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Konzentrierter Blick, enttäuschendes Resultat: Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld.
Konzentrierter Blick, enttäuschendes Resultat: Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld.
Bild: AFP
Gleiche Fehler wie gegen Ecuador

Die Analyse deckt schonungslos auf, dass die Nati gegen clevere Franzosen taktisch auf dem Holzweg war

Gross waren die Schweizer Hoffnungen vor dem Spiel gegen Frankreich. Doch die Nati enttäuschte beim 2:5 bitterlich – nicht nur spielerisch, sondern auch taktisch. Die Spielanalyse erklärt, woran es hakte.
21.06.2014, 06:3521.06.2014, 15:10
tobias escher / spielverlagerung.de
  • Karim Benzema war der Schlüsselspieler für Frankreich: Er entblösste die Schweizer rechte Seite und erzeugte viel Druck im Pressing.
  • Die Schweizer kamen mit ihrem konventionellen Aufbauspiel nicht am Pressing der Franzosen vorbei, die überall auf dem Platz Überzahlsituationen schufen
  • Nach der Führung dominierte Frankreich die Partie mit einem Fünfermittelfeld und setzte mit schnellen Kontern Nadelstiche.
Karim Benzema war in allen Belangen der überragende Spieler – nicht nur offensiv.
Karim Benzema war in allen Belangen der überragende Spieler – nicht nur offensiv.
Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

Die WM hatte so schön angefangen für die Schweizer. Beim 2:1­-Sieg über Ecuador zeigte das Team von Ottmar Hitzfeld eine gute Leistung, offenbarte aber bereits einige taktische Mängel. Die Franzosen haben sich das Spiel genau angesehen und schlugen genau in den Schweizer Problemzonen zu.

Die Grundformationen der beiden Teams.
Die Grundformationen der beiden Teams.

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Kein Mittel gegen französisches Pressing

Eine der Schweizer Schwächen war das Aufbauspiel: Der Schweizer Spielaufbau läuft vor allem über die zentralen Spieler, die Aussenverteidiger rücken hingegen auf. Frankreich positionierte sich im 4-­3-­3­-Pressing sehr zentral, um im Zentrum Überzahlen zu schaffen. Die Aussenstürmer rückten im Schweizer Spielaufbau weit ein, um den Druck auf die zentralen Spieler zu erhöhen. So verhinderten die Franzosen, dass die Schweizer Innenverteidiger den Ball zu den Sechsern spielen konnten.

Die Schweizer fanden kein Mittel, das französische Pressing zu umspielen. Immer wieder suchten sie Behrami auf der halbrechten Seite, der allerdings von Linksaussen Benzema und dem aufrückenden Matuidi attackiert wurde. Selbst wenn die Schweiz über die Flügel das Pressing auflösen wollte, rückte der gesamte französische Verbund herüber, um ballnah eine Überzahlsituation zu schaffen. Im besten Falle konnte sich die Nati mit langen Bällen befreien – im schlechtesten Fall verloren sie weit in der eigenen Hälfte den Ball, wie vor dem 0:2:

Behrami wird von zwei Franzosen unter Druck gesetzt.

Er will den Rückpass auf den Innenverteidiger spielen, Benzema ist jedoch weit eingerückt und

fängt diesen Pass ab. Die Franzosen haben freie Bahn zum Schweizer Tor.
Behrami wird von zwei Franzosen unter Druck gesetzt. Er will den Rückpass auf den Innenverteidiger spielen, Benzema ist jedoch weit eingerückt und fängt diesen Pass ab. Die Franzosen haben freie Bahn zum Schweizer Tor.

Benzema legt Lichtsteiners Schwächen offen

Benzema war nicht nur im Pressing, sondern auch bei den französischen Kontern der Schlüsselspieler. Das Schweizer Spiel ist sehr auf die rechte Seite fokussiert. Hier ballen sich mit Shaqiri und Lichtsteiner zwei offensive Spielertypen. Gerade Rechtsverteidiger Lichtsteiner schiesst immer wieder nach vorne, vernachlässigt dabei aber die Defensivarbeit. Benzema postierte sich im Umschaltmoment hinter Lichtsteiner. Besonders gut funktionierte dies in der 31. Minute, als Benzema einen Elfmeter für sein Team gewann (und verschoss):

Lichtsteiner geht nach vorne und will einen Doppelpass mit

Shaqiri bzw. Xhaka spielen, die zentral eingerückt sind. Cabaye fängt diesen Pass ab. Sofort

bewegt sich Benzema in den Raum, den Lichtsteiner offen lässt. Cabaye bedient ihn mit einem

langen Pass, Benzema kann ungestört bis in den Schweizer Strafraum dribbeln.
Lichtsteiner geht nach vorne und will einen Doppelpass mit Shaqiri bzw. Xhaka spielen, die zentral eingerückt sind. Cabaye fängt diesen Pass ab. Sofort bewegt sich Benzema in den Raum, den Lichtsteiner offen lässt. Cabaye bedient ihn mit einem langen Pass, Benzema kann ungestört bis in den Schweizer Strafraum dribbeln.
Stephan Lichtsteiner im Duell mit Karim Benzema.
Stephan Lichtsteiner im Duell mit Karim Benzema.
Bild: Best Photo/freshfocus
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Frankreich überlässt den Schweizern das Spiel

