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Hauptakteure im Irak-Konflikt

Die Situation im Irak ist unübersichtlich – aber diese sieben Namen sollten Sie sich merken



Dschihadisten dringen Richtung Bagdad vor, die staatliche Armee scheint machtlos, kurdische Truppen kontrollieren irakisches Gebiet - jeder verfolgt eigene Ziele. Ein Überblick über die Akteure des Konflikts.

1. ISIS

FILE - This undated file image posted on a militant website on Jan. 4, 2014, which is consistent with other AP reporting, shows Shakir Waheib, a senior member of the al-Qaida breakaway group Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL), left, next to a burning police vehicle in Iraq's Anbar Province. For the al-Qaida breakaway group that overran parts of Iraq this week, the border between that country and Syria, where it is also fighting, may as well not even be there. The group, wants to establish a Shariah-ruled mini-state bridging both countries, in effect uniting a Sunni heartland across the center of the Mideast. (AP Photo via Militant Website, File)

Bild: AP/Militant Website

Die Terrorgruppe ISIS gehört zu den radikalsten islamistischen Organisationen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat, der sich vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf erstrecken soll. ISIS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe «Tawhid und Dschihad» hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Die Gruppe griff im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land.

An Macht gewann ISIS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich jedoch mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestanden. Auf ihrem aktuellen Irak-Feldzug erbeutete ISIS schweres Kriegsgerät und rund 500 Milliarden irakische Dinar (380 Millionen Franken). Das macht sie mittlerweile zur bestfinanzierten Terrorgruppe vor Al-Kaida.

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika. Experten vermuten, ISIS bewegt sich mit rund 10'000 Mann im Irak. Die Organisation selbst spricht von 20'000 bis 30'000 Kämpfern.

2. Irakische Armee

Members of Iraqi security forces pose as they guard volunteers who have joined the Iraqi Army to fight against the predominantly Sunni militants, who have taken over Mosul and other Northern provinces, travelling in army trucks in Baghdad June 13, 2014. Sunni Islamist militants gained more ground in Iraq overnight, moving into two towns in the eastern province of Diyala, while U.S. President Barack Obama considered military strikes to halt their advance towards the capital Baghdad. Militants from the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) overran the northern city of Mosul earlier this week and have since pressed south towards Baghdad in an onslaught against the Shi'ite-led government. REUTERS/Ahmed Saad (IRAQ - Tags: CIVIL UNREST POLITICS MILITARY CONFLICT)

Bild: AHMED SAAD/REUTERS

Laut dem «International Institute for Strategic Studies» (IISS) ist die irakische Streitmacht rund 800'000 Mann stark, über 500'000 davon gehören allerdings der Reserve an. Die Regierung versucht dem ständigen Mangel an Nachwuchs mit der Bildung von Elite-Truppen, mehrheitlich von Schiiten gestellt, zu begegnen.

Die Armee untersteht Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der neben seinem Amt als Regierungschef gleichsam Minister für Verteidigung und Inneres sowie Oberbefehlshaber der Armee und Geheimdienstchef ist. Kritiker werfen ihm Machthäufung und eine zentralistische Führung der Streitkräfte vor.

Mindestens zwei Divisionen - um die 30'000 Soldaten - sind bereits vor ISIS geflohen und haben sich als Zivilisten verkleidet. Al-Maliki lässt die übrigen Divisionen in Bagdad zusammenziehen.

3. Peschmerga

Iraqi Kurdish Peshmerga fighters stand to attention in the grounds of their camp in Arbil, the capital of the autonomous Kurdish region of northern Iraq on June 14, 2014. Iraqi security forces retook a town north of Baghdad from jihadist militants as they readied a fightback after the premier Nuri al-Maliki announced that the cabinet granted him

Bild: AFP

Die als Peschmerga («Jene, die dem Tod ins Auge blicken») bezeichnete kurdische Armee gilt als wesentlich besser ausgerüstet und trainiert als die irakische. Sie ist der Autonomieregierung im Nordirak unterstellt. Bei der US-Invasion 2003 halfen kurdische Soldaten im Kampf gegen Saddam Husseins Truppen.

Die Peschmerga haben die Stadt Kirkuk im Nordirak eingenommen, nachdem diese von irakischen Truppen aufgegeben worden war. Nach aktuellen Medienberichten rückt die Armee weiter gen Süden vor. Die Kurden machen so ihren Anspruch auf kurdische Regionen ausserhalb ihres ursprünglichen Autonomiegebiets geltend.

4. Nakschbandi-Miliz

Bild

Bild: Wikimedia

Die Kämpfer gehen aus dem sunnitischen Sufi-Orden der Nakschbandija hervor. Während des letzten Irak-Krieges kämpfte die Miliz gegen die US-Truppen und verbündete sich mit Anhängern des gestürzten Machthabers Saddam Hussein. Heute kämpft sie gegen die irakische und kurdische Armee.

Die militanten Islamisten setzen sich für einen panarabischen Staat ein, ihr Logo verbindet das Gebiet von Marokko bis Irak mit einer Kalaschnikow und der irakischen Flagge. Extremismusexperten attestieren der Miliz Nähe zu Al-Kaida und ISIS.

5. Nuri al-Maliki

This image made from video broadcast on Al Iraqiya Television on Friday, June 13, 2014 shows Iraqi Prime Minister Nouri al-Maliki meeting with military commanders in Samarra, Iraq. The Iraqi leader moved Friday to try to repair his shattered image after the disastrous loss of the north to Islamic militants. With his job on the line, al-Maliki traveled to Samarra, north of Baghdad, to personally supervise the defense of a city that is home to a revered Shiite shrine against growing attacks. (AP Photo/Al Iraqiya TV via AP video)

Bild: AP/Al Iraqiya Television

Der Schiit ist seit 2006 Regierungschef des Iraks. Das Land führt er zunehmend autokratisch: Sunnitische Parteien werden im Parlament benachteiligt, das Verhältnis zum irakischen Präsidenten, dem Kurden Dschalal Talabani, ist gereizt. Im Angesicht der Bedrohung durch ISIS versuchte Al-Maliki, sich durch das Parlament besondere Vollmachten ausstellen zu lassen. Viele Politiker blieben der Abstimmung jedoch fern - und düpierten Al-Maliki.

6. Abu Bakr al-Bagdadi

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Bild: Reuters

Der im nordirakischen Samarra geborene Dschihadist befehligt seit 2010 ISIS. Das "Time"-Magazin bezeichnet ihn als "den neuen Bin Laden", die US-Regierung hat ein Kopfgeld in Höhe von 10 Millionen US-Dollar auf Al-Bagdadi ausgesetzt.

Seit 2013 lebt Al-Bagdadi mutmasslich in Syrien und leitet die dortigen Angriffe von ISIS auf syrische Rebellengruppen. Unter seinem Kommando hat ISIS Versorgungswege von Aleppo im Nordwesten Syriens bis nach Mossul und Falludscha im Irak in ihre Gewalt gebracht.

7. Ali al-Sistani

(FILES) - An undated file picture shows top Shiite cleric Grand Ayatollah Ali al-Sistani. Sistani called on Iraqis on June 13, 2014 to take up arms against jihadists who have overrun swathes of the country after launching a major offensive. AFP PHOTO / HO

Bild: HO

Der Grossajatollah ist die bedeutendste schiitische Autorität im Irak. Al-Sistani leitet die theologische Hochschule in Nadschaf. Er spricht sich gegen eine Vermischung von politischer und geistlicher Führung aus, anders als der radikale Prediger Muktada al-Sadr. Bei den jüngsten Entwicklungen hat er seine Anhänger dazu aufgerufen, schiitische Heiligtümer im Irak vor den Angriffen der sunnitischen ISIS-Extremisten zu schützen. (sda/dpa)

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