Grossaufgebot in Tokio wegen versprühter Substanz
Ginza ist eines der bekanntesten Shopping-Viertel der Millionenmetropole Tokio. Am Montagmorgen wurde das «Ginza Six» Kaufhaus im Herzen des Viertels aber Schauplatz eines Grossaufgebotes von Rettungskräften.
Behörden hatten mehrere Meldungen erhalten, wonach Kunden von einem unangenehmen Geruch im ersten Stock des Kaufhauses berichteten. Einige davon beklagten sich zudem über Symptome wie ein Kratzen im Hals und fühlten sich generell unwohl.
Die Rettungskräfte reagierten unmittelbar mit einem Grossaufgebot von Feuerwehr und Sanität. Von den 25 Betroffenen wurden 19 mit milden Symptomen ins Spital gebracht.
Erste Berichte besagten, dass ein Mann eine unbekannte Substanz im Kaufhaus versprüht hatte. Erste Ermittlungen sollen nun zum Schluss gekommen sein, dass der Reizstoff «Capsaicin», welcher die Schärfe von Chilischoten oder Pfefferspray ausmacht, Schuld sein könnte.
Es wird jetzt wegen Körperverletzung nach dem Täter gefahndet.
Das sofortige Grossaufgebot hat auch einen historischen Hintergrund. Am 20. März 1995 verübten Anhänger der Sekte «Aum Shinrikyo» einen tödlichen Giftanschlag in der Metro von Tokio.
Fünf Kultmitglieder hatten damals zu Stosszeiten in fünf verschiedenen Pendlerzügen Plastikbeutel mit Sarin zerstochen. Sarin ist ein tödliches Nervengift und gilt als Chemiewaffe. Beim Attentat kamen 14 Menschen ums Leben und über 1000 wurden verletzt. Wie sich später herausstellte, hatte der Kult auch schon zuvor mehrere Menschen mit verschiedenen Chemiewaffen vergiftet. Entsprechend hat sich das Attentat fest ins kollektive Gedächtnis der Nation eingebrannt.
(msh)
