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GCs Veroljub Salatic feiert den Treffer zum 3:0 beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Luzern und dem Grasshopper Club Zuerich am Sonntag, 2. Februar 2014, in der Swissporarena in Luzern. (KEYSTONE/Samuel Truempy)

Taktik-Analyse

Spielverlagerung

So zerpflückte GC den FC Luzern im Spitzenkampf

Auf den Abgang ihres Offensivstars Izet Hajrovic antwortete GC mit einem sehr geschlossenen Auftritt und fokussierte sich erfolgreich auf Pressing und Umschaltspiel.

Martin Rafelt, spielverlagerung.de

In einem intensiven Spiel sicherten sich Zürcher Grasshoppers vorerst den dritten Tabellenplatz. Der FC Luzern wusste phasenweise mit viel Fluidität in den Offensivräumen zu überzeugen, doch scheiterte an Problemen im Mittelfeld.

Viel Dynamik beim Pressingübergang der Hoppers

Die Mannschaft von Michael Skibbe formierte sich in den meisten Momenten in einer 4-4-2-Grundordnung um die Mittellinie herum. Aus diesem orthodoxen Mittelfeldpressing bewegten sie sich aber sehr gut in die Zugriffssituationen hinein. Sowohl Rückzugs- als auch Aufrückbewegungen waren sehr gut organisiert.

Wenn es die Situation hergab, rückten die beiden Flügelstürmer und der Stürmer auf und es entstand eine aggressive 4-2-3-1-Ordnung. In diesen Momenten gingen die Zürcher sehr weite Wege, wobei vor allem der sehr laufstark verteidigende Ngamukol eine wichtige Rolle in der Spitze einnahm. Er ging immer wieder weite horizontale Wege, um das Aufbauspiel der Gastgeber auf dem Flügel festzunageln.

02.02.2014; Zuerich; Fussball Super League - FC Luzern - Grasshopper Club; Michael Renggli (Luzern) gegen Anatole Ngamukol (GC) (Andreas Meier/freshfocus

GC-Rakete Ngamukol spulte lange Wege ab. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Ohnehin überzeugte GC vor allem beim Verlassen der Grundpositionen. Bei ihren Herausrückbewegungen nutzten die Hoppers ihren Deckungsschatten sehr effektiv, sodass oftmals mehrere Spieler der Hausherren unanspielbar im Raum schwammen. In der Entstehung des 0:1 (siehe Grafik 9. Minute) legte Ngamukol mit seinem Anlaufen des Keepers beispielsweise einen Verteidiger und das gesamte Mittelfeldzentrum lahm. 

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Bei der Entstehung des 1:0 legte Ngamukol mit seinem Anlaufen des Keepers einen Verteidiger und das ganze Mittelfeldzentrum lahm.

Zudem war die Abstimmung beim Herausrücken sehr gut. Die Mittelfeldakteure kamen sehr synchron zum Zugriff, sodass der ballführende Gegenspieler plötzlich alle Optionen verlor und überrumpelt wurde.

Luzern mit viel Bewegung und wenig Absicherung

Das war jedoch nur ein Grund dafür, dass Luzern trotz guter Ansätze nur selten Durchschlagskraft entwickelte. Ihr sehr vielfältiges Bewegungsspiel war besonders in der ersten halben Stunde zu stark auf das offensive Mittelfeld beschränkt. Dort zeigten sie viele Läufe in die Spitze und überluden mit ordentlicher Abstimmung, was vereinzelt Kombinationen ermöglichte.

Doch fanden sie zu selten in diese wichtige Zone, da die Verbindungsräume zu unkonstant besetzt wurden. Beide Achter spielten sehr vertikal, präsentierten sich oft schon wie Zehner und überliessen das defensive Mittelfeld dem überforderten Kapitän Renggli. Der wurde zum einen von Ben Khalifa recht problemlos isoliert und bewegte sich auch zu unstrategisch für diese schwierige Rolle. So fehlte gleichzeitig die Anbindung in die Offensive und die Absicherung gegen Konter.

Captain Michel Renggli vom FC Luzern bekommt die rote Karte von Schiedsrichter Stephan Studer beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Luzern und dem Grasshopper Club Zuerich am Sonntag, 2. Februar 2014, in der Swissporarena in Luzern. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

FCL-Captain Michel Renggli war auch schon vor der späten Roten Karte überfordert. Bild: KEYSTONE

Die Ecke zum 0:2 entstand beispielsweise aus einer Balleroberung in Luzerns Sechserraum und einem anschliessenden Konter durch das Zentrum. Rechtsverteidiger Sarr konnte von zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt werden. Obwohl er sich mit einem Dribbling in den Halbraum lösen konnte, waren anschliessend die Anspieloptionen im Deckungsschatten und vor allem die Verbindung ins unterbesetzte Defensivzentrum gekappt. So spielte er einen überhasteten Pass in den Zehnerraum, den Abrashi leicht abfangen konnte.

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Rechtsverteidiger Sarr wird vor dem 0:2 von zwei Gegenspielern unter Druck gesetzt und spielt einen überhasteten Pass.



Defensive Aussenverteidiger als Problem

Durch dieses strukturelle Problem wurde Luzern zu einem sehr schnellen Vorwärtsspiel gezwungen, welches weitere Schwierigkeiten nach sich zog. So kamen oftmals die Aussenverteidiger nicht dazu, innerhalb der Angriffe nachzurücken, da sie zu Beginn als Anspieloptionen der Innenverteidiger herhalten mussten und anschliessend die Zeit fehlte.

Da die Flügelstürmer sich stark in das Bewegungsspiel um den Zehnerraum herum einschalteten und mit diagonalen Läufen die Schnittstellen der Viererkette attackierten, fehlte es Luzerns Spiel an Breite. Die Grasshoppers konnten somit auch die besseren Angriffe der Gastgeber meist verteidigen, indem sie sich schlicht sehr eng zusammenzogen und den Ball in der Kompaktheit abfingen.

Im Laufe des Spiels rückten die Aussenverteidiger dann früher auf und überliessen den tiefer stehenden Innenverteidigern das Aufbauspiel. In Verbindung mit etwas abnehmender Intensität in GCs Pressing sorgte das für mehr Präsenz in der Offensive und ein ausgeglicheneres Spiel nach der Anfangsphase.

02.02.2014; Zuerich; Fussball Super League - FC Luzern - Grasshopper Club; Veroljub Salatic (GC) bei einem Fallrueckzieher, beobachtet von Jahmir Hyka (Luzern) (Andreas Meier/freshfocus

Veroljub Salatic bot eine enorm starke Leistung. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Das 0:3 fiel dann allerdings dennoch nach einem Ballverlust von Linksverteidiger Lustenberger. Dieser war bereits aufgerückt, doch bewegte sich wieder nach hinten, da sich Renggli ungeschickt auf dem Flügel festgespielt hatte. Salatic belohnte seine taktisch enorm starke Leistung mit dem Treffer zur Vorentscheidung.

74. minute

Renggli hat sich vor dem 0:3 auf dem Flügel festgespielt, Lustenberger verliert den Ball an Salatic.

Anfälligkeit der Manndeckung bei Standards

Nach dem 0:3 intensivierte der FC Luzern noch einmal seine Kombinationsbemühungen und konnte dabei nun öfter glänzen, da sich Skibbes Team mit der sicheren Führung im Rücken leichter nach hinten drängen liess. Für weitere Tore fehlte lediglich die Zeit und es gelang nur noch der Ehrentreffer nach einem Freistoss.

Dieser hinterlässt unter dem Spiel jedoch noch eine dicke Fussnote mit den Worten «Manndeckung oder Raumdeckung bei Standards?». Drei Tore fielen, weil die Manndeckungen in der Dynamik des Hereinlaufens nicht gehalten werden konnten. Besonders der Abpraller, der zum 0:1 führte, demonstrierte die Anfälligkeit der Manndeckungen bei unvorhergesehenen Ereignissen.

Bei Eckbällen verteidigte GC in einer Raumdeckung und stand stabil. Allerdings versuchten sie auch den Freistoss auf dem Papier in Raumdeckung zu verteidigen. Luzern ballte sich allerdings in einer Zone, sodass die Grasshoppers dort in Manndeckungen übergingen – und diese dann aus den Augen verloren.

In der Summe ein Spiel mit vielen guten Aspekten auf beiden Seiten. Letztlich setzte sich die ausgewogenere Mannschaft mit der besseren Defensivorganisation durch.

Martin Rafelt arbeitet für spielverlagerung.de. Dieser Artikel wurde exklusiv für watson geschrieben.

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