Im Gegensatz zu den Franzosen konnten die Schweizer nie mit ihrem Pressing überzeugen. Das schweizerische 4-­2-­3-­1 wurde gegen den Ball zu einem 4-­4-­1-­1, wobei Xhaka etwas hinter Stürmer Seferovic agierte. Die Franzosen konnten dieses Pressing relativ einfach umspielen, indem Cabaye sich nach hinten fallen liess. Zwar wurde er meist von Xhaka gedeckt, allerdings öffnete er dadurch den Passweg auf den ballfernen Innenverteidiger Frankreichs.

In dieser Szene baut Frankreich das Spiel auf. Seferovic stört

den gegnerischen Innenverteidiger, der am Ball ist, Xhaka übernimmt Cabaye. Die Franzosen

können dieses Pressing über einen einfachen Seitenwechsel auf den zweiten Innenverteidiger

umspielen.
In dieser Szene baut Frankreich das Spiel auf. Seferovic stört den gegnerischen Innenverteidiger, der am Ball ist, Xhaka übernimmt Cabaye. Die Franzosen können dieses Pressing über einen einfachen Seitenwechsel auf den zweiten Innenverteidiger umspielen.

So konnten die Schweizer selten gute Ballgewinne erzielen; Frankreich dominierte das Spiel mühelos. Es musste selbst nicht einmal so viel in den Spielaufbau investieren; am Ende hatte die Schweiz ein klares Ballbesitzplus (57 % zu 43 %), mit dem sie allerdings wenig anzufangen wusste.

Granit Xhaka wird von Yohan Cabaye attackiert.
Granit Xhaka wird von Yohan Cabaye attackiert.
Bild: AFP

Positive Ansätze vorhanden

Das Schweizer Spiel hatte jedoch auch lichte Momente. Einige Male gelangen dem Schweizer Team schnelle Konter, wenn sie sich durch schöne Vertikalpässe aus dem Pressing befreien konnten. In diesen Situationen postierte sich Shaqiri meist im Zentrum, er bot sich etwas klüger an als Xhaka.

Gefährlich wurde es ohnehin nur, wenn Shaqiri seine angestammte rechte Seite verliess und das Zusammenspiel mit Mehmedi suchte. Allerdings machte die Aufstellung von Stürmer Seferovic in diesem Kontext wenig Sinn. Seine ausweichenden Bewegungen wurden kaum eingebunden, bei Kontern und Schnellangriffen wurde die Durchschlagskraft von Drmic jedoch schmerzlich vermisst.

Die Nominierung von Haris Seferovic (im Duell mit Mamadou Sakho) für die Startaufstellung zahlte sich nicht aus.
Die Nominierung von Haris Seferovic (im Duell mit Mamadou Sakho) für die Startaufstellung zahlte sich nicht aus.
Bild: MARCOS BRINDICCI/REUTERS

Nach der Pause verbesserte sich das Spiel der Schweizer dank der Einwechslung von Dzemaili. Er agierte etwas tiefer als Behrami und erlaubte damit Inler, weiter in die gegnerische Hälfte vorzurücken. Gegen nun tiefer agierende Franzosen machte Inler das Spiel aus dem Rückraum. Gleichzeitig öffneten sich durch die hohe Rolle der Aussenverteidiger und von Inler mehr Konterräume für Frankreich, die es gnadenlos ausnutzte. Zwei Ehrentreffer sorgten am Ende dafür, dass die Niederlage zumindest auf dem Papier nicht ganz so schmerzlich ausfiel.

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2010 reloaded?

Die Schweiz muss die Niederlage schnell abhaken. Nachdem sie gegen Frankreich mit einem hohen Pressing zu kämpfen hatte, dürfte auf sie gegen Honduras ein ganz anderes Spiel warten. Die Schweizer müssen den Abwehrriegel der Honduraner knacken. Dazu müssen sie spielerisch eine Schippe drauflegen und die Löcher auf der rechten Seite schliessen. Ansonsten droht eine Wiederholung des Traumas von 2010.

Alles versucht, alles verpasst: Alex Frei und Co. scheiden nach einem 0:0 gegen Honduras an der WM 2010 schon nach der Gruppenphase aus.
Alles versucht, alles verpasst: Alex Frei und Co. scheiden nach einem 0:0 gegen Honduras an der WM 2010 schon nach der Gruppenphase aus.
Bild: AP
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