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Lamar Odom – was die Netflix-Doku über Kampf gegen Drogensucht zeigt

Lamar Odom in «Untold: The Death & Life of Lamar Odom» von Netflix
Der einstige NBA-Profi Lamar Odom hat eine bewegte Geschichte hinter sich – nun erzählt er diese.Bild: screenshot netflix
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Die Auferstehung von Lamar Odom – und was sie über den Kampf gegen die Drogensucht zeigt

Eine eindrückliche Dokumentation zeichnet das Leben des einstigen NBA-Stars Lamar Odom nach. Der 46-Jährige erlag fast seiner Drogensucht und will nun anderen Süchtigen helfen – und den Blick auf diese verändern.
05.04.2026, 12:0005.04.2026, 12:00

«Sein Leben ist aussergewöhnlich», sagt Khloé Kardashian über ihren Ex-Mann Lamar Odom. Es habe neben hohen Hochs zwar sehr tiefe Tiefs gegeben, aber: «Verdammt, ist es aussergewöhnlich!»

Wer Odoms Geschichte kennt, kann dem nur zustimmen. Der heute 46-jährige US-Amerikaner war Basketball-Star, gewann zwei NBA-Titel. Doch er kämpfte auch jahrelang mit der Drogensucht – von der er noch immer nicht ganz losgekommen ist. Im Oktober 2015 wäre er wegen dieser fast gestorben. «Ich war drei Tage lang tot», sagte er nun in der Netflix-Dokumentation über sein Leben, «doch ich habe es geschafft.»

Der Trailer zur Doku.Video: YouTube/Netflix

«The Death & Life of Lamar Odom» ist Teil der Sportdoku-Serie «Untold» und erzählt eindrücklich, wie ein gefeierter Sportler so tief fallen konnte.

Odom wuchs im New Yorker Stadtteil Queens auf. Sein Vater war drogenabhängig, die Mutter starb, als Odom zwölf Jahre alt war. Zuflucht fand er im Basketball. Er spielte sich in die NBA. Zuerst zu den Los Angeles Clippers, bevor er über Miami bei den Lakers unterkam, wo er mit Superstar Kobe Bryant 2009 und 2010 Meister wurde. Odom war einer der besten Bankspieler der Liga – doch die erlebten Schicksalsschläge holten ihn immer wieder ein.

«Ich war auf diese Macht nicht vorbereitet.»
Lamar Odom

Schon im Alter von 18 Jahren ist Odom Vater geworden. Noch vor seiner NBA-Karriere kam Tochter Destiny auf die Welt, mit seiner Jugendliebe Liza Morales bekam er später zwei weitere Söhne. Der jüngere starb aber 2006 im Alter von einem halben Jahr am plötzlichen Kindstod. Die Beziehung mit Morales zerbrach auch daran, dass diese danach nicht mehr zurück nach Los Angeles wollte.

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Mit Kobe Bryant und den Lakers wurde Odom (l.) zweimal Meister.Bild: EPA

Odoms Priorität war eine andere: «Ich musste zurück zur Arbeit», sagt er nun, «ich wusste wohl einfach, wo mein Platz war. Was hätte ich sonst tun sollen?» Ähnlich wie sein Vater war Odom im Leben seiner Kinder selten präsent. Einerseits, weil er als Basketballer quer durchs Land reiste. Aber auch wegen seiner Liebe zu Partys und Drogen.

Khloé Kardashian lernte Odom 2009 ebenfalls auf einer Party kennen. Einen Monat später heirateten die beiden live im Fernsehen. Odom war jetzt auch im Reality-TV ein Star, hatte mit seiner Ehefrau bald eine eigene Show. Für ihn habe es sich angefühlt wie ein «Machtrausch», sagt er im Rückblick. «Aber ich war auf diese Macht nicht vorbereitet.» 2011 wurde er unvermittelt nach Dallas getradet, wovon er im Radio erfuhr. Danach brach alles auseinander.

«Ich leistete Beihilfe, ohne dies zu wissen.»
Khloé Kardashian

Seine Drogensucht verschlimmerte sich, wiederholt nahm er eine Überdosis, hatte Affären und verschwand teilweise tagelang. Kardashian erzählt, wie sie ihn auf der Strasse oder in Motels suchte und mit Drogenutensilien fand. Teilweise habe sie sein Zimmer reinigen müssen, damit das Putzpersonal keine Story verkaufen konnte. Sie unterstützte Odom dabei, seine Sucht zu vertuschen. Erst später realisierte sie, dass sie diese damit nur verschlimmerte. «Ich leistete Beihilfe, ohne dies zu wissen», sagt sie nun.

