Comedian Seth Meyers zeigt, warum ICE in den USA kaum Rückhalt hat
Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE sorgte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder für Schlagzeilen. Zuletzt hat die Erschiessung einer US-Bürgerin auf offener Strasse für landesweite Proteste gesorgt.
Die Behörde hat aktuell kaum noch Rückhalt (dafür aber offenbar zu viel Rücklage, wie einige Videos zeigen, in denen Agenten auf Eis ausrutschen). Comedian Seth Meyers zeigte in seiner Late-Night-Show, mit welchen Problemen ICE zu kämpfen hat und warum sich mittlerweile der Grossteil der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner von der Behörde abwendet:
«Late Night with Seth Meyers» ist bekannt für ihr Segment «A Closer Look» (zu Deutsch: ein genauerer Blick). Darin widmet sich Moderator Seth Meyers jeweils einem speziellen Thema oder Ereignis und seziert es auf humoristische Weise. In der Sendung vom 14. Januar fokussierte sich der 52-Jährige auf ICE, ein Thema, das spätestens nach den jüngsten Ereignissen wohl ziemlich viele Menschen in den USA beschäftigen dürfte.
Um zu verstehen, warum die Behörde an dem Punkt steht, wo sie heute ist, warf Meyers zuerst einen Blick zurück. 2024 kündigte Donald Trump im Wahlkampf um das Präsidentenamt massive Massenabschiebungsprojekte an, sollte er gewählt werden. Diese würden sich gegen die schlimmsten, gewalttätigen Verbrecher richten. Das habe natürlich bei den Menschen ganz gut verfangen, so Meyers – nur:
Stattdessen habe Trump eine Armee von schlecht ausgebildeten, schwer bewaffneten ICE-Agenten geschaffen. Diese würden in Schulen, Wohnquartieren und Lebensmittelläden herumhängen und unschuldige Leute anbrüllen, um herauszufinden, wo diese geboren worden seien.
Einstellungsbedingungen gesenkt – Rekruten scheitern trotzdem
Um Trumps hochgesteckte Ausschaffungsquoten zu erreichen, musste die Behörde ihr Personal zuletzt massiv aufstocken. Die Regierung plante, die Anzahl der Agentinnen und Agenten zu verdoppeln. Dazu wurden die Einstellungsbedingungen bei der Behörde gelockert, so Meyers. Darunter habe wiederum dann die Qualität des Personals gelitten, berichteten verschiedene Medien.
So seien rund ein Drittel der neuen ICE-Rekrutinnen und -Rekruten nicht imstande gewesen, einen grundlegenden Fitnesstest zu absolvieren, welcher 15 Liegestütze, 32 Rumpfbeugen und einen 2,5-Kilometer-Lauf in 14 Minuten beinhaltete. Altgediente ICE-Beamte hätten diese Leistung als «erbärmlich» bezeichnet und von einem «Desaster» gesprochen, hiess es in einem eingespielten Medienbericht weiter.
Aber auch abgesehen vom körperlichen, sportlichen Aspekt sei die Behörde mit viel Unfähigkeit konfrontiert worden. So habe die Hälfte der neuen Rekrutinnen und Rekruten die schriftliche Aufnahmeprüfung nicht bestanden – und das, obwohl man Notizen und Lehrbücher dabei verwenden darf. Manche der Rekrutinnen und Rekruten könnten kaum lesen und schreiben, wird in einem weiteren Einspieler gesagt.
Trotzdem seien viele schon zum Training zugelassen worden, noch bevor ihre Hintergrundüberprüfung abgeschlossen gewesen sei. So habe man später gemerkt, dass sich unter den Auszubildenden auch Personen befanden, welche einen kriminellen Hintergrund hatten oder bei Drogentests durchgefallen waren.
ICE-Zustimmungswerte im Keller
All diese Faktoren hätten dazu geführt, dass ICE in den USA nun für Chaos sorge, so Meyers. Da sei es keine Überraschung, dass es der Bevölkerung nicht gefalle, was sie da miterlebe. Auch hier zeigte der Comedian anhand von Medienberichten, wie gross die Unzufriedenheit mit der Behörde ist.
52 Prozent der Bevölkerung würden ICE mittlerweile missbilligen, heisst es in einem der Clips. Eine Mehrheit denke ausserdem, die Behörde mache das Land weniger sicher, anstatt, wie versprochen, sicherer. Verschiedenen Umfragen zufolge sind der Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner das Vorgehen und die Taktiken von ICE zu extrem. Mittlerweile würden in den USA sogar mehr Menschen an Geister glauben, als die Vorgehensweise der Behörde billigen, so Meyers. (lzo)
Das ganze Segment kannst du dir übrigens hier anschauen:
- So vergrösserten die USA in der Vergangenheit ihr Staatsgebiet
- Dänemark: Keine Einigung mit USA bei Grönland-Krisengespräch
- USA: Umsetzung von Gaza-Friedensplan geht in nächste Phase
- Trump wollte in Detroit über die Wirtschaft referieren – stattdessen gab's diese irre Rede
- FBI-Durchsuchung bei Reporterin der «Washington Post»
