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Federers letzter Auftritt auf der ATP-Bühne endete mit einer herben Enttäuschung.
Federers letzter Auftritt auf der ATP-Bühne endete mit einer herben Enttäuschung.
Bild: keystone

Roger Federer «erholt sich schneller als die Norm» – dennoch wird ein Comeback sehr schwer

Obwohl erneut zurückgeworfen, setzt Roger Federer seine Karriere fort. Er bleibt sich damit selbst treu, auch wenn die Rückkehr schwierig wird.
16.08.2021, 19:14

Es wäre der Moment gewesen, den die meisten langgedienten Sportler dazu genutzt hätten, um ihren Rücktritt zu verkünden. Nach einer dritten Operation am rechten Knie wird Roger Federer eine weitere monatelange Pause akzeptieren müssen – er gab den körperlichen Rückschlag am Sonntagabend, eine Woche nach seinem 40. Geburtstag, via Instagram bekannt. Weder sein Blick noch seine Worte im anderthalbminütigen Clip zeugten von grossem Optimismus, was seine Zukunft als Tennisprofi angeht.

«Er kann sich viel schneller erholen als die Norm.»
Sportmediziner Jacques Menetrey

Auf den Baselbieter warten Wochen mit Krücken, ein monatelanger Wiederaufbau und das Herantasten an das Spitzenniveau mit dem Sammeln von Matchpraxis, bis er im allerbesten Fall wieder hoffen kann, um Titel mitzuspielen. Federer weiss nur zu genau, was ihn erwartet. Nach der zweiten Operation im Frühsommer 2020 vergingen rund zehn Monate, bis er in Doha in diesem März wieder wettkampfmässig auf der Tour mitmischte. Er habe sich nach dem zweiten chirurgischen Eingriff nicht mehr wie ein Spitzensportler gefüllt, erzählte er später.

Federer ist nicht die Norm

Die dritte Operation sei natürlich keine gute Nachricht, sagte der Sportmediziner und Chirurg Jacques Menetrey von der Hirslanden-Klinik La Colline in Genf. «Es bedeutet, dass die beschädigten Strukturen wieder gerissen sind oder sich die Läsion verschlimmert hat. Sollte die Funktion des Knies allerdings nicht zu sehr beeinträchtigt sein, könnte er in den nächsten Monaten zurückkehren. Bei einer schlimmeren Läsion wird es sehr schwierig, wieder innert kurzer Frist sein altes Niveau zu erreichen.»

«Ich will mir die Hoffnung geben, auf die Tour zurückzukehren.»
Roger Federer

Dass Menetrey, medizinischer Verantwortlicher beim Eishockey-Klub Genève-Servette und Berater für Swiss-Ski, optimistisch ist, liegt an Federer: «Er ist nach zwei Operationen als fast 40-Jähriger auf ein aussergewöhnliches Niveau zurückgekommen, bis in den Viertelfinal von Wimbledon. Das ist fantastisch. Er kann sich sicher viel besser erholen als die Norm.»

Dass er sich nach einer längeren Pause zurückkämpfen kann, bewies Federer unter anderem mit seinem Triumph bei den Australian Open 2018.
Dass er sich nach einer längeren Pause zurückkämpfen kann, bewies Federer unter anderem mit seinem Triumph bei den Australian Open 2018.
Bild: AP/AP

Logisch und konsequent

«Ich will mir die Hoffnung geben, auf die Tour zurückkehren zu können», beschrieb Federer den eingeschlagenen Weg. Wie sehr es ihm widerstrebt aufzugeben, ist hinlänglich bekannt. In seiner langen Karriere hat Federer kaum einmal kampflos das Feld geräumt. Er hat Schmerzen und Tiefs überwunden, eine Fähigkeit, die genauso für seinen Erfolg verantwortlich ist wie das pure Talent. Nach einer Knieoperation das Karriereende zu verkünden, wäre gegen seine Überzeugung gegangen.

Hätte er auf jene gehört, die ihm den Rücktritt immer wieder nahegelegt haben, würde Federer schon längst nicht mehr Tennis spielen. Bereits 2008 gab es erste Stimmen, die befanden, er habe seinen Zenit überschritten. Seither hat er nicht nur acht weitere grosse Titel gewonnen, sondern auch Grenzen verschoben, Altersrekorde aufgestellt, kurz: geschafft, was vor ihm niemand geschafft hat.

Nun steht Federer vor einer weiteren Mammutaufgabe, der er sich zum einen stellt, weil er das Tennis an sich liebt und nicht nur den Reiz des Gewinnens. Zum anderen hätte ein Rücktritt zum momentanen Zeitpunkt nur den Vorteil gebracht, ihn vom Druck von aussen zu befreien, mit dem er aber ohnehin schon immer gut umgehen konnte. Zusammen mit seinem Team wird er ganz nüchtern zum Schluss gekommen sein, dass – unabhängig vom Erfolg seines Vorhabens – weiterzumachen die bessere Option ist. Die nötige Rehabilitation lässt sich mit dem gesetzten Ziel leichter angehen. Und auch finanziell dürfte die Fortsetzung der Karriere vorteilhaft sein.

Entscheidende Wochen

Mit dem Rücktritt von Federer ist dennoch jederzeit zu rechnen, sollte er merken, dass eine Rückkehr auf die Tour utopisch ist. Nach momentanem Stand ist wahrscheinlicher, dass er im Viertelfinal von Wimbledon den letzten Satz seiner Karriere gespielt und mit 0:6 verloren hat, als dass er noch seinen 104. Turniersieg holt. Die Chance auf ein Happy End, auf einen selbst gewählten Abschluss seiner Karriere, wollte sich Federer am Sonntagabend aber noch nicht nehmen lassen. (nih/sda)

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quelle: keystone / laurent gillieron
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