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Symbol der Sharing Economy: Die Uber-App.
Symbol der Sharing Economy: Die Uber-App.
Bild: AP/AP
Analyse

3,7 Milliarden Dollar Verlust: Kann Uber je rentieren?

Uber geht an die Börse. Doch das Vorzeigeunternehmen der Sharing Economy hat noch nicht bewiesen, dass es im Markt bestehen kann – und dass sein Businessmodell nicht in eine dystopische Techno-Zukunft führt.
06.05.2019, 16:4907.05.2019, 08:55

Am kommenden Freitag steht der Wall Street eine Techparty der besonderen Art bevor: Uber wird eine Publikumsgesellschaft. Rund 60 Milliarden Dollar soll das IPO (Initial Public Offering) in die Kassen spülen. Damit wird Uber das grösste IPO aller Zeiten der Hi-Tech-Branche.

Uber kann die Milliarden gut gebrauchen. Nach wie vor verbrennt das Unternehmen nämlich Geld, sehr viel Geld. In den letzten 12 Monaten betrug der kumulierte Verlust 3,7 Milliarden Dollar. Das ist selbst für die in der Startphase an Verluste gewohnte Hi-Tech-Branche viel.

«Niemand verdient in Ubers Kerngeschäft Geld. Es ist kein Problem eines einzelnen Unternehmens. Das Businessmodell funktioniert schlicht nicht.»
Aswath Damodaran

Dara Khosrowshahi, der CEO von Uber, nimmt es gelassen. «Wir werden nicht voraussehbar profitabel sein», erklärte er im November an einem Vortrag an der Stanford University. «(…) Wer das will, soll eine Bank kaufen. Wir denken langfristig.»

Denkt langfristig: Uber-CEO Dara Khosrowshahi.
Denkt langfristig: Uber-CEO Dara Khosrowshahi.
Bild: AP/AP

All das erinnert an Amazon. Auch Jeff Bezos hat lange Jahre keine Gewinne gemacht und seine Investoren vertröstet. Inzwischen ist Amazon ein führendes IT-Unternehmen und Bezos der reichste Mann der Welt. Ob Uber dies ebenfalls gelingen wird, ist mehr als fraglich. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Uber muss sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen. In den USA macht ihm Lyft das Leben schwer. In China musste es Didi den Vortritt lassen und dieses chinesische Gegenstück zu Uber greift das Original nun auch in Südamerika an. Das Resultat sind ruinöse Preiskriege.

Ubers hochfliegende Pläne – selbstfahrende Autos und Drohnen – und seine Ausweitung in andere Geschäftsfelder – Auslieferung von Essen und E-Scooter – stehen ebenfalls auf wackligen Füssen. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres hat Uber rund eine Milliarde Dollar verloren.

Ein selbstfahrender Lastwagen von Otto. Uber hat dieses Startup kürzlich erworben.
Ein selbstfahrender Lastwagen von Otto. Uber hat dieses Startup kürzlich erworben.
Bild: AP/FR155217 AP

Es gibt ernstzunehmende Stimmen, die überzeugt sind, dass es kein Ende dieser Misere geben wird. Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der New York University, erklärt gegenüber dem «Wall Street Journal»: «Niemand verdient in Ubers Kerngeschäft Geld. Es ist kein Problem eines einzelnen Unternehmens. Das Businessmodell funktioniert schlicht nicht.»

Zum Glück können sich Khosrowshahi & Co. von Uber auf einen reichen Paten verlassen. Der japanische Milliardär Masayoshi Son und sein 100-Milliarden-Dollar-Fund Softbank haben sich bei Uber eingekauft und halten das Unternehmen über Wasser.

Ubers reicher Pate Masayoshi Son.
Ubers reicher Pate Masayoshi Son.
Bild: AP/Kyodo News

Das ist für viele Investoren ein Grund, ebenfalls einzusteigen. Son hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass er einen guten Riecher für kommende IT-Giganten hat. So war er ein früher Geldgeber bei Alibaba und hat damit ein Vermögen verdient.

Uber gilt als Vorzeigeunternehmen der Sharing Economy und ist damit wegweisend für ein neues Wirtschaftsmodell der Zukunft. In seiner Vision werden dereinst selbstfahrende Autos die Menschen befördern. Für kurze Strecken benützt man ein E-Bike oder einen E-Scooter. Drohnen werden Pizzas und andere Dinge ausliefern und Robotrucks werden die Autobahnen bevölkern. All dies wird von Uber-Algorithmen gesteuert werden.

Die klassische Teilung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird verschwinden. Uber versteht sich als Plattform, als Vermittler zwischen selbstständigen Unternehmern und Kunden. Ein Algorithmus regelt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. «Ein faszinierender Aspekt von Ubers Selbstverständnis ist die Tatsache, dass es seine Fahrer nicht als Angestellte betrachtet – sie sind ‹Konsumenten› ihrer Technologie, genauso wie die Passagiere», schreibt Alex Rosenblat in ihrem Buch «Uberland».

(Ein Gericht in Lausanne hat jedoch soeben entschieden, dass Uber ein traditioneller Arbeitgeber ist. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Uber ist so Vorreiter der sogenannten Gig Economy geworden, eines Wirtschaftsmodells, das idealerweise davon ausgeht, dass Menschen künftig als freie Unternehmer selbstbestimmt arbeiten können. Will heissen: Smarte Algorithmen sorgen für eine perfekte Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Es braucht keine Mittelsmänner mehr. Jeder kann arbeiten, wann und wo es ihm passt.

Bei Uber hat dieses Ideal einer nüchternen Realität Platz gemacht. Die Algorithmen sind keineswegs objektiv und fair. Sie können vom Management willkürlich geändert werden und die Fahrer müssen sich dem Diktat unterwerfen.

Schlimmer noch: Die Fahrer werden von den Algorithmen der Uber-Zentrale Big-Brother-mässig überwacht und können aus dem System gekickt werden, wenn sie die Regeln verletzen, beispielsweise unfreundlich zu Passagieren sind oder zu hart bremsen.

Für die Uber-Fahrer bleibt wenig übrig.
Für die Uber-Fahrer bleibt wenig übrig.
Bild: EPA/EPA

Der Traum des selbstständigen Unternehmers wird so zum Albtraum eines von Algorithmen kontrollierten Sklaven. Nur das oberste Kader profitiert von diesem Modell: «Die kulturelle Differenz zwischen Ubers Fokus auf technischen Fortschritt und die täglichen Erfahrungen seiner Fahrer kann nicht unterschätzt werden», so Rosenblat. «Während Uber international gesuchte Experten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz anheuert, haben die Fahrer Mühe, ein WC zu finden.»

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