Gold gegen Kanada! Junge Schweizer Curlerinnen mit überragendem WM-Debüt
Keine 23 Jahre alt im Schnitt, doch das Schweizer WM-Quartett spielte in Calgary auf, als wäre es bereits seit Jahren auf der grössten Curling-Bühne dabei. Nach der Auftaktniederlage gegen Japan reihten Xenia Schwaller (Skip), Selina Gafner (Third), Fabienne Rieder (Second) und Selina Rychiger (Lead) 13 Siege bei ihrem WM-Debüt aneinander.
Auch im Final gegen die Kanadierinnen, die erfolgreichste Nation auf WM-Ebene in den vergangenen Jahren, bewiesen die jungen Schweizerinnen eine beeindruckende Mischung aus Abgeklärtheit, Geduld und Selbstbewusstsein. Im zweiten End schrieb die Schwaller-Equipe ein erstes Zweierhaus und verwaltete die Führung danach zunächst routiniert.
Doch im siebten End kam nochmals Spannung auf, als Skip Schwaller der letzte Stein nicht wie geplant glückte und die Kanadierinnen damit einen Steal landen und auf 4:4 ausgleichen konnten.
Doch wer dachte, dass die jungen Schweizerinnen nun angesichts ihrer Unerfahrenheit nervös und zu wackeln beginnen würden, sah sich eines Besseren belehrt. Die vier Akteurinnen machten so gut wie keinen Fehler mehr und Schwaller, die als Skip jeweils die letzten beiden und damit entscheidenden Steine spielte, gab mit einigen perfekten Spielzügen eine eindrückliche Antwort auf ihren Patzer zuvor.
Bereits im 8. End schrieben die vier Athletinnen, die für den GC Curlingclub antreten, ein weiteres Zweierhaus, im 9. End zwangen die Schweizerinnen Kanada einen Stein zu schreiben, wodurch sie im 10. und letzten End das Recht des letzten Steines behielten.
Dort räumte Schwaller mit einem perfekten zweitletzten Spielzug zwei gut platzierte kanadische Steine ab, gleichzeitig schaffte sie es, dass die Schweizer Steine ebenso ideal positioniert liegenblieben. Die kanadische Skip Kerri Einarson stand vor einer schwierigen Aufgabe – und scheiterte prompt. Der 11. WM-Titel eines Schweizer Frauen Curling-Teams war Tatsache, 7:5 lautete das Skore am Ende.
Der Titel der Schweizerinnen ist historisch: Es ist das erste Mal überhaupt, dass sich ein Team aus lauter WM-Debütantinnen gleich zum Weltmeister kürt. Dass die Schweizerinnen dabei derart dominant auftraten, macht den Triumph noch eindrücklicher.
Nach dem im Curling obligaten Handshake mit dem Gegner liessen die vier Schweizerinnen ihrer Freude auf dem Eis freien Lauf. Schwaller sagte später im ersten Interview sichtlich ergriffen:
Die Schweizer Skip stammt aus der erfolgreichen Curling-Familie Schwaller, ihr Vater Andreas, der in Calgary als Co-Trainer dabei war, und ihr Cousin Yannick gewannen beide Olympia-Bronze.
Qualifikation durch Sieg gegen Team Tirinzoni
Dabei war im Grunde schon überraschend, dass die Schweiz überhaupt mit der jungen Equipe um Xenia Schwaller in Calgary antrat. Das Quartett sicherte sich das WM-Ticket mit einem Sieg bei den Schweizer Meisterschaften, die unmittelbar nach den Olympischen Spielen in Cortina vor einem guten Monat stattgefunden hatten.
Dort triumphierten die Junioren-Weltmeisterinnen von 2024 in einem knappen Finalspiel gegen das enorm erfahrene Schweizer Weltklasseteam um Skip Silvana Tirinzoni. Dieses hatte kurz zuvor in Cortina Olympiasilber gewonnen und galt natürlich als Favorit an den Schweizer Meisterschaften.
Team Tirinzoni wurde von 2019 bis 2023 vier Mal in Folge Weltmeister, ehe der Titel zweimal an Kanada ging (jeweils gegen Team Tirinzoni im Finale). Nun holt die Schweiz also in neuer Besetzung die WM-Trophäe zurück und zementiert den Status als eine der besten Curlingnationen der Welt – und angesichts des Alters der neuen Weltmeisterinnen darf man durchaus auf weitere erfolgreiche Jahre hoffen.
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