Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Beim FCZ tanzte Raffael regelmässig durch die gegnerischen Abwehrreihen. Bild: KEYSTONE

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

25. April 2006: Einer der grössten Schweizer Fussball-Krimis endet mit einem Happy End. Nach tagelanger Abwesenheit kehrt der verschollene Raffael beim FCZ ins Training zurück. Zuvor hatte der Klub befürchtet, dass der Brasilianer entführt worden sei.

25.04.18, 00:05 25.04.18, 09:04

Hat er das jetzt wirklich gesagt? Die Journalisten im Presseraum des Espenmoos trauen ihren Ohren nicht, als FCZ-Trainer Lucien Favre nach der Analyse des 3:2-Siegs gegen St.Gallen ein erstaunliches Statement abgibt. «Raffael ist gekidnappt worden», sagt Favre mit eindringlicher Stimme. 

Weitere Auskünfte könne er zu diesem Zeitpunkt nicht erteilen, erklärt der Waadtländer – und löst damit einen veritablen Spekulations-Tsunami aus. Die verbreitetste Theorie: Brasilianische Gangster treiben in der Schweiz ihr Unwesen. Bedrohen sie sogar das Leben des 21-jährigen Knipsers?

Lucien Favre sorgt sich um seinen vermissten Stürmer-Star. Bild: KEYSTONE

Zwei dubiose Gestalten auf der Geschäftsstelle

Einer der grössten Schweizer Fussball-Krimis der vergangenen Jahre beginnt schon zwei Tage vor dem Spiel im Büro von FCZ-Sportchef Fredy Bickel: Dort tauchen zwei Brasilianer auf und verlangen ein Gespräch. Einer von ihnen ist Andre Cury Marduy, Inhaber einer Fussballagentur mit einer offiziellen Spielervermittler-Lizenz. Der andere nennt sich Toni und gibt sich als Bekannter von Raffael aus.



Die Besucher sind nicht zum Spass gekommen. Sie wollen Geld. Viel Geld. «Raffael gehört uns», behaupten sie – und verlangen eine Verfünffachung des Lohns und eine halbe Million bar auf die Hand. Andernfalls würden sie Raffael mitnehmen und ihn nicht mehr für den FCZ auflaufen lassen.

Bis die dubiosen Berater auftauchen, läuft für Raffael beim FCZ alles rund. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher, die für Raffael im vergangenen Sommer eine halbe Million Franken an den FC Chiasso überwiesen und damit rechtmässig die Transferrechte an ihrem damaligen Topskorer (12 Tore, 14 Assists) erworben haben, lassen sich nicht unter Druck setzen. Die ungebetenen Gäste werden hinaus spediert.

Wie vom Erdboden verschluckt

Tags darauf erscheint Raffael in Begleitung von Marduy und Toni zum Abschlusstraining. Nach der Einheit verfrachten ihn die Männer in ein Auto und brausen mit ihm davon. Ab da bleibt der junge Brasilianer verschwunden.

Raffael mit 21 Jahren. Wendig und trickreich, aber beeinflussbar durch falsche Freunde. Bild: KEYSTONE

Als sich die Mannschaft am Sonntagmorgen um 10.15 Uhr zur Abfahrt nach St.Gallen trifft, fehlt er unentschuldigt. Sein Handy ist abgeschaltet und seine Wohnung verlassen. Darum schlägt der sonst so besonnene Favre auf der Pressekonferenz Alarm. Sportchef Bickel wendet sich an die Polizei. Er gibt eine Vermisstmeldung auf und erstattet Anzeige wegen versuchter Erpressung und Freiheitsberaubung.

Die Entwarnung und eine durchzechte Nacht

Raffaels Teamkollegen war bereits aufgefallen, dass er in den Tagen zuvor einen völlig verstörten Eindruck machte. Offenbar hatten ihn die beiden Hintermänner massiv eingeschüchtert, ihm weisgemacht, er sei illegal in der Schweiz und dem 1,74 Meter kleinen Brasilianer anschliessend mit finanziellen Versprechen den Kopf verdreht.

Am Sonntagabend gegen 22 Uhr folgt die erste Entwarnung. Raffael meldet sich freiwillig auf der Hauptwache der Zürcher Polizei. Wenigstens eine Entführung kann jetzt ausgeschlossen werden. Die Probleme für den FCZ sind damit aber noch nicht zu Ende. 

Im Auftrag der Klubleitung nimmt Mittelfeldspieler César Kontakt mit seinem Landsmann auf und schlägt sich mit ihm bei einer ausgedehnten Beizentour die Nacht um die Ohren. Sein Auftrag: Raffael dazu bewegen, am nächsten Tag wieder im Training zu erscheinen. Der Plan funktioniert nicht. Raffael schwänzt auch am Montagmorgen und César fehlt ebenfalls. Offiziell wegen einer Grippe, in Tat und Wahrheit wohl aber schlicht verkatert.

Nach der durchzechten Nacht mit Raffael liegt auch César flach.  Bild: KEYSTONE

Ein Nachtessen als Strafe

Am Dienstag folgt endlich das Happy End. Raffaels falsche Freunde haben aufgegeben und sind abgereist. Der Spieler schleicht reumütig zurück ins Training. Er entschuldigt sich bei Favre und der Mannschaft und wird mit offenen Armen empfangen.

Als Strafe für seine ausgedehnte Eskapade muss der Brasilianer nur ein Nachtessen für das ganze Team bezahlen. Schon am nächsten Tag steht er gegen Xamax wieder in der Startaufstellung. 

Die Nachsichtigkeit des FCZ lohnt sich: Bis zum Saisonende schraubt Raffael sein Torkonto auf 14 Treffer. Nach zwei weiteren erfolgreichen Saisons beim FCZ holt ihn Favre für 5.4 Millionen Schweizer Franken in die Bundesliga zu Hertha BSC und später zu Borussia Mönchengladbach, wo er immer noch kickt.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Andy Rihs – sein Leben in Bildern

Marco Streller hat's per WhatsApp eingefädelt – Cristiano Ronaldo wechselt zum FC Basel! 

Diese 11 Amateur-Fussballer triffst du in JEDEM Trainingslager

So sehen Lichtsteiner, Behrami, Neymar und Co. das Fussballfeld wirklich

Ihr glaubt nicht, was Messi, Shaqiri, Ibrahimovic und Co. für Apps auf ihren Smartphones haben

Was fragst du den Autoverkäufer, wenn du keinen VW mehr willst? Diese Fussballer-Namen geben dir Antworten auf Fragen, die du gar nicht gestellt hast

Vom parkenden Bus bis zum selbstlosen Stürmer: 7 Gründe, weshalb wir den FC Chelsea alle lieben. Nicht!

Dumm und Dümmer lachen sich kaputt: Diese 7 Platzverweise sind noch dämlicher als Fàbregas' Aussetzer

Das sind die Top 25 der schrägsten Fussballer-Songs aller Zeiten

Wie die lustig-frisierten Fellaini-Brüder beinahe die taktischen Pläne von Chelsea-Coach José Mourinho ruiniert hätten

Grösser! Besser! Mehr! Mehr! Mehr! Der Transfer-Gerüchte-Generator ist jetzt noch sexyer!

Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen – diese 10 Fussballer haben heimliche Doppelgänger

Von «New Arrogance» bis «Yugo Boss» – diese Fussballer-Parfüms sollten dringend auf den Markt

FIFA 16 ist draussen und wir haben uns so richtig ausgetobt: «CC» wechselt sich selbst ein, Granit Xhaka ballert auf seinen Coach

Breel Embolo ist mit seiner gewagten Frisur nicht alleine – das sind die 40 schrägsten Fussballer-Fritten

Wer spielt denn da im Achtelfinal gegen wen? Die Champions League in Emojis dargestellt

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dageka 25.04.2018 12:46
    Highlight Geschichten, wie sie nur der FCZ schreibt 💙
    18 0 Melden
  • Don Quijote 25.04.2018 09:22
    Highlight Irgendwie der Beweis, dass bei manchen Fussballen gilt: Skills > Oberstübchen
    2 8 Melden

Und so sieht das aus, wenn beim FC Zürich ein Spieler «unterschreibt»

Noch vor dem Cupfinal gegen YB am Sonntag stellt der FC Zürich die Weichen für die nächste Saison. Fix bei den Profis ist neu der 20-jährige Mittelfeldspieler Lavdrim Rexhepi. Der Schweiz-Kosovare mit der Erfahrung von bislang drei Super-League-Partien unterschrieb bis im Juni 2022. Wobei: Unterschrieb er wirklich? Wenn wir das Foto genau anschauen, das der FCZ zu seiner Mitteilung verschickt hat, kommen bei uns Zweifel auf ... (ram)

Artikel lesen