Odermatt hofft an den Franjo-Festspielen auf einen goldenen Abschluss
Im ersten Moment war Marco Odermatt enttäuscht, als er im Super-G ins Ziel kam und dort Rang 3 aufleuchtete. Eine Olympiamedaille ist der Traum jedes Sportlers, aber für einen, der schon eine goldene (2022 im Riesenslalom) gewonnen hat und den Weltcup seit Jahren dominiert, glänzt Bronze eben nicht ganz so wie für andere. Odermatt gab das auch unumwunden zu.
Es gehe im Skirennsport oft um die Konstanz und um Weltcupkugeln, sagte er im SRF. Es werde eher darauf trainiert, eine Saison lang gut zu sein und nicht nur an einem Höhepunkt. «Bei anderen, kleineren Sportarten ist das vielleicht etwas anderes, da zählt nur Olympia und die sind vielleicht noch etwas präziser dabei, auf den Tag X hinzuarbeiten.»
Kein Vergleich zu den goldenen 80er-Jahren
Für einmal ist es nicht «Odi Superstar», der die Konkurrenz in Grund und Boden fährt. Franjo von Allmen ist in Bormio mit drei Olympiasiegen innert fünf Tagen zur Ski-Legende aufgestiegen.
Marco Odermatt zeigte sich an der Seite des Berner Oberländers gut gelaunt. Er vermittelt mit Gesten und in Interviews glaubhaft den Anschein, dass er dem Teamkollegen dessen Erfolge gönnt. Kein Vergleich zu den goldenen 80er-Jahren, als Peter Müller lieber hinter einem Österreicher Zweiter wurde als hinter Landsmann Pirmin Zurbriggen.
Rückkehr auf Riesenslalom-Skis
Nach anstrengenden Tagen will sich Odermatt heute Donnerstag eine Pause gönnen. Seine Batterie sei «sicher nicht mehr bei hundert Prozent», meinte er.
Die Olympischen Spiele können für den 28-jährigen Nidwaldner immer noch zu einem grandiosen Event werden. Schliesslich steht am Samstag der Riesenslalom auf dem Programm, wo er erneut der Topfavorit sein wird. Gold ist auch da Odermatts erklärtes Ziel.
Er sagte allerdings, dass das Erreichen dieses Ziels «nicht unbedingt einfacher» geworden sei. Die vergangenen Wochen habe er fast nur auf Speed-Skis verbracht. Am Freitag werde er deshalb noch einmal Riesenslalom trainieren. «Drei, vier Läufe. Und am Samstag gebe ich Vollgas.»
Klappt sein Unterfangen, verlässt Marco Odermatt Norditalien mit der fantastischen Ausbeute eines kompletten Medaillensatzes: Gold, Silber und Bronze. Den Mann, der im Flow gerade von Sieg zu Sieg geeilt ist, muss er dieses Mal nicht besiegen: Franjo von Allmen fährt keinen Riesenslalom.
