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Bürgerkriegsinferno: Aleppo nach einem Luftangriff von Regierungstruppen. 
Bürgerkriegsinferno: Aleppo nach einem Luftangriff von Regierungstruppen. Bild: AFP
Flucht aus Syrien

Die schlimmste Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg – und Europa macht die Schotten dicht

Millionen fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Immer mehr von ihnen suchen Zuflucht in Europa. Das ist nach wie vor nur ein Rinnsal – verglichen mit den Flüchtlingsströmen, die von den Nachbarländern Syriens aufgenommen wurden. 
13.06.2014, 17:0625.06.2014, 15:34

Seit März 2011 tobt in Syrien ein zunehmend blutiger Bürgerkrieg. Mehr als 150'000 Menschen sind den erbitterten Kämpfen schätzungsweise schon zum Opfer gefallen. Von den Überlebenden leidet gemäss einem UNO-Bericht jeder fünfte an Mangelernährung oder Hunger. 

Kein Wunder, fliehen die Menschen vor Elend und Gewalt. 45 Prozent der rund 20 Millionen Syrer sind mittlerweile auf der Flucht; die meisten davon – etwa sechs Millionen – sind Vertriebene im eigenen Land, sogenannte Binnenflüchtlinge. 2,8 Millionen Syrer sind laut den neusten Zahlen des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) aus ihrem zerrissenen Land geflohen. Hilfswerke bezeichnen die Tragödie als schlimmste Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. 

Flucht aus Syrien

Anzahl der registrierten Flüchtlinge aus Syrien (Dezember 2011 bis Juni 2014). 
Anzahl der registrierten Flüchtlinge aus Syrien (Dezember 2011 bis Juni 2014). Grafik: UNHCR

«Festung Europa» schottet sich ab

Syrien liegt gewissermassen vor der Haustür Europas: Von Damaskus ist es nur etwa halb so weit nach Zypern wie nach Bagdad. Mit der Türkei, die teilweise in Europa liegt, hat das Land eine lange gemeinsame Grenze. Dennoch sind bisher nur sehr wenige Flüchtlinge aus Syrien in die «Festung Europa» gelangt; Griechenland und Bulgarien, die europäischen Nachbarländer der Türkei, haben ihre Landesgrenzen mit Zäunen gesichert

Das UNHCR hat Europa aufgefordert, dieses Jahr 30'000 und 2015/2016 weitere 100'000 Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Rund 20'000 sind bisher in Form von Kontingenten auf die Aufnahmeländer verteilt worden; am grosszügigsten hat sich dabei Deutschland gezeigt, das allein mehr als die Hälfte davon aufgenommen hat. Am 12. Juni beschlossen die Innenminister von Bund und Ländern zudem die Aufnahme von weiteren 10'000 Flüchtlingen. 

Die Schweiz hat für die nächsten drei Jahre 500 Plätze zugesagt; 150 Personen sind bereits aufgenommen worden. Zu wenig, findet das schweizerische Hilfswerk HEKS, das eine Erhöhung des Kontingents von 500 auf 5000 Flüchtlinge fordert. 

Syrische Asylbewerber

Allerdings gelangen die Flüchtlinge nicht nur über Kontingente des UNHCR ins Land. Bedeutend mehr versuchen ihr Glück als Asylbewerber. In Deutschland haben seit Beginn des Konflikts etwa 32'000 Menschen aus Syrien ein Asylgesuch gestellt; jeden Monat kommen rund 1'800 neue dazu. 

In der Schweiz ersuchten im ersten Quartal 2014 beinahe 1200 Syrer um Asyl. Sie machten – vor jenen aus Eritrea und Sri Lanka –  fast ein Viertel aller Asylanträge aus. Im gesamten Jahr 2013 gab es 1'901 Asylgesuche von syrischen Flüchtlingen. 

Ein grosser Teil dieser Asylgesuche wurde laut Angaben des Bundesamts für Migration (BFM) von Personen eingereicht, die Verwandte in der Schweiz haben. Für diese syrischen Staatsangehörigen erliess das Eidgenössische Justiz– und Polizeidepartement (EJPD) eine zeitlich begrenzte Visaerleichterung. 3'000 weitere Gesuche für eine erleichterte Erteilung eines Visums seien derzeit noch hängig; vermutlich werden von den Menschen, deren Antrag bewilligt wird, ebenfalls viele um Asyl ersuchen. 

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(Smartphone-User für eine zoombare Version bitte hier klicken.)Tabelle: Bundesamt für Migration (BFM)
Bootsflüchtlinge bei der Ankunft in Palermo, Sizilien.&nbsp;
Bootsflüchtlinge bei der Ankunft in Palermo, Sizilien. Bild: EPA/ANSA

Immer mehr Bootsflüchtlinge

Die Zahl der Asylgesuche dürfte zudem weiter steigen, da in Süditalien und Malta immer mehr Bootsflüchtlinge anlanden – jene, die ihre gefährliche Reise überhaupt überlebt haben. Gerade über Pfingsten kam es zu einem regelrechten Massenansturm; tausende Flüchtlinge kamen in Süditalien an. Viele von ihnen sind aus Syrien. Sie werden in Auffanglager gebracht oder machen sich auf den Weg nach Norden

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Die meisten bleiben in der Region

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge, denen es gelingt, die Grenzschranken der «Festung Europa» zu überwinden, ist freilich verschwindend klein, verglichen mit all jenen, die in den Ländern der Region selbst Zuflucht suchen. Im Irak, der selbst am Rande eines Bürgerkriegs steht, leben derzeit etwa 225'000 syrische Flüchtlinge – weit mehr als bisher in Europa insgesamt aufgenommen wurden. 

Am meisten syrische Flüchtlinge halten sich derzeit im Libanon auf, der enge kulturelle und historische Bande mit Syrien hat. Zu den nur gerade 4,5 Millionen Einwohnern des fragilen Levante-Staates sind knapp 1,1 Millionen Flüchtlinge aus Syrien hinzugekommen. Und auch in Jordanien, mit gut 6 Millionen Einwohnern ebenfalls kein demographisches Schwergewicht, befinden sich momentan rund 600'000 syrische Flüchtlinge. 

Das Flüchtlingslager al-Azraq in Jordanien.&nbsp;
Das Flüchtlingslager al-Azraq in Jordanien. Bild: JAMAL NASRALLAH/EPA/KEYSTONE

Mehr als eine Dreiviertelmillion beherbergt die Türkei, deren Streitkräfte sich schon mehrmals Artillerieduelle oder Luftkämpfe mit der syrischen Armee geliefert haben. Immerhin noch mehr als 130'000 Flüchtlinge haben sich nach Ägypten durchgeschlagen, wo sie jedoch seit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten Mursi im Juli 2013 zunehmend Anfeindungen und Repressionen ausgesetzt sind. Viele von ihnen denken deshalb daran, Ägypten zu verlassen und erneut zu fliehen – diesmal nach Europa.  

Syrische Flüchtlinge im Nahen Osten (registrierte Flüchtlinge und «Persons of Concern» laut UNHCR).
Syrische Flüchtlinge im Nahen Osten (registrierte Flüchtlinge und «Persons of Concern» laut UNHCR).Karte: watson
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«Ich weiss, dass es sehr schwer für sie ist, mir zu vergeben», sagte Shamima Begum (22) am Mittwoch dem Fernsehsender ITV in einem Gespräch aus Syrien. «Aber ich sage aus tiefstem Herzen, dass es mir so leid tut, wenn ich jemals jemanden beleidigt habe, indem ich hierher gekommen bin, wenn ich jemals jemanden mit dem, was ich gesagt habe, beleidigt habe.» Britische Medien wiesen darauf hin, dass sich Begum demonstrativ mit ärmellosem Top und Basecap zeigte.

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