkeit der Planungssicherheit:

«In den meisten Klubs arbeiten heute weit über 100 Personen, die in irgendeiner Funktion in den Klubs Geld verdienen. Bei uns sind es über 1000. Ich bin überzeugt, dass mehr Planungssicherheit in Zukunft vor allem auch den kleineren Klubs dient. Denn sie können auch während und nach einer richtig schlechten Saison Vertragsverhandlungen mit Sponsoren und Spielern führen. Auf diese Weise werden auch Klubs wie den SCL Tigers oder Ambri gute Chancen eröffnet, in den Playoffs einmal so richtig für Furore zu sorgen.»

epa08651218 General view of the ice hockey test match between SC Bern and Red Bull Muenchen at the Postfinance Arena in Bern, Switzerland, 06 September 2020.  EPA/ANTHONY ANEX

Keine Zuschaer in der PostFinance-Arena: Der SCB hat mit fehlenden Einnahmen zu kämpfen. Bild: keystone

... das Financial Fairplay:

«Es geht darum, langfristig einen gewissen Ausgleich zu schaffen und die Grenze zwischen den höchsten und den tiefsten Budgets etwas zu korrigieren. So werden eine Untergrenze und eine Obergrenze festgelegt. [...] Mit dieser Massnahme soll innerhalb der Liga dafür gesorgt werden, dass Geld vernünftig ausgegeben wird und es künftig in zehn Jahren mehr als nur drei verschiedene Meister gibt.

... über die Zukunft:

«Für die Zukunft stehen zwei Projekte an. Auf der einen Seite wollen wir die Nachwuchsbewegung weiter ausbauen, damit auch wir in Zukunft den einen oder anderen NHL-Spieler entwickeln können. Dies führt automatisch auch für unser Team zu neuen Spielern. Auch das Profiteam muss umgebaut werden, so dass wir spätestens in drei Jahren wieder um Titel mitspielen können. Bis dahin dauert es etwas. Aber um es symbolisch auszudrücken. Vor drei Wochen wurden wir aus dem Spital entlassen. Jetzt brauchen wir ein wenig Zeit.»

(pre)

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