Im Dezember des vergangenen Jahres lösten sich Schweizer Sportträume vorerst in Luft auf. Angeführt von Swiss-Ski-Boss Urs Lehmann wollte man die Olympischen Winterspiele bereits in sechs Jahren ins Land holen. Doch das IOC vertröstete die Initianten auf 2038 und gab der Schweiz vier Jahre Zeit, um den eigens für Swiss Olympic reservierten Zugang auch zu nutzen.
Dass Frankreich die Schweiz beim Wunschtermin 2030 ausstach, hat viel mit der Politik zu tun. Staatschef Emmanuel Macron schrieb im Vorfeld der Entscheidung einen unmissverständlichen Brief an IOC-Präsident Thomas Bach, dass der französische Staat alle notwendigen Vorkehrungen für erfolgreiche Winterspiele treffen werde. Dasselbe tat Joe Biden übrigens für Salt Lake City 2034.
Diese Art von politischer Unterstützung von höchster Stelle mag zwar vor allem symbolischen Charakter haben. Aber gerade das IOC hat bei so mancher Gelegenheit bewiesen, dass es viel von Symbolkraft hält. In der Rückmeldung zum Schweizer Olympia-Dossier wurde im krassen Gegensatz denn auch unterstrichen, dass man sich ein starkes Signal der politischen Unterstützung für die weitgehend privat organisierten und finanzierten Pläne wünscht.
Inzwischen ist die Sport-Diplomatie weit fortgeschritten. Das IOC erwartet konkret ein bundesrätliches Schreiben zum Support der Spiele bis Ende September. Inhaltlich soll dieses in etwa jenem von 2017 entsprechen, als der damalige Sportminister Guy Parmelin die bislang letzten Schweizer Pläne für Winterspiele 2026 im Wallis auf diese Weise unterstützte.
Parmelin schrieb damals zuhanden von Thomas Bach: «Der Bundesrat ist in seiner Gesamtbeurteilung überzeugt, dass die Chancen für Sport, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz die Risiken überwiegen. Als Vorreiterin einer neuen Generation Olympischer Spiele und als Heimatland Dutzender internationaler Sportverbände könnte die Schweiz in der weltweiten Wahrnehmung eine Pionierrolle einnehmen.»
Ebenfalls Bestandteil des Schreibens von 2017 war die Garantie einer maximalen finanziellen Beteiligung durch den Bund von rund einer Milliarde Franken. Eine solche monetäre Aussage wird diesmal vom IOC nicht verlangt. Die vorerst erforderte Garantie von 200 Millionen Franken Reserven soll privat geleistet werden.
Die operative Führung am IOC-Hauptsitz in Lausanne meinte jüngst lapidar, im Grunde könne die aktuelle Sportministerin Viola Amherd das damalige Schreiben ihres Bundesratskollegen punkto Tonalität 1:1 kopieren.
In der Tat wird die Bundespräsidentin, die felsenfest hinter dem Projekt steht, dem Gesamtbundesrat in den nächsten Tagen – wahrscheinlich an der Sitzung vom 20. September, allenfalls bereits eine Woche früher - ein solches Schreiben an das IOC vorschlagen. Man wird bestätigen, dass man den vom IOC vorgeschlagenen Prozess bis Ende 2027 unterstützt. Der politische Support wird darin also allgemein formuliert sein.
Dies aus gutem Grund, denn in einigen wichtigen Punkten bleibt das Schweizer Olympiadossier noch sehr vage und unverbindlich. Wie stellt man sich die angedachte finanzielle Unterstützung des Bundes für die Paralympics vor? Welche Kosten im Bereich Sicherheit kommen angesichts des sehr dezentralen Konzepts auf die Kantone zu? Mit welchen Bundeshilfen ist in Sachen Infrastrukturprojekte rund um den grössten Sportanlass der Welt zu rechnen?
Der Bundesrat wird Mitte September genau in dieser Thematik Nägel mit Köpfen machen. Bundespräsidentin Amherd schlägt die Einsetzung einer interdepartementalen Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Kantons- und Projektvertretern vor, welche solche und andere Fragen klären soll und auf diese Weise die Koordination zwischen Bund und Kantonen sowie dem Verein «Olympische Winterspiele 2038» sicherstellt.
Dieses Vorgehen wird auch im Unterstützungsschreiben ans IOC genauer erläutert. Es ist zwar kein Blankoscheck à la Macron, aber doch ein starkes Zeichen für die Begleitung der Olympischen Absichten durch die öffentliche Hand. Mit der Einsetzung der Arbeitsgruppe übernimmt der Bund diesbezüglich den Lead. Dies sollte auch dem IOC bewusst sein, das sich trotz Sitz in Lausanne bisweilen mit dem Verständnis für politische Abläufe in der Schweiz etwas schwertut. (aargauerzeitung.ch/lyn)
Wir sind ja keine Unmenschen.
Geben wir dem IOC ein Signal mittels Volksabstimmung.