Unvergessen
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Il Grande Torino

Die Turiner Meister-Elf 1948/49. Bild: Wikipedia

Unvergessen

«Il Grande Torino» – das beste Team Italiens stirbt bei einem Flugzeugabsturz

4. Mai 1949: Torino ist die überragende Mannschaft der Nachkriegszeit. Fünf Mal in Folge holt sie den Meistertitel, ehe der Klub von einer Tragödie heimgesucht wird. Bei der Rückkehr aus Lissabon zerschellt die Maschine mit fast allen Spielern an Bord am Turiner Hausberg Superga.



Dicker Nebel, die Sicht ist schlecht. Als sich der Pilot der Fiat G.212 dem Turiner Flughafen nähert, kann er beim Superga-Hügel nur etwa 40 Meter weit sehen. Zu wenig weit, um die Basilika rechtzeitig zu erkennen. Um 17.05 Uhr kollidiert das Flugzeug mit den Stars von «Grande Torino» an Bord mit dem Gotteshaus auf der Kuppe des Turiner Hausbergs.

31 Menschen kommen ums Leben. Die beste Fussballmannschaft Italiens wird auf einen Schlag ausgelöscht.

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Fernsehbericht über die Tragödie und die Abschiedsfeier (italienisch). Video: YouTube/4RETE

93 Heimspiele nicht verloren

1942/43 wird Torino italienischer Meister. Es ist der erste von fünf Titeln in Folge bis 1949 (während des zweiten Weltkriegs fiel die Meisterschaft zwei Saisons lang aus). Der Mythos von «Grande Torino» entsteht, das Team ist als die mit Abstand stärkste Mannschaft des Landes anerkannt. Das geht so weit, dass beispielsweise im Länderspiel Italiens gegen Ungarn im Mai 1947 sämtliche zehn Feldspieler von Torino stammen. Einzig Goalie Lucidio Sentimenti ist beim Stadtrivalen Juventus engagiert. Ausserdem hat das Team vor der Superga-Tragödie in 93 Heimspielen in Folge nicht verloren.

Den fünften Titelgewinn erleben die Spieler noch – nicht aber die Übergabe des Meisterpokals. Denn als die Saison anfangs Juni 1949 endet, sind fast alle tot. Nur drei Spieler leben noch, weil sie nicht zum Freundschaftsspiel bei Benfica Lissabon mitgereist sind. Präsident Ferruccio Novo hatte dieses eingefädelt, nachdem der Meistertitel vier Runden vor Schluss bereits feststand.

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Das Trümmerfeld auf dem Superga: Niemand an Bord überlebte den Absturz. bild: wikipedia

Torino ist nie wieder grande

31 Menschen verlieren beim Flugzeugabsturz ihr Leben: 18 Spieler und fünf Funktionäre des Klubs, drei Journalisten, vier Crewmitglieder und ein Dolmetscher. Als die Akteure von «Grande Torino» beigesetzt werden, nimmt in Turin eine halbe Million Menschen Abschied.

File - In this 2006 file photo a Torino' supporters demontration takes place in front of the Superga  Basilica, near Turin.  On May 4 2009 it is the 60th anniversary of the Superga tragedy, the day not just Turin but the whole of Italy lost a team touted as one of the nation's greatest ever. At 5:05 pm on May 4, 1949, the aircraft carrying the Torino team back home from a friendly in Lisbon crashed in foggy conditions into Superga Basilica on a hill overlooking Turin. All 31 people on board well killed, including the 18 players and two coaches. (AP Photo/Massimo Pinca, FILE)

Torino-Fans gedenken bei der Basilika Jahrzehnte nach der Katastrophe der Opfer. Bild: AP

Torino kann nie mehr an die Zeiten anknüpfen, als es «grande» war. Nur einmal werden die Granatroten noch italienischer Meister (1975/76), dazu kommen drei Erfolge im italienischen Cup (zuletzt 1992/93).

Bis heute schwärmen die Turiner Tifosi deshalb von ihrer einzigartigen Mannschaft, die am Nachmittag des nebligen 4. Mai 1949 mit einem Schlag ausgelöscht wurde: Von «il grande Torino».

Andere Flugzeug-Tragödien mit Sportlern

1958 verloren bei einem Absturz in München acht Fussballer von Manchester United ihr Leben. Trainer Matt Busby und der spätere Weltmeister Bobby Charlton gehörten zu den Überlebenden.

Scarfs of soccer fans hang on the Manchesterplatz street sign during a commemoration ceremony on the Manchester place at the Munich Riem airport, southern Germany, Tuesday, Feb. 6, 2018. Sixty years ago on Feb. 6, 1958 a plane with professional players of the Manchester United soccer club on board crashed in Munich with 21 survivors and 23 fatalities. (Matthias Balk/dpa via AP)

In München erinnert heute an der Absturzstelle der Manchesterplatz an die Opfer. Bild: AP/dpa

1993 starben 18 Spieler der Fussball-Nationalmannschaft Sambias, als auf dem Weg nach Senegal ihr Flugzeug abstürzte. Sämtliche 30 Insassen an Bord der Maschine starben.

2011 starben in Russland 44 Menschen beim Absturz einer Chartermaschine. Darunter war nahezu die gesamte Mannschaft des Eishockey-Klubs Lokomotive Jaroslawl.

2016 kamen bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien 71 Menschen ums leben. Darunter auch das brasilianische Erstliga-Fussballteam Chapecoense. Die Chartermaschine beförderte die Mannschaft des Erstligisten zum Hinspiel gegen Atlético Nacional um das Finale der Copa Sudamericana. Die Absturzursache war Treibstoffmangel.

epa05656788 Workers of the funeral home San Vicente move the coffins of the Brazilian soccer team Chapecoense to be loaded for repatriation in Antioquia, Colombia, 02 December 2016. Repatriation of the plane crash victims' bodies began the previous day. 71 people died when an aircraft crashed late 28 November 2016 with 77 people on board, including players and staff of the Brazilian soccer club Chapecoense. The plane crashed in a mountainous area outside Medellin, Colombia as it was approaching the Jose Maria Cordoba airport. Chapecoense were scheduled to play in the Copa Sudamericana final against Medellin's Atletico Nacional on 30 November 2016.  EPA/MAURICIO DUENAS CASTANEDA

Vorbereitungen für die Trauerfeier für die verstorbenen Chapecoense-Spieler. Bild: EPA/EFE

Im Januar 2019 verlor der argentinische Stürmer Emiliano Sala sein Leben. Die Kleinmaschine, mit der ein Pilot und der Fussballer den Ärmelkanal überquerten, war abgestürzt. Sala hatte zwei Tage zuvor von Nantes zu Cardiff City gewechselt und für den neuen Klub kein einziges Spiel absolviert.

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Flugangst: Ein Leidensbericht von Knackeboul

Video: watson

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23. Juni 1990: Ein Torhüter will der Star der WM in Italien werden – und kassiert eines der kuriosesten Tore aller Zeiten. Nach der Partie sagt der Paradiesvogel: «Es war ein Fehler so gross wie ein Haus.»

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