FILE - In this April 30, 2012, file photo, Khloe Kardashian Odom and Lamar Odom from the show "Keeping Up With The Kardashians" attend an E! Network upfront event at Gotham Hall in New York. ...
2009 heiratete Odom Khloé Kardashian.Bild: AP/AGOEV

Ende 2013 stellte Kardashian ihren Ehemann vor die Wahl: Entzug oder Scheidung. Odom entschied sich für die zweite Option. Als er 2015 die Scheidungspapiere unterschrieb, wollte er dies in einem Bordell ausserhalb von Las Vegas feiern. Dort verbrachte er zwei Tage und nahm so viel Potenzmittel, dass er zwölf Schlaganfälle und sechs Herzinfarkte erlitt. Schäden an der linken Gehirnhälfte und ein Lungenkollaps waren die Folge.

Die Ärzte gaben ihm eine geringe Überlebenschance. Seiner Familie wurde mehrmals geraten, sich von ihm zu verabschieden. Doch Odom überlebte. «Es war ein Wunder», sagt er heute. Nach dem Erwachen aus dem Koma kämpfte sich der damals 36-Jährige langsam zurück – vor allem durch die Unterstützung von Noch-Ehefrau Kardashian, die stets bei ihm war und ihm im Anschluss ein Haus inklusive Pflegepersonal und Koch mietete. Dann erwischte sie ihn beim Konsum von Crack und warf ihn raus. «Es ging ihm besser, als ich wusste. Er hat mich ausgenutzt, damit ich diesen Lebensstil für ihn weiterführen kann», berichtet die 41-Jährige nun.

«Er hat sich verhalten, als wäre das mit dem Koma nie passiert.»
Tochter Destiny

Odom schien aus seiner Nahtoderfahrung wenig gelernt zu haben. Als er wieder laufen und sprechen konnte, besuchte er verschiedene Events in Los Angeles. Ging zum Abschiedsspiel von Kobe Bryant oder besuchte die Fashionshow von Kanye West in New York. Seine Kinder besuchte er dort aber nicht. «Er hat sich verhalten, als wäre das mit dem Koma nie passiert», erzählt Tochter Destiny.

Lamar Odom mit seinen Kindern Destiny und Lamar Jr.
Lamar Odom mit seinen Kindern Lamar Jr. und Destiny.Bild: instagram.com/lamarodom

Die Drogensucht loszuwerden, war Odom zunächst unmöglich. Kardashian sieht den Grund dafür darin, dass er seiner Vergangenheit nicht entkommen kann. «Ich glaube, dass sein Leiden darin besteht, dass er sich selbst die Schuld für so viele tragische Ereignisse in seinem Leben gibt.» Diese habe er dann teilweise genutzt, um seinen Drogenmissbrauch zu rechtfertigen. «Wenn er etwas Schlimmes getan hat, konnte er einen ganzen Rucksack voller Gründe dafür anführen.»

Die Einsicht kam beim ehemaligen Basketballprofi erst später. 2019 schrieb er in seinen Memoiren: «Ich bin immer noch süchtig. Ich kämpfe täglich damit.» Indem er seine Geschichte nun erneut so offen erzählt, will er anderen in derselben Situation helfen. Er setzt sich zudem dafür ein, Einrichtungen für ein abstinentes Leben zu eröffnen, um Süchtigen zu helfen, wie The Athletic berichtet.

Die Mutter seiner Kinder, Liza Morales, hofft zudem, dass sich auch der Blick auf Süchtige verändert. «Viele denken: ‹Es ist ihr Fehler, weil sie angefangen haben, Drogen zu nehmen.› Doch wenn man sich richtig damit beschäftigt, merkt man, dass man hineinrutschen und sich darin verfangen kann.» Dies zeige die Geschichte Odoms.

«Es fühlt sich an, als wäre man der Elternteil und er der Sohn.»
Sohn Lamar Jr.

Er weiss, wie viel Glück er hatte. «Die meisten Süchtigen sterben oder landen im Gefängnis», sagt er. Seine Beziehung zu den gemeinsamen Kindern hat er mittlerweile repariert. Wobei Sohn Lamar Jr. sagt: «So sehr er sich weiterentwickelt hat, muss man ihn manchmal wieder auf den richtigen Weg bringen. Es fühlt sich an, als wäre man der Elternteil und er der Sohn.»

Im Januar wurde Odom wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verhaftet. Durch das Filmen der Dokumentation seien die alten Erinnerungen hochgekommen, was für ihn schwierig gewesen sei. Im Anschluss verbrachte er einen Monat in der Entzugsklinik. Nun ist er seit über 60 Tagen clean. Der Kampf gegen die Sucht dürfte ihn sein Leben lang begleiten.

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