Unvergessen
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Der Schweizer Walter Steiner an den Olympischen Winterspielen in Sapporo 1972, wo sich der unvergleichliche Skiflieger auf der Grossschanze 'nur' mit Silber begnuegen musste.  Die 'goldenen Tage von Sapporo' sind in der Schweiz bis heute ein Begriff geblieben. Zehn Medaillen brachten die Schweizer Wintersportlerinnen und Sportler 1972 von der Insel Hokkaido im Norden Japans mit nach Hause und belegten damit in der Nationenwertung hinter den beiden ueberragenden Ostblockmaechten Sowjetunion (16 Medaillen) und DDR (14) den sensationellen dritten Platz. (KEYSTONE/Anonymous)

Unvergessen

Wie die DDR dem Schweizer Vogelmenschen die Flügel stutzte 

11. Februar 1972: Lange vor Simon Ammann hat das Toggenburg bereits einen grossen Sporthelden. Auch er ist Skispringer: In Sapporo gewinnt Walter Steiner Olympia-Silber. Doch eigentlich hätte er Gold verdient.



Der grosse Traum von Walter Steiner geht in Sapporo nicht in Erfüllung. Und zwar hauchdünn nicht: Mit dem kleinstmöglichen Abstand von einem Zehntelpunkt verpasst Walter Steiner 1972 von der Grossschanze den Olympiasieg. Er muss dem Polen Wojciech Fortuna den Vortritt lassen.

«Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren», sagt der 1990 nach Schweden ausgewanderte Toggenburger noch immer. Schliesslich klassierten sich insgesamt vier Springer innerhalb eines Punktes.

Bei der Siegerehrung im 90m Skispringen der olympischen Winterspiele in Sapporo im Februar 1972 wird der Goldmedaillengewinner Wojciech Fortuna, Polen, Mitte, von Walter Steiner, Schweiz, links, Silber, und dem Deutschen Rainer Schmidt, rechts, Bronze, in die Luft gehoben. (KEYSTONE/EPU/Str)  ===  ===

Walter Steiner (l.) muss Olympiasieger Wojciech Fortuna auf Händen tragen. Bild: Keystone

Doch Steiner hätte allen Grund zu hadern. Im Training zaubert der «Vogelmensch», wie Steiner wegen seinen unglaublichen Flugfähigkeiten genannt wird, einen 100-Meter-Sprung nach dem anderen in den Schnee. Doch zu Beginn des Probedurchgangs beginnt es zu schneien und während des Wettkampf bläst plötzlich ein stark wechselnder Wind.

Beim ersten Sprung muss deshalb von der untersten Luke gestartet werden. Steiner landet bereits bei 94 Metern und scheint auf Zwischenrang 13 bereits zu den Geschlagenen zu gehören. «Nach dem Schneefall stockte die Anlaufspur. Ich und viele andere wurden überrascht, verloren das Gleichgewicht und sprangen nicht optimal», sagt der bald 63-Jährige 2007 der «Zürichsee-Zeitung». 

103,5-Meter-Kelle bleibt unten

Im zweiten Durchgang packt Steiner dann aber seinen besten Sprung aus. Der gelernte Holzbildhauer landet bei offiziellen 103 Metern. Noch immer hält sich aber das Gerücht, dass der Weitenmesser bereits die Kelle für 103,5 Meter hochhalten will. Das würde für den Olympiasieg reichen, doch unter DDR-Druck wird die Marke herunterkorrigiert.

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Walter Steiner: Der Bestzweite im zweiten Durchgang von der Grossschanze. Video: YouTube/K70

«Das habe ich erst Jahre später erfahren», so Steiner. Und so geht Gold an den erst 19-jährigen polnischen Aussenseiter Wojciech Fortuna, dem nach seinem 111-Meter-Satz beim ersten Sprung schwache 87,5 Meter aus dem zweiten Durchgang für den Olympiasieg reichen.

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Der Wundersprung von Wojciech Fortuna im ersten Durchgang. Video: YouTube/marek2608

Steiner wird noch im selben Jahr entschädigt. Im März 1972 gewinnt der erste Schweizer Olympia-Medaillengewinner im Skispringen Gold bei der Skiflug-WM im damals noch jugoslawischen Planica. Fünf Jahre später doppelt er in Vikersund nach. 1978 muss der «Vogelmensch» seine Karriere wegen anhaltender Knieprobleme nach einem Kreuzbandriss beenden.

Im Rahmen der Sports Awards 2002 wurde Simon Ammann, links, von Ex-Skispringerlegende Walter Steiner, rechts, am Samstag, 14. Dezember2002, in Bern die Trophaee des Sportlers des Jahres 2002 uebergeben. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

2002 überreicht Walter Steiner Doppel-Olympiasieger Simon Ammann die Trophäe für den Sportler des Jahres. Bild: Keystone

In der Anonymität Mittel-Schwedens

Nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn bleibt Steiner dem Skispringen zunächst treu. Im Winter ist er als Wachser und Service-Mann in Deutschland, später als Assistenztrainer in der Schweiz tätig. Im Sommer arbeitet er in seinem angestammten Beruf als Holzbildhauer.

1990 zieht Steiner, dem wegen seiner Leseschwierigkeiten eine längere Trainerkarriere verwehrt bleibt, ins schwedische Falun, wo er heute noch wohnt. Der Toggenburger geniesst die Anonymität: Fischen, Wandern, Velofahren, Pilze suchen und das winterliche Krafttraining halten ihn fit.

2013 wird Steiner schliesslich zwei Tage nach seinem 62. Geburtstag zum dritten Mal Weltmeister. Er gewinnt bei der inoffiziellen Langlauf-WM in Asiago sogar einen kompletten Medaillensatz. Über 15 Kilometer klassisch besiegt er den Russen Waleri Petrow mit einer Zehntelsekunde Vorsprung. Er sagt gegenüber dem «Tagblatt»: «Ich konnte die Konkurrenten in der letzten langen Steigung stehen lassen und den Vorsprung ins Ziel retten. Was für ein emotionaler Moment, nochmals die Schweizerfahne hinter mir zu sehen und die Nationalhymne zu hören.» 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 10.02.2017 12:20
    Highlight Highlight Cool das ihr über Walter Steiner berichtet. Mein Grossvater war ein guter Freund von ihm und war an diesen Anlässen dabei weil er im Skiverband bei den Skispringern tätig war. Ich mag mich noch gut erinnern wie er mir als Kind mit grossem Stolz von diesen Anlässen erzählt hat 😊
  • sven 10.02.2017 08:39
    Highlight Highlight Sehr empfehlenswert für Fans von Walter Steiner: Werner Herzogs Doku. Als Bonus gibt's einen fantastischen Krautrock-Soundtrack.
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ÜBERFLIEGER SIMON AMMANN

10.02.2002: Der voll geile Harry Potter der Lüfte

10. Februar 2002: Die ganze Nation drückt einem kleinen Frechdachs die Daumen. Der Reporter fordert «Flieg Simi, fliiiieg!» Und der macht genau das: Simon Ammann segelt zu seinem ersten Olympiasieg.

Seine Geschichte beginnt in Unterwasser, einem kleinen Dorf fast zuoberst im Toggenburg. Hier ist Simon Ammann aufgewachsen. Einen Monat vor den Olympischen Spielen von Salt Lake City treffe ich den Skispringer und seine Familie nach der Vierschanzentournee. Die Gemeinde gibt ihm nach dem sechsten Gesamtrang einen kleinen Empfang. Anwesende Reporter: zwei. Niemand kann sich vorstellen, was hier in einigen Wochen los sein wird.

Simon Ammann lancierte seine Weltcupkarriere mit einem Paukenschlag. …

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