Tour dur dSchwiiz
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Tour dur d'Schwiiz, 77. Etappe: Sisikon – Luzern

Tour dur dSchwiiz

Strasse? Veloweg? Nein, nach Seelisberg hinauf führen einzig 850 steile Treppenstufen

Es ist wunderschön mit dem Velo an den Ufern des Vierwaldstättersees entlangzufahren. Es gibt nur ein Problem: Von Bauen nach Seelisberg führt keine Strasse. Nur Treppen. Viele Treppen. 



Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Ich weiss es noch genau: Vor Jahren besuchte ich mal mit dem Auto Altdorf, fuhr dann – alles dem See entlang – hoch nach Seelisberg, lief runter zum Rütli, schnaufte wieder den steilen Weg hoch und fuhr dann weiter hinter dem Bürgenstock durch bis nach Luzern. Es war wunderschön. Und ich erinnere mich an die Strasse hoch nach Seelisberg. Sie war steil, im Wald, aber schön. Deshalb habe ich mich auch bei der Tour dur d'Schwiiz auf diesen Teil gefreut und als ich die Veloroute auf GoogleMaps von Bauen nach Seelisdorf sah, kam mir der Ausflug damals wieder genau in den Sinn.

Jetzt sitze ich mit Hugo, Remy und Nina in Riemenstalden im Restaurant. Ein paar Häuser, eine Kirche und die erwähnte Gaststätte bilden die abgelegene Gemeinde gut 500 Höhenmeter über Sisikon am Vierwaldstättersee. Wir haben eine lange Etappe fast geschafft und blicken schon mal auf den nächsten Tag. Als ich vom Weg von Bauen nach Seelisberg erzähle, sagt Hugo: «Da gibt es keine Strasse. Die hört dort auf.» Ich schüttle ungläubig den Kopf und erzähle von meinem Ausflug vor Jahren. Auf seinen Einwand, ich sei durchs Autobahntunnel und dann von Beckenried von der anderen Seite her hochgefahren, kann ich nur lachen. Als ob ich nicht mehr wüsste, was ich damals machte.

Bild

So einfach siehts aus: Gemäss Google hats da einen Veloweg.
bild: watson

Wir kramen die Smartphones hervor. Ich hab kein Netz, aber Hugos Gerät zeigt tatsächlich: Da hat es keine Strasse. Ich frage die Serviertochter, ob sie sich dort auskenne. «Ja, ich habe in Bauen gearbeitet. Die Velofahrer mussten kurz danach die Drahtesel schultern und die Treppen hoch. Nein, mit dem Auto kannst du da ganz sicher nicht hinauf.» Ich möchte ihr ja glauben, aber ich kann nicht. Denn wie gesagt: Ich fuhr das mal mit dem Auto.

Später frage ich den Gastgeber in unserem Hotel in Sisikon: «Nein, da gibt es keine Strasse, nur einen steilen Wanderweg mit Treppen», sagt er. Ich fasse es nicht und suche nach Erfahrungsberichten im Internet. Ich finde Folgendes: «Ab Bauen: Denn jetzt heisst es 300 Höhenmeter hoch tragen resp. schieben und danach nochmal 100 Höhenmeter hochradeln. Irgendwann nach 500 Treppenstufen hab ich aufgehört zu zählen. Nach ziemlich genau einer halben Stunde tragen, stand ich oben bei Wissig.» Die Treppen seien selbst runter nur was für Trial-Spezialisten. Die Tourismusseite beschreibt den Weg (für Wanderer in die entgegengesetzte Richtung) deutlich romantischer: «850 steinerne Treppenstufen auf einem romantischen alten Säumerweg recht steil hinunter nach Bauen.»

tour dur dschwiiz 77. etappe

Unten an den Treppen in Bauen. Gepäck umhängen, Velo schultern und ab gehts! (Danke Remy, hast du mir die eine Tasche abgenommen).
Bild: watson

Nun, ich kann es zwar immer noch nicht ganz glauben, aber meine Erinnerung täuscht mich wohl. Wie auch immer, wir werden es ja dann in Bauen sehen. 

Und so kommen wir im hübschen Ort am Urnersee an, fahren durch diesen und beim kleinen Platz bei der Kirche hört die Strasse tatsächlich auf. Erst führt ein steiler Pflastersteinweg hoch, dann kommt – haha, wie witzig – ein Schild, das Velofahrer bittet abzusteigen und die Treppen beginnen.

tour dur dschwiiz 77. etappe

Eine Strasse hoch nach Seelisberg können sie nicht bauen in Bauen, aber Humor haben sie.
Bild: watson

Ja, jetzt heisst es Velos schultern. Remy nimmt mir zum Glück die eine Packtasche ab, wir hängen sie uns um die Schulter und dann gehts aufwärts.

tour dur dschwiiz 77. etappe

850 Stufen sollen es sein. Wir haben nicht gezählt. Aber könnte hinkommen.
Bild: watson

Der Schweiss tropft und Treppen scheinen nicht zu enden. Nina eilt vorneweg, Remy hält mit und ich folge mit etwas Abstand. Da bleibt Zeit für andere Gedanken. Zum Beispiel wie die beiden am Morgen von Flüelen aus im Gitschen die Kathedrahle sahen, welche uns die Bäckerin zeigte. Ich sah sie leider nicht, ihr: 

tour dur dschwiiz 77. etappe

Der Gitschen. Im linken oberen Bereich soll man eine riesige Kathedrale sehen. Der Hauptturm sei der helle Fleck. Ich seh sie nicht. Aber fragt Nina, Remy oder die Frau von der Bäckerei in Flüelen, die können helfen.
Bild: watson

Wie auch immer. Die Treppen schlängeln sich den Wald hoch. Schade, kann man den Vierwaldstättersee nicht auf Teerstrassen mit dem Velo umrunden. Das Stück ist mit Gepäck brutal hart. Zum Glück kommen uns keine Wanderer entgegen, die uns entgeistert anschauen und allenfalls noch Fragen stellen.

Die Treppen hören irgendwann auf, es folgt ein kleiner Wanderweg und plötzlich stehen wir auf einer Teerstrasse. 30 Minuten hat der schweisstreibende Aufstieg gedauert. Sie gehören neben der Alpe di Neggia und dem Berninapass zu den härtesten der bisherigen Tour. Aber 30 Minuten gehen ja doch ziemlich schnell vorbei. Einmal mehr standen wir erst unten und dachten: Oh, mein Gott. Aber dann machst du mal den ersten Schritt. Und den zweiten und den dritten und plötzlich bist du oben.

Die Aussicht oben von Seelisberg auf den See entschädigt. Bleibt nur noch eine Frage: Wo ist nur diese Strasse hin, auf der ich ganzganzganz sicher vor Jahren genau diese Strecke hochfuhr?

tour dur dschwiiz 77. etappe

Blick von Seelisberg auf den Urnersee, Brunnen und die Mythen.
Bild: watson

Tour dur d'Schwiiz, 76. Etappe, Schwyz - Sisikon

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hüendli 05.10.2015 19:08
    Highlight Highlight Wieder mal ein richtiger Artikel, schön!
    Ich habe den ersten Absatz sicher 5-mal gelesen... Bin nämlich mal auf der A2 von Luzern her gefahren und wollte nicht durch den Tunnel (Seelisberg, da kann man bestimmt auch drüber). Also auf der gut ausgebauten, blau beschilderten Hauptstrasse durch Emmetten nach Seelisberg. Im Dorf dann erschrocken, als die Strasse plötzlich nur noch halb so breit war. Unten in Treib die Gewissheit: Bootsanlegestelle, Restaurant, aber keine Strasse. Pro forma ausgestiegen, ein paar Schritte gelaufen (damit es nicht ganz so blöd aussieht) und alles wieder zurück...

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