Sport
Unvergessen

Jon Drummond wird an der WM 2003 disqualifiziert und macht Theater

Jon Drummond of the US lies on the track in protest against a false start decision at the start of his Men's 400 meter quarterfinal at the World Athletics Championships in the Stade de France, Sa ...
Jon Drummond liegt ganz alleine auf der Sprint-Bahn an der WM in Paris.Bild: AP
Unvergessen

Jon Drummond wird im WM-Viertelfinal disqualifiziert und macht ein riesiges Theater

24. August 2003: An der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris kommt es zu einem Skandal. Mittendrin sind US-Sprinter Jon Drummond und eine neue Fehlstart-Regel. Das ganze Theater endet mit einem Streik des Sprinters.
24.08.2025, 00:01
Janick Wetterwald
Janick Wetterwald

Leichtathletik-WM in Paris. Über die 100 Meter steht ein Viertelfinal-Lauf an. Mit am Start ist auch der Amerikaner Jon Drummond. Alles läuft soweit gut – bis Drummond 48 Hundertstel zu früh zuckt und für einen Fehlstart sorgt.

US sprinter Jon Drummond (L) reacts following a controversial false start decision against him in the quater finals of the men's 100m event at the 9th IAAF Athlectic World Championships at the St ...
Jon Drummond versteht nach seinem Fehlstart die Welt nicht mehr.Bild: EPA

Ja, das gibt es immer wieder mal. Vielleicht etwas blöd für Drummond, dass eine neue Regel zu dieser Zeit bei einem zweiten Fehlstart den direkten Ausschluss vom Rennen besiegelt. Der Amerikaner kann sich mit seiner Disqualifikation überhaupt nicht abfinden und startet das grosse Theater – Bühne frei!

Er legt sich einfach hin

Nach seinem Ausschluss tigert der Sprinter wie wild umher und schliesslich legt er sich vor seinem Startblock provokativ auf den Boden. Die TV-Kameras und Fotografen sind natürlich hautnah dran.

Klappe, die Erste!

Video: streamable

Drummond steht wenig später wieder auf. «Uff, das Theater ist vorbei», denken alle im Leichtathletik-Stadion von Paris. Aber der Querulant hat noch nicht genug, täubelt weiter und legt sich erneut auf die Tartanbahn. Ein Ordner eilt herbei und fordert den Sprinter auf, die Strecke zu verlassen – ohne Erfolg. Es kommt zur Diskussion, welche Jon Drummond im Liegen mit den Verantwortlichen führt. Von Beruhigung ist noch keine Spur.

Klappe, die Zweite!

Video: streamable

Der Start wird nochmals gezeigt, und mittlerweile steht Drummond auch wieder. Sein Sprint-Tenu hat er halb ausgezogen und wettert nun oben ohne weiter. Einmal den Zuschauerrängen entlang und dann wieder zurück auf die Bahn. Man hat irgendwie das Gefühl, es hört nie auf.

Klappe, die Dritte!

Video: streamable

«Wusste nicht, dass Zucken ein Fehlstart ist»

Als sich Jon Drummond dann beruhigt hatte, musste sein Trainer ihn ausserhalb des Stadions trösten. Der Sprinter war völlig aufgelöst.

Video: streamable

Sein Trainer sagte später: «Wir mussten ihm ständig Wasser zum Trinken geben, sonst wäre er vom vielen Weinen dehydriert.» Dabei hatte Drummond wenig Hoffnung auf eine Medaille – trotzdem dieser grosse Aufruhr.

An unidentified man escorts Jon Drummond of the USA out of the stadium after he was disqualified for a false start in the second round of the men's 100-meter event, at the World Athletics Champio ...
Der US-Sprinter war untröstlich.Bild: AP

Er war ganz offensichtlich mit dem neuen Regelwerk nicht vertraut. «Ich habe gezuckt, neben mir hat einer gezuckt und dann noch einer. Ich habe die Regel nicht verstanden, dass Zucken ein Fehlstart ist», verteidigte sich der Amerikaner. Fakt war jedoch, dass Drummond mit einer Reaktionszeit von 0,052 Sekunden den erlaubten Wert von einer Zehntelsekunde klar unterschritten hatte. Deshalb wurde ihm vom Schiedsrichter die Rote Karte gezeigt.

** FILE ** An unidentified race official shows the red card to Jon Drummond of the USA, who was disqualified for a false start in the second round of the men's 100-meter event, at the World Athle ...
Ein Bild für die Ewigkeit.Bild: AP L'EQUIPE
Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Alle Leichtathletik-Weltrekorde
1 / 49
Alle Leichtathletik-Weltrekorde

Männer – 100 Meter: Usain Bolt (JAM), 9,58 Sekunden, 2009 in Berlin.

quelle: ap / gero breloer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Anglizismen-hassender Sportredaktor muss Englisch vorlesen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Sensation in Montreal: McNulty düpiert die Favoriten und wird Weltmeister
Brandon McNulty sorgt zum Abschluss der Rad-WM in Montreal für eine faustdicke Überraschung. Der Amerikaner krönt sich nach einem Solo über 32 km zum Weltmeister im Strassenrennen.
In Abwesenheit von Tadej Pogacar, dem Weltmeister der letzten beiden Jahre, standen die Chancen auf einen Aussenseitersieg so gut wie lange nicht. McNulty nutzte die Chance und sorgte für einen regelrechten Coup. Der 28-jährige Amerikaner setzte 32 km vor dem Ziel aus der Spitzengruppe zur entscheidenden Attacke an, liess sämtliche Favoriten hinter sich und krönte sein Solo mit dem WM-Titel.
Zur Story