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Voller Einsatz bei Feuz.
Voller Einsatz bei Feuz.Bild: keystone
Podest für den Schweizer in Beaver Creek

Glücklicher Beat Feuz nach dem 2. Platz: «Von der Leistung her gewichte ich dieses Ergebnis sogar mehr als meinen Sieg am Lauberhorn»

Kleiner Emmentaler ganz gross. Beat Feuz hat in der Weltcup-Abfahrt im WM-Ort Beaver Creek als Zweiter hinter dem weiter überragenden Kjetil Jansrud ein Ergebnis abgeliefert, das ihm aufgrund der leidigen Geschichte mit dem linken Knie nicht mehr zugetraut worden war.
05.12.2014, 23:0705.12.2014, 23:16

Was hat dieser Beat Feuz in den vergangenen zweieinhalb Jahren nicht alles erdulden und durchmachen müssen! Auf scheinbar gut verlaufene Operationen folgten Rückschläge. Die Gefühlswelt des Pechvogels war völlig zerrüttet. Hoffen und Bangen wechselten sich stetig ab. Die Ungewissheit, überhaupt jemals wieder rennmässig skifahren zu können, machte Feuz zu schaffen. Gedanken an ein erzwungenes, vorzeitiges Karrieren-Ende kamen auf.

Feuz sah sich phasenweise der Sportinvalidität näher als Einsätzen auf höchstem Niveau. Selbst die behandelnden Mediziner konnten ihm nicht bescheinigen, dass es mit dem Profisportler Beat Feuz nochmals was werden würde. Dass eine solche Leidensgeschichte auch beim Betroffenen selber am Selbstvertrauen nagt, versteht sich von selbst. «Es gab einige Momente, in denen ich nicht mehr dran geglaubt habe», blickt Feuz zurück. 

Die Zeit im Spital war jeweils ganz hart, zumal ja die Ärzte mir keine grossen Hoffnungen machen konnten.»
Beat Feuz.
Feuz: Viel Zeit im Kraftraum und in der Reha verbracht.
Feuz: Viel Zeit im Kraftraum und in der Reha verbracht.Bild: Urs Lindt/freshfocus

Zweifel und Fragen

Vor einem Jahr hatte Feuz in Lake Louise sein Comeback gegeben – nach 20 Monaten Pause. Im März 2012 beim Saisonfinale in Schladming war er zum zuvor letzten Mal im Weltcup angetreten – und hatte sich mit Rang 2 in der Abfahrt, seiner zuvor letzten Klassierung unter den ersten drei, aus der Szene verabschiedet. Der Wiedereinstieg verlief zufriedenstellend. Rang 6 in der Abfahrt in Beaver Creek hätte, so der Wunschgedanke von Feuz, der Anfang einer Zeit werden sollen, in der der Sport wieder in den Vordergrund rücken sollte.

Doch es sollte anders kommen: Der Körper des Emmentalers begann wieder zu rebellieren. Feuz fühlte sich müde, ausgebrannt. Und da waren auch wieder die Zweifel und die Fragen. Reicht der eingeschränkte Trainingsumfang, um physisch wieder jenen Level zu erreichen, der Renneinsätze erlaubt? Sind gute Klassierungen wieder möglich?

Feuz ist sprachlos.
Feuz ist sprachlos.Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

«Heute hat es auf jeden Fall gereicht», sagte Feuz nach seinem Coup in Beaver Creek. Auch ihm war das grosse Staunen und die Ungläubigkeit kurz nach der erstaunlichen Fahrt noch anzusehen. «Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Die letzten zweieinhalb Jahre sind mir nicht leicht gefallen. Doch dieses Resultat ist für mich die Bestätigung, dass ich in dieser schwierigen Zeit nicht umsonst gekämpft habe.»

Diesen zweiten Platz reiht Feuz im persönlichen Ranking selbstredend ganz weit oben ein. «Von der Leistung her gewichte ich dieses Ergebnis sogar mehr als meinen Sieg am Lauberhorn. In Wengen war ich mehr oder weniger als Favorit am Start gestanden. Damals hatte ich schon vorher einen Sieg und weitere Podestplätze auf dem Konto gehabt. Und vor allem konnte ich praktisch ohne Schmerzen fahren und musste keine negativen Gedanken mit mir rumtragen. Nach all den Rückschlägen durfte ich hier nun wirklich nicht auf ein solches Abschneiden hoffen.»

Die Reaktionen der anderen Schweizer

Im Sog von Feuz zeigte auch Sandro Viletta eine sehr gute Leistung. Der Bündner lieferte mit Rang 12 sein zweitbestes Ergebnis in einer Weltcup-Abfahrt ab; besser war er bisher lediglich beim letztjährigen Finale in Lenzerheide als Siebenter klassiert gewesen.

«Das hier ist meine Strecke, mein Schnee. Es sind ähnliche Bedingungen wie im Engadin. Das kommt mir entgegen.» Wie wohl er sich in Beaver Creek fühlt, hat der Olympiasieger in der Super-Kombination schon vor drei Jahren mit dem völlig überraschenden Sieg im Super-G gezeigt.

Sandro Viletta mag die kanadische Raubvogel-Piste.
Sandro Viletta mag die kanadische Raubvogel-Piste.Bild: Getty Images North America

Auf einem guten Weg sieht sich auch Silvan Zurbriggen, obwohl es ihm in der Endabrechnung nur zu Platz 19 gereicht hat. Der Walliser muss nach einer durch Rückenprobleme drastisch eingeschränkten Vorbereitung den Weg der kleinen Schritte gehen. «Bis Ende Juli war alles normal verlaufen. Doch dann kamen die Beschwerden, die mich für zwei Monate zum Aussetzen zwangen. Mehr als spazieren lag nicht drin.»

Dreimal musste sich Zurbriggen in dieser Phase in Spitalpflege begeben. Seine Trainingsumfang war seither auf ein Minimum beschränkt. «Mehr als vier, fünf Tage in den Stangen warens nicht. In der Abfahrt wars ein einziger, mit lediglich drei Fahrten.»

Nicht im Klassement scheint Patrick Küng auf. Der Glarner, potenziell der derzeit stärkste Schweizer Speed-Spezialist, schied im oberen Teil der Strecke aus. «Ich habe zu viel Druck gegeben. Deshalb hat es mich rauskatapultiert», beschrieb der letztjährige Gewinner des Super-G in Beaver Creek die Szene. Immerhin konnte Küng einen Sturz verhindern.

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