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Ukrainer Wladyslaw Heraskewytsch wegen Helm von Olympia ausgeschlossen

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Wladyslaw Heraskewytsch und der Helm, der ihn seinen Olympia-Start kostet.Bild: keystone
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Das IOC will nicht, dass du den Helm dieses Ukrainers siehst

Wladyslaw Heraskewytsch ist vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Das hat das IOC beschlossen und damit einen fragwürdigen Entscheid getroffen.
12.02.2026, 10:3212.02.2026, 10:32

Wladyslaw Heraskewytsch ist Skeletonfahrer. Er ist an die Olympischen Spiele nach Cortina d'Ampezzo gereist, um dort seine Heimat zu repräsentieren: die Ukraine. Ein Land, das sich seit vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Russische Sportler sind deswegen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von Olympia ausgeschlossen.

Ukraine's Vladyslav Heraskevych arrives at the finish during a men's skeleton training session at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Tuesday, Feb. 10, 2026. (AP Phot ...
Heraskewytsch im Training am Dienstag.Bild: keystone

Im Eiskanal wollte Heraskewytsch an rund 20 Sportler und Trainer erinnern, die im Krieg gefallen sind. Er zeigte ihre Gesichter auf seinem Helm. Das machte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nervös. Für die Funktionäre waren die Toten ein politisches Statement und die sind an den Spielen verboten.

«Das ist nicht neutral. Das ist Politik und das ist eine bewusste Haltung.»

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry höchstpersönlich versuchte den Skeletonfahrer heute Morgen, kurz vor dem Wettkampf, zum Einlenken zu bewegen. Heraskewytsch blieb standhaft, also schloss ihn das IOC aus. Es wollte wohl einen Präzedenzfall verhindern.

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Heraskewytsch durfte nur im Training starten.Bild: keystone

Das IOC versteckt sich hinter Neutralitätsregeln. Dabei hat es selbst entschieden, Russland und seine Flagge von den Spielen auszuschliessen. Das ist nicht neutral. Das ist Politik und das ist eine bewusste Haltung.

«Dieser persönliche Beweggrund war erlaubt, Gesichter von Toten sind es nicht.»

Dass das IOC durchaus flexibel sein kann, zeigt ein anderes Beispiel. Snowboarder Roland Fischnaller brachte auf seinem Helm eine kleine Russland-Flagge an, in Erinnerung an seine Olympia-Teilnahme in Sotschi. Dieser persönliche Beweggrund war erlaubt, Gesichter von Toten sind es nicht.

Skeleton ist selbst unter Randsportarten eine Randsportart. Hätte das IOC den Helm von Wladyslaw Heraskewytsch erlaubt – die Episode wäre genau das geblieben: eine Episode, die bei 116 Entscheidungen in zwei Wochen rasch wieder vergessen geht.

Doch durch den Versuch, eine unliebsame Botschaft zu unterdrücken, bekommt diese weltweite Publizität. Der Ukrainer und sein Helm sind überall ein Thema. Damit hat Wladyslaw Heraskewytsch zwar keine Medaille gewonnen – aber als Märtyrer im Eiskanal ist er ein moralischer Sieger dieser Olympischen Spiele.

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122 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RhabarBär
12.02.2026 10:43registriert Juni 2017
...aber sie will, dass du dieses T-Shirt mit dem Aufdruck von Olympia Berlin 1936 kaufst... kann man sich nicht ausdenken...
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ELMatador
12.02.2026 10:49registriert Februar 2020
Kann mal jemand dem IOC-Komitee den Barbra-Streisand-Effekt erklären?

Ganz nüchtern betrachtet: Mal eine Frage.

Was ist mit Athleten, die einem verstorbenen Freund eher Tribut zollen wollen? Was, wenn ein italienischer Skifahrer mit einem Abbild von Matteo Franzoso auf dem Helm antreten würde? Würde man das auch verbieten?
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Neruda
12.02.2026 10:45registriert September 2016
Das IOC ist halt nur konsequent und zeigt seinen fehlenden moralischen Kompass.
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