Das IOC will nicht, dass du den Helm dieses Ukrainers siehst
Wladyslaw Heraskewytsch ist Skeletonfahrer. Er ist an die Olympischen Spiele nach Cortina d'Ampezzo gereist, um dort seine Heimat zu repräsentieren: die Ukraine. Ein Land, das sich seit vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Russische Sportler sind deswegen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von Olympia ausgeschlossen.
Im Eiskanal wollte Heraskewytsch an rund 20 Sportler und Trainer erinnern, die im Krieg gefallen sind. Er zeigte ihre Gesichter auf seinem Helm. Das machte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nervös. Für die Funktionäre waren die Toten ein politisches Statement und die sind an den Spielen verboten.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry höchstpersönlich versuchte den Skeletonfahrer heute Morgen, kurz vor dem Wettkampf, zum Einlenken zu bewegen. Heraskewytsch blieb standhaft, also schloss ihn das IOC aus. Es wollte wohl einen Präzedenzfall verhindern.
Das IOC versteckt sich hinter Neutralitätsregeln. Dabei hat es selbst entschieden, Russland und seine Flagge von den Spielen auszuschliessen. Das ist nicht neutral. Das ist Politik und das ist eine bewusste Haltung.
Dass das IOC durchaus flexibel sein kann, zeigt ein anderes Beispiel. Snowboarder Roland Fischnaller brachte auf seinem Helm eine kleine Russland-Flagge an, in Erinnerung an seine Olympia-Teilnahme in Sotschi. Dieser persönliche Beweggrund war erlaubt, Gesichter von Toten sind es nicht.
Skeleton ist selbst unter Randsportarten eine Randsportart. Hätte das IOC den Helm von Wladyslaw Heraskewytsch erlaubt – die Episode wäre genau das geblieben: eine Episode, die bei 116 Entscheidungen in zwei Wochen rasch wieder vergessen geht.
Doch durch den Versuch, eine unliebsame Botschaft zu unterdrücken, bekommt diese weltweite Publizität. Der Ukrainer und sein Helm sind überall ein Thema. Damit hat Wladyslaw Heraskewytsch zwar keine Medaille gewonnen – aber als Märtyrer im Eiskanal ist er ein moralischer Sieger dieser Olympischen Spiele.
