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Beachvolleyballerin mit Ball.

Ein deutscher Kommentator hat sich für «einen schlechten Scherz» entschuldigt. Bild: Shutterstock

Wirbel um «Penis-Bild» – deutsche Beachvolleyballerinnen brechen Turnier ab



Der deutsche Volleyballer Alexander Walkenhorst ist bekannt dafür, zu polarisieren. So auch am vergangenen Wochenende während des Spiels des deutschen Beachvolleyball-Top-Teams Victoria Bieneck und Isabel Schneider. Mit einem geschmacklosen Witz wollte der 32-Jährige seine Moderation des Spiels auflockern, doch das ging nach hinten los.

Wie sehr und wie folgenreich diese Aktion war – das wird erst jetzt klar. Er selbst spricht von einem «unglücklichen Missgeschick», berichtet «Sport1». Was war passiert?

Alexander Walkenhorst zeichnet ein doppeldeutiges Bild

Beim Match Bieneck und Schneider gegen ihre Gegnerinnen Christine Aulenbrock und Sandra Ferger war Walkenhorst als Twitch-Moderator am Start. Dabei unterhielten er und sein Kollege Dirk Funk die Zuschauer bei einer technischen Auszeit mit Bilderrätseln.

Walkenhorst zeichnete über eine Szene, in der Bieneck und Schneider sassen und redeten, einen Umriss, der die Form eines Penis hatte. Sowohl die User als auch sein Co-Kommentator erkannten das grob gezeichnete männliche Geschlechtsteil. «Sehr komischer Pimmel, wenn es einer sein soll», beschrieb es Funk.

Ein Screenshot aus dem Twitch-Livestream zeigt die ominöse Zeichnung.

Ein Screenshot aus dem Twitch-Livestream zeigt die ominöse Zeichnung. Screenshot: twitch/trops4

Der Volleyballer löste sein Rätsel auf: Nein, nein, das sei nur ein Flughafentower gewesen. Die doppeldeutige Zeichnung schien Walkenhorst zu amüsieren, auch wenn sich diese direkt neben den Köpfen der beiden Volleyballerinnen befand.

Team bricht vorzeitig das Turnier ab

Bieneck und Schneider indes brachen nach dem besagten Spiel vorzeitig das Turnier ab – die Spielerinnen gaben auf Facebook «persönlich Gründe» an.

Nun wird klar: Die «persönlichen Gründe» hatten auch mit dem geschmacklosen Penis-Bild zu tun.

Entsprechende Informationen von «Sport1» bestätigten Bieneck und Schneider nun gegenüber dem Portal: «Wir haben das Spiel am Sonntag aus persönlichen Gründen nicht gespielt. Die Geschehnisse am Vortag waren sicherlich ausschlaggebend.»

Volleyball-Verband rügt das Verhalten von Walkenhorst

Die Spielerinnen teilten weiter mit: «Für uns ist Respekt in allen Lebenslagen ein grundlegender Wert und wir wollten uns von der Aktion distanzieren, die uns persönlich nahe gegangen ist. Wir haben mit Alexander Walkenhorst gesprochen. Er hat den Fehler eingeräumt und uns zugesichert, dass es unangemessen war und sich nicht wiederholen wird.» Die Sache sei für sie damit erledigt.

Auch der deutsche Volleyball-Verband verurteilt das Verhalten Walkenhorsts und teilte mit, es würde nicht den Werten der Sportart entsprechen. Der DVV sagte dazu gegenüber «Sport 1»: «Respekt, die Wahrung der persönlichen Würde und der Persönlichkeitsrechte sollten zu den Grundsätzen des alltäglichen Handelns gehören. Die Spielabsage und der im Nachgang erfolgte Austausch zwischen Victoria Bieneck/Isabel Schneider und Alexander Walkenhorst waren die richtigen Schritte, die verdeutlichen, dass für solche Ausdrucksformen im Beach-Volleyball kein Platz ist»

Walkenhorst schiebt es auf Albernheit

Walkenhorst selbst spricht davon, dass es nicht seine Absicht gewesen sei, irgendwen zu beleidigen. «Zu keinem Zeitpunkt war es unsere oder meine Absicht, mit der Darstellung männlicher Geschlechtsmerkmale gerade im Zusammenhang mit den Spielerinnen irgendwelche Fantasien zu beflügeln oder mangelnden Respekt zum Ausdruck zu bringen», so sein Kommentar gegenüber «Sport 1».

Sein Stil als Moderator lebe «von der Launigkeit und einer gewissen Albernheit» und er besteht darauf, nur einen Flughafentower gezeichnet zu haben. «User im Chat haben das offensichtlich wegen eines vorangegangenen Kommentars eines anderen Users falsch interpretieren wollen und es als erigierten Penis gedeutet. Leider zu einem Zeitpunkt, als der Kameraschwenk die beiden Spielerinnen ins Bild brachte.»

Walkenhorst entschuldigt sich für schlechten Scherz

Während des Spiels soll es keine negativen Kommentare gegeben haben und der Vorfall soll schnell vergessen worden sein. Später hätte allerdings «ein Screenshot die Runde gemacht, bei der das JPEG als 'Dokumentation erigierter Penis' betitelt ist, womit der Deutungsrahmen schon hergestellt ist, bevor jemand das Pic auch nur aufmacht», so Walkenhorst.

Er bestätigt die Angelegenheit mit den beiden Spielerinnen geklärt zu haben und sagt: «Mit ihnen sind wir fine. Sie werden sich deswegen auch nicht instrumentalisieren lassen. Ob sonst jemand daran Interesse hat, darüber wollen wir nicht spekulieren.»

Weiter lautet sein Statement: «Wir alle machen das Projekt ausschliesslich aus Leidenschaft für den Beachvolleyball, das gilt sowohl für die Sportlerinnen und Sportler, wie auch für unser Team. In unserem gemeinsamen Spirit ist für jede Form von Diskriminierung oder Sexismus kein Raum. Wenn dennoch der Eindruck entstanden sein oder von Dritten erzeugt sein sollte, bedauere ich das.»

(lfr, watson.de)

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Sexismus in den Medien

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quelle: shutterstock / screenshot blick / bearbeitung watson
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