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Die Spieler der 4. Linie der Schweiz Mario Brodmann, Nummer 14, Roberto Triulzi, Nummer 12, und Manuele Celio, Nummer 29, von links nach rechte, bedraengen das kanadische Tor mit Goalie Ron Hextall, aufgenommen am 30. April 1992 in Bratislava bei der Eishockey A Weltmeisterschaft in der Tschechoslowakei im Spiel der Schweiz gegen Kanada. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

An der WM 1992 erkämpft sich die Schweiz gegen Kanada mit Hextall im Tor ein 1:1. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Ron Hextall schiesst als erster NHL-Goalie ein Tor – und nicht nur das

8. Dezember 1987: Das hat die beste Eishockey-Liga der Welt noch nicht gesehen. Philadelphias Ron Hextall wird zum ersten Torhüter, der in der National Hockey League einen Treffer erzielt. Nicht die einzige Duftmarke, die er setzt.



Eineinhalb Jahrzehnte lang zählte Ron Hextall ab Mitte der 80er-Jahre zu den besten Eishockey-Torhütern der Welt. Gleich in seiner ersten NHL-Saison führte er 1986/87 die Philadelphia Flyers in den Stanley-Cup-Final. Edmontons Superstar Wayne Gretzky bezeichnete ihn vor dem siebten Spiel gegen die Oilers als «wahrscheinlich besten Torhüter, gegen den ich in der NHL jemals gespielt habe.»

Doch im Spiel 7 reichte es knapp nicht für Hextall und die Flyers, die Trophäe ging an die Oilers. Trotzdem wurde nicht Topskorer Gretzky zum Playoff-MVP gewählt und auch keiner seiner prominenten Mitspieler wie Mark Messier oder Jari Kurri. Sondern der Torhüter des Verlierers: Ron Hextall.

«Wie ein dritter Verteidiger»

Er war erst der vierte Spieler eines unterlegenen Teams, der mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet wurde. Nur einige Monate später in der darauf folgenden Saison war Hextall dann in einer anderen Statistik der erste: Am 8. Dezember 1987 schoss der Torhüter der Philadelphia Flyers gegen die Boston Bruins als erster NHL-Goalie ein Tor. Kurz vor Schluss traf er ins leere Tor.

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Der Puck liegt im verwaisten Tor: Hextall hat ein Goalie-Goal erzielt. Video: YouTube/NHL

Ron Hextall hatte da bereits den Ruf, den Puck gut über eine grosse Distanz befördern zu können. Entsprechend war seine eigene Überraschung gar nicht mal so gross. Nach der Partie gab er zu Protokoll:

«Ich will nicht zu grosskotzig wirken, aber für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis mal einer rein geht.»

Hextall war einer der ersten, der seinen Kasten verliess und mitspielte, so wie es heute Usus ist. Über seine herausragende Stocktechnik sagte Mitspieler Rick Tocchet: «Er war wie ein dritter Verteidiger für uns.»

Torschütze auch in den Playoffs

Zwar gab es vor ihm schon einen Goalie, dessen Name in der Torschützenliste auftauchte. Aber Billy Smith von den New York Islanders schaffte es 1979 nicht durch einen eigenen Torschuss dahin. Er war der letzte Spieler seines Teams, der den Puck berührte, ehe Rob Ramage von den Colorado Rockies ein Eigentor fabrizierte. Smith kam also eher zufällig zu seiner Ehre, während Hextall selbstbewusst versucht hatte, einen Treffer zu erzielen.

Goalies, die ein Tor erzielen, sind in der NHL nach wie vor eine Rarität. Hextall doppelte nach und wurde im April 1989 auch der erste Torhüter, der in einem Playoff-Spiel traf. «Ich sammelte zwar 15 Assists, schoss aber kein Tor. Unser Goalie hatte tatsächlich mehr Treffer erzielt als ich in diesen Playoffs», sagte Teamkollege Mark Howe rückblickend.

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Hextall kann es auch in den Playoffs. Video: YouTube/sledgehammer111

Rekordtorschütze bei den Goalies ist mit drei Treffern Martin Brodeur, zwei davon waren allerdings Eigentore. Als Elfter und bislang Letzter reihte sich Mike Smith 2013 in die kurze Liste der Tore erzielenden Torhüter ein.

Tore per Shots on Goal:

Sammler von Strafenrekorden

Hextall war aber nicht nur wegen seiner Abwehrqualitäten und dem strammen Schuss gefürchtet. Immer wieder brannten dem «Hexer» die Sicherungen durch, rächte sich für Fouls an seinen Mitspielern. Mehr als einmal wurde er für mehrere Spiele gesperrt. Bis heute ist Hextall der einzige NHL-Keeper, der in einer Saison mehr als 100 Strafminuten sammelte. Er erreichte diese Marke gleich in seinen ersten drei Saisons und stellte neue Strafen-Rekorde für Torhüter auf.

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Hextall langt zu: Ein Zusammenschnitt von Ausbrüchen des Goalies. Video: YouTube/JasonVoorhees83

Den Grossteil seiner Karriere verbrachte er bei den Flyers, mit denen er 1997 noch einmal den Final um den Stanley Cup erreichte. Doch wieder reichte es Philadelphia nicht, dieses Mal waren die Detroit Red Wings klar stärker, sie gewannen die Serie mit 4:0.

Detroit Red Wings Kirk Maltby scores a short-handed goal against Philadelphia Flyers goalie Ron Hextall in the first period of Game 1 of the Stanley Cup Finals, Saturday, May 31, 1997, in Philadelphia. (AP Photo/Ron Frehm)

Hextall verteidigt sein Tor im Stanley-Cup-Final 1997 gegen Detroits Kirk Maltby. Bild: AP

Im NHL-Geschichtsbuch ist Ron Hextall auch ohne Stanley-Cup-Titel verewigt. Als erster Goalie, der ein Tor geschossen hat und als Torhüter, der das Spiel durch sein Mitspielen generell modernisiert hat. 2008 wurde er in die Hall of Fame der Philadelphia Flyers aufgenommen, von 2014 bis 2018 war er General Manager des Teams. Und zwischendurch gewann er den Stanley Cup doch noch: 2012 als GM-Assistent der Los Angeles Kings.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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