Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04988178 (FILE) FIFA President, Swiss Joseph Sepp Blatter (L) and former German soccer player Franz Beckenbauer during the Sepp Blatter Soccer Tournament in Ulrichen, Switzerland, 09 August 2014. A FIFA ethics committee investigation against German icon Franz Beckenbauer has been completed and the case is passed on to its adjudicatory chamber for a ruling, the ethics committee said on 21 October 2015. The ethics committee also said it will do its best to come to a final decision in its probe against FIFA president Joseph Blatter and Platini before the end of their provisional 90-day suspension.  EPA/ANTHONY ANEX

August 2014: Sepp Blatter und Franz Beckenbauer am Sepp-Blatter-Fussballturnier in Ulrichen SZ.
Bild: EPA/KEYSTONE

«Ich habe nie Geld verlangt. Jamais de la vie!» – Sepp Blatter widerspricht Franz Beckenbauer 

Der suspendierte Fifa-Präsident spricht über dubiose Zahlungen, Putin und seine neue Schaltzentrale. Ein Hausbesuch bei Sepp Blatter.

yannick nock, patrik müller / schweiz am sonntag



Wie viel Macht steckt in diesem kleinen Zimmer? Ein Tisch, ein Computer, ein Fussball. An der Wand ein Foto des Matterhorns. Das neue Büro von Sepp Blatter erinnert nicht im Geringsten an die prunkvollen Räume des Fifa-Glaspalastes auf dem Zürichberg. Doch was heisst das schon? Hier in seiner Wohnung, einen Steinwurf vom Fifa-Hauptsitz, erreichen Blatter noch immer Briefe von Staatsoberhäuptern aus aller Welt. Putin hat ihm geschrieben, der chinesische Präsident Xi Jinping ebenso und natürlich die Südafrikaner. Sie unterstützen den suspendierten Schweizer. Für sie ist er weiterhin der Fifa-Boss.

Der Mann aus dem Wallis füllt seit Wochen die Titelseiten der Weltpresse: Von der Fifa gesperrt, vom Hauptsitz verbannt, von der Bundesanwaltschaft ins Visier genommen. Und doch ist er noch da, hier in seinem kleinen Büro, wo die Fäden zusammenkommen. «Nein, nicht die Fäden», sagt Blatter und lächelt, «die ganze Welt.»

«Der neue Präsident muss die Entwicklungsprogramme weiterführen und darf die kleinen Verbände nicht zum Spielball der grossen Länder verkommen lassen.»

Sepp Blatter

Die grosse und die kleine Welt: Blatter lebt derzeit in beiden. Sie spiegeln sich in seinem Auftreten. In einem Moment schweift Blatters Blick ins Leere, im anderen erzählt er Geschichten, imitiert Personen und lacht. «Ich bin ein Sonnyboy.»

Seit dem 8. Oktober ist Blatter von seinem Amt suspendiert, nach 17 Jahren als Präsident. Eigentlich will er reden, sich wehren gegen die Vorwürfe. Doch seine Anwälte raten ihm ab, über die Anschuldigungen zu sprechen. Blatter soll unerlaubt 2 Millionen Franken an Uefa-Chef Platini gezahlt haben, er soll Konten gefälscht und TV-Rechte weit unter Wert an Freunde verkauft haben. Die Verdächtigungen treffen ihn, er hält sie für bösartige Verleumdungen. «Ich werde vorverurteilt.»

Am Donnerstag folgt der nächste Angriff, zu dem Blatter aber nicht schweigen wird. Der Deutsche Fussballbund (DFB) wirft dem Walliser in einer Pressekonferenz vor, der Grund für das zerstörte Sommermärchen zu sein. Blatter soll den Kuhhandel vorgeschlagen haben, der zu einer schwarzen Kasse und dem mutmasslichen Kauf der Weltmeisterschaft 2006 geführt hat.

23.10.2015; Frankfurt; Fussball Deutschland - DFB-Pressekonferenz zu den Vorwuerfen bei der WM-Vergabe 2006; DFB-Praesident Wolfgang Niersbach auf dem Weg zur PK (Thorsten Wagner/Witters/freshfocus)

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Bild: Thorsten Wagner/freshfocus

Der Präsident des DFB, Wolfgang Niersbach, unterrichtet die Weltpresse von einem Vier-Augen-Gespräch zwischen dem Fifa-Präsidenten und OK-Chef Franz Beckenbauer Anfang 2002. Blatter soll 10 Millionen Schweizer Franken verlangt haben. Als Voraussetzung dafür, dass die Fifa dem deutschen OK 250 Millionen Franken als Zuschuss für die WM gebe. Waren das vielleicht 10 Millionen Franken für eine schwarze Kasse? Möglich ist vieles, bewiesen ist nichts. Stimmt Niersbachs Version, hätte der Weltfussballverband wie ein Schutzgeld-Erpresser agiert.

«Manche Leute halten sich für James Bond. Sie flüstern ins Telefon und glauben, was sie sagen, sei unheimlich wichtig, dabei geht es um Belanglosigkeiten.»

Sepp Blatter

Darauf angesprochen, hebt Blatter beide Zeigefinger, der Machtmensch kehrt zurück: «Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Jamais de la vie. Nie im Leben», sagt er und wirft die Zeigefinger hin und her. «Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht.» Er habe von seinem Vater einige Grundsätze mitbekommen: «Nimm kein Geld an, das du nicht verdient hast und versuche nie, deine Ziele mit Geld zu erreichen.»

Warum die Fifa trotzdem über ein «Kulturprogramm» in die ominöse Zahlung verstrickt ist, weiss der 79-Jährige nach eigenen Angaben nicht. «Ich war nicht involviert.» Die Pressekonferenz des DFB – die mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert hat – hat Blatter dennoch verfolgt. «Da kommt mir der Schlusskommentar der ARD in den Sinn: ‹Es sollte ein Befreiungsschlag für Niersbach werden, doch wahrscheinlich war es ein Eigentor›», wiederholt Blatter die Worte. Sie klingen wie seine Worte.

Die Pressekonferenz des DFB

abspielen

YouTube/phoenix

Das Telefon klingelt. Blatter geht nicht ran. Kurz darauf kommt ein Freund ins Zimmer. «Der Anrufer sagt, es ist wichtig.» Blatter verschwindet, aber kommt nach wenigen Minuten zurück. «Manche Leute halten sich für James Bond», sagt er. «Sie flüstern ins Telefon und glauben, was sie sagen, sei unheimlich wichtig, dabei geht es um Belanglosigkeiten.»

Ob Blatter noch einmal auf die grosse Bühne des Weltfussballs zurückkehrt, hängt vom Entscheid der Berufungskommission ab. Wird er rehabilitiert oder gar lebenslänglich gesperrt? Triumphale Rückkehr oder leiser Abgang durch die Hintertür? Eine Entscheidung folgt wohl bis Jahresende. Hinschmeissen werde er auf keinem Fall. «Sonst hätte ich Angst, das Grab meines Vaters zu besuchen. Was glauben Sie, was passiert, wenn ich ihm sage ‹Ich gebe auf›? Da würde er doch glatt herauskommen.»

Blatters einziges, letztes Ziel bleibt der Kongress am 26. Februar. Dann wird der neue Fifa-Präsident gewählt. Blatter will seinen Nachfolger persönlich küren. Auf Ratschläge verzichtet der Walliser, hebt aber einen Punkt hervor. «Der neue Präsident muss die Entwicklungsprogramme weiterführen und darf die kleinen Verbände nicht zum Spielball der grossen Länder verkommen lassen.» Für sich selbst wünscht er sich nur eines: «Ich will nach 41 Jahren bei der Fifa einen würdigen Abgang.»

Nach 80 Minuten verabschiedet sich Blatter, er müsse zum nächsten Termin. Ein Anruf. Eine Minute vergeht, zwei, drei. Dann fährt ein schwarzer Mercedes vor. «Ich gehe jetzt Mittagessen mit dem Fifa-Generalsekretär», sagt er. Und die Suspendierung? «Ich bin von meinem Amt suspendiert, man kann mich nicht als Privatperson suspendieren. Aber keine Sorge, die Rechnung bezahlen wir fifty-fifty.» Ein Lachen. Dann ist er weg.

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

Das könnte dich auch interessieren:

Noch einmal: Was hat Putin gegen Trump in der Hand?

Link zum Artikel

Stell dir vor, das Bundesliga-Topspiel steht an und es spielen mehr Schweizer als Deutsche

Link zum Artikel

Trumps rechte Hand bestätigt aus Versehen, was nie passiert sein soll

Link zum Artikel

Diese 13 Bücher machen dich schlau(er)

Link zum Artikel

Sportlerpics auf Social Media: Jack Sock hat ein süsses Date

Link zum Artikel

Wie Erdogan innenpolitisch vom Krieg profitiert

Link zum Artikel

Wir haben den Wahlplakaten das Sprechen beigebracht – es war wohl ein Fehler 🤣

Link zum Artikel

Grüne hinter der CVP: Die «ultimative» Wahlprognose von Claude Longchamp

Link zum Artikel

Die Wildlife Photographer of the Year Awards wurden vergeben – die Bilder sind DER HAMMER

Link zum Artikel

Armer Kanye! Seine Kim ist zu sexy für ihn und seine Seele, er will das alles nicht mehr

Link zum Artikel

Vergewaltigt, gebrochen, erneut vergewaltigt. Harvey Weinsteins sadistisches System

Link zum Artikel

Hyvä Suomi! Finnlands Fussballer stehen vor dem ersten Turnier ihrer Geschichte

Link zum Artikel

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Noch einmal: Was hat Putin gegen Trump in der Hand?

215
Link zum Artikel

Stell dir vor, das Bundesliga-Topspiel steht an und es spielen mehr Schweizer als Deutsche

25
Link zum Artikel

Trumps rechte Hand bestätigt aus Versehen, was nie passiert sein soll

91
Link zum Artikel

Diese 13 Bücher machen dich schlau(er)

65
Link zum Artikel

Sportlerpics auf Social Media: Jack Sock hat ein süsses Date

321
Link zum Artikel

Wie Erdogan innenpolitisch vom Krieg profitiert

8
Link zum Artikel

Wir haben den Wahlplakaten das Sprechen beigebracht – es war wohl ein Fehler 🤣

28
Link zum Artikel

Grüne hinter der CVP: Die «ultimative» Wahlprognose von Claude Longchamp

80
Link zum Artikel

Die Wildlife Photographer of the Year Awards wurden vergeben – die Bilder sind DER HAMMER

41
Link zum Artikel

Armer Kanye! Seine Kim ist zu sexy für ihn und seine Seele, er will das alles nicht mehr

45
Link zum Artikel

Vergewaltigt, gebrochen, erneut vergewaltigt. Harvey Weinsteins sadistisches System

99
Link zum Artikel

Hyvä Suomi! Finnlands Fussballer stehen vor dem ersten Turnier ihrer Geschichte

22
Link zum Artikel

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

17
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

119
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

79
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

119
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

130
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

357
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

141
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Noch einmal: Was hat Putin gegen Trump in der Hand?

215
Link zum Artikel

Stell dir vor, das Bundesliga-Topspiel steht an und es spielen mehr Schweizer als Deutsche

25
Link zum Artikel

Trumps rechte Hand bestätigt aus Versehen, was nie passiert sein soll

91
Link zum Artikel

Diese 13 Bücher machen dich schlau(er)

65
Link zum Artikel

Sportlerpics auf Social Media: Jack Sock hat ein süsses Date

321
Link zum Artikel

Wie Erdogan innenpolitisch vom Krieg profitiert

8
Link zum Artikel

Wir haben den Wahlplakaten das Sprechen beigebracht – es war wohl ein Fehler 🤣

28
Link zum Artikel

Grüne hinter der CVP: Die «ultimative» Wahlprognose von Claude Longchamp

80
Link zum Artikel

Die Wildlife Photographer of the Year Awards wurden vergeben – die Bilder sind DER HAMMER

41
Link zum Artikel

Armer Kanye! Seine Kim ist zu sexy für ihn und seine Seele, er will das alles nicht mehr

45
Link zum Artikel

Vergewaltigt, gebrochen, erneut vergewaltigt. Harvey Weinsteins sadistisches System

99
Link zum Artikel

Hyvä Suomi! Finnlands Fussballer stehen vor dem ersten Turnier ihrer Geschichte

22
Link zum Artikel

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

17
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

119
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

79
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

119
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

150
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

130
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

103
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

357
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

141
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Blatter haut Sarkozy in die Pfanne: Der frühere Präsident Frankreichs soll die WM in Katar arrangiert haben

Der gesperrte FIFA-Präsident Joseph Blatter räumt in einem Mediengespräch ein, dass die Vergabe von Fussball-Weltmeisterschaften schon immer offen für geheime Absprachen und betrügerische Deals war.

«Wenn Sie nur wenige Leute in einem Wahlgremium haben, können Sie das gar nicht verhindern. Das ist unmöglich», sagte Blatter der «Financial Times». Als Beispiel dafür nannte er in dem Gespräch weitere Details zu der hochumstrittenen Vergabe der WM 2022 an das Golfemirat Katar. Er bestätigte noch einmal, dass die WM-Endrunde 2022 eigentlich in den USA stattfinden sollte. «Hinter den Kulissen war alles klar. Es war diplomatisch bereits ausgemacht, dorthin zu gehen», so der 79-Jährige.

Nach einem …

Artikel lesen
Link zum Artikel