Wirtschaft
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Auf der Suche nach dem besten Steak falsch abgezweigt: Ein Basler Restaurant verspricht seinen Kunden, was es nicht halten kann.   bild: Screenshot/800grad.ch

Lebensmittelinspektor auf Tour

Basler Schummel-Wirt wirbt mit 800 Grad heissem Steakofen – den er gar nicht hat

Das Basler Restaurant «800° Premium Steakhouse» wirbt damit, seine Steaks bei 800° Celsius speziell fein zu garen. Den dafür nötigen Grill besitzt der Wirt aber nicht. Jetzt tritt das Lebensmittelinspektorat auf den Plan. 

04.09.14, 16:45 05.09.14, 09:31

Der neuste Steak-Trend aus den USA heisst: Hochtemperatur-Garen. Ein äusserst saftiges Stück Fleisch mit schmackhafter Kruste, soll durch das Grillieren bei grosser Hitze erzielt werden. Steakhäuser rund um die Welt adaptieren das Konzept für ihre Küchen. 

Das wollte auch das Basler Restaurant «800° Premium Steakhouse». Das Versprechen steckt nicht nur im Namen, sondern auch auf der Homepage: «Ihr Steak wird in einem eigens aus den USA eingeführten Grill zwischen 580-800 Grad Celsius gebraten», steht da. Und die Werbung trägt noch dicker auf: «Die hohe Hitze ergibt dabei ein einmaliges