watson in Sambia
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watson in Sambia

Witzig und scharfsinnig

watson in Sambia: Keine Gnade für die Mitstudenten – und zum Abschluss das kreative Highlight

Die erste Woche ist bereits um. Den Wochenabschluss bilden die Präsentationen des ersten Workshops. Einmal mehr gilt das Schema: Ungewissheit bis kurz vor Beginn, aber dann nimmt alles seinen Lauf.



Reto Fehr, Sambia

Kein Mail. Nicht ein einziges. Da können wir den Posteingang auch um 23 Uhr noch lange aktualisieren. Es tut sich nichts. Elf Mails hätten wir erhalten sollen. Mit den Studenten war ausgemacht, dass sie die Dateien ihrer Gruppenarbeiten bis am Vorabend der Präsentationen per Mail schicken. Wir wollten diese in Ruhe anschauen, damit wir gut vorbereitet am nächsten Tag in die Stunde gehen und ein würdiges Feedback abliefern können. Bisschen enttäuscht gehen wir zu Bett. 

Haben wir sie doch überfordert? War die Aufgabenstellung nicht ganz klar? Haben sie einfach wieder einmal keinen Internetzugang? Oder keinen funktionierenden Computer? Was machen wir, wenn keine der elf Gruppen eine Präsentation vorbereitet hat?

watson in Sambia

Leiter Unternehmensentwicklung Sven Ruoss und Sportchef Reto Fehr führen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Hilfsorganisation B360 education partnerships an der Universität von Lusaka (UNZA) in Sambia ein zweiwöchiges Modul über Online-Journalismus durch. Die Studenten erhalten dabei wertvolle Inputs für ihre Newsplattform Lusaka Star. Die Zeitung wurde vor rund zwei Jahren mit Unterstützung der Zürcher Agentur Mediaschneider in ein Online-Portal umgewandelt und wird vom Studiengang Mass Communication betreut.

Mit mulmigem Gefühl setzen wir uns in den Bus zur Uni. Eine halbe Stunde vor Lektionsbeginn meldet sich Nema in unserem Büro. Sie habe schlechte Neuigkeiten: «Wir haben alles vorbereitet, aber genau als wir fertig waren, gab der Laptop den Geist auf. Stella versucht ihn zu reparieren. Sie kommt am Nachmittag. Könnten wir notfalls die Präsentation auch mit Hilfe der Flipcharts halten?».

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Emotionale und meist gute Diskussionen folgen auf jede Präsentation. Hier geht es darum, dass die Studenten finden, junge Leute wollen meist keine langen Texte ohne Bilder mehr lesen. Wenn man sie erreichen will, muss man die Themen anders angehen. Beispielsweise mit Musik, Bildern, Videos – willkommen bei watson! Video: watson

Grosse Niveauschwankungen

Als die Lektion beginnt, sind die meisten der Gruppen noch in den letzten Zügen der Vorbereitungen. Wir geben ihnen noch 15 Minuten Zeit, dann geht es los. Einmal mehr werden wir positiv überrascht. Viele der Projekte sind gut durchdacht, die Themen reichen von Stars und Sternchen bis zu Bildung oder Umweltproblemen. Es sind Themen, welche die Sambier täglich beschäftigen. 

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Darf man in Sambia auf einer Newsseite ein Bild von sich küssenden Männern zeigen? Ui, die Emotionen gehen sehr hoch. Am Schluss ist sich die grosse Mehrheit einig: nie im Leben. Hier geht es gerade auch darum, wie man mit User-Feedback umgehen sollte. Video: watson

Das Niveau der Präsentationen schwankt erheblich. Einige würden mit ihren Auftritten Schweizer Politiker mühelos in den Schatten stellen, andere stehen mit dem Rücken zur Klasse da und lesen einfach ab, was auf die Wand projiziert wird – sofern man es lesen kann. Versuche wie gelbe Schrift auf weissem Hintergrund sind eher der Normalfall als die Ausnahme und die Effekte bieten oft die ganze Palette von einfliegenden Worten, Drehungen, Wendungen, Spiegelungen, Vorhang-Übergängen und allem Weiteren, das irgendein Powerpoint-Entwickler nach dem vermutlich zehnten Drink irgendwann mal noch programmiert hat. 

Integriert jemand wild viele Bilder auf einem Slide, brandet spontan Applaus auf. Man merkt, dass es für viele Studenten die ersten Gehversuche mit dem Programm sind, sie designmässig diverse neue Ideen entwickeln und Grenzen austesten. Oder etwas direkter und in einem Wort beschrieben: schrecklich.

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Input zur Frage, ob ein Social-Media-Redaktor für alle Ressorts reicht? Oder braucht es pro Ressort einen? Oder soll jeder Journalist auch die Social-Media-Kanäle pflegen? Video: watson

Mit Humor, aber ohne Rücksicht

Faszinierend ist die Diskussionskultur nach den Präsentationen. Es wird schonungslos auf den Kollegen herumgehackt, Mücken werden zu Elefanten. Unverblümt. Ehrlich. Emotional. Meist lassen wir sie etwas diskutieren, bevor wir uns einschalten. Denn es werden gute Themen angesprochen: Was für eine Art von Storytelling braucht es, um junge Leute zu erreichen? Darf man zwei Männer zeigen, die sich küssen? Sollte eine Newsplattform einen Social-Media-Redaktoren haben oder braucht es einen pro Ressort? Manchmal fühlen wir uns in die watson-Redaktion versetzt.

Auffallend ist zudem der Humor und das meist nicht zu knapp vorhandene Selbstvertrauen. Es fallen Sprüche und Seitenhiebe werden verteilt. Hier eine Auswahl:

«Wir machen alle Fehler. Ich bitte euch nicht zu lachen. Ihr könnt nach der Präsentation kommentieren.» 

Kambani, nachdem ihm in den ersten Minuten einige Fehler unterlaufen sind

UNZA 2014

Präsentation der Gruppenarbeiten. Bild: watson

«Ich möchte zuerst die Regel der vorherigen Gruppe revidieren. Falls ich einen Fehler mache, dürft ihr lachen.»  

Die anschliessenden Begrüssungsworte von Kanekwa von der nächsten Gruppe

«Interessiert es irgendjemanden, was ich gerade präsentiere?» 

Catherine, nachdem zu viel getuschelt wurde

Wir kommen zu unserer Sitemap. Dazu möchte ich etwas an die vorhergehende Gruppe richten: ‹Eure Sitemap war okay. Aber wirklich gut sieht es so aus.›»

Clarence mit einem kleinen Seitenhieb

UNZA 2014

Passende Gestik darf bei den Diskussionen natürlich nicht fehlen. Bild: watson

«Eure Präsi hatte ja gar keine Bilder. Das war ähnlich abwechslungsreich, wie wenn ich die Bibel lese.»  

Nchimunya, welche bei einer Gruppe das Design bemängelte

«Sarai alleine ist keine Gruppe. Wir alle sind die Gruppe. Ihr könnt nur der Gruppe eine Frage stellen oder niemandem.» 

Muna verteidigt ihre Gruppenkollegin Sarai, nachdem aus der Runde eine Frage explizit an diese gestellt wurde, weil sie als einzige der Vierergruppe zu spät kam und dann nichts präsentierte

«Wir lassen euch hier nicht einfach so durchschlüpfen, nur weil jetzt dann grad die Lektion durch ist. Ich habe schon noch ein paar fiese Fragen bereit.» 

Nathan, welcher auch der letzten Gruppe das Leben schwer machen will

UNZA 2014

Teilweise wird nach der Präsentation noch ein persönliches Feedback gewünscht. Bild: watson

«Aha, ihr verwendet also eine traditionelle Powerpoint-Methode.»

Joclyn, die sich über die Gruppe lustig macht, welche mit Flipcharts präsentiert

Zum Abschluss wird es kreativ

Ganz zum Schluss ist die Gruppe um Nema an der Reihe. Stella ist zwar mittlerweile mit dem Laptop aufgetaucht, aber sie wollen die Flipcharts zur Hilfe nehmen. Das läuft wunderbar. Bis die drei präsentierenden Frauen bei der vorgezeichneten Sitemap bemerken, dass sie diese quer ausgerichtet haben. Unter grossem Gelächter und Anfeuerungsrufen aus der Runde lösen die drei das Ganze (ziemlich) souverän. Die Aktion bildet den Abschluss der Präsentationen und damit unserer ersten Arbeitswoche. Es war unglaublich spannend und trotz einigen Stolpersteinen hochinteressant. Oder etwas direkter und in einem Wort beschrieben: grandios. 

UNZA 2014

Drei Frauen kämpfen gegen die Regeln der Ausrichtung und der Schwerkraft (wer hier einen fiesen Unterton bemerkt hat, soll den Satz nochmals lesen. Da war keiner). Bild: watson

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Weltpremiere

watson in Sambia: 11 Dinge, die jeder Schweizer über Sambia wissen sollte

Wir dropen (Marketing-sprachlich für überliefern) einen letzten Bericht aus Sambia. Wie es sich für einen Unternehmensentwickler gehört, habe ich von diesem Projekt hier als Debriefing die wichtigsten Key-Learnings in einer Powerpoint-Präsentation analysiert.

Meine Damen und Herren, Sie wissen es noch nicht, aber Sie werden hier gerade Zeuge von zwei bahnbrechenden Premieren: 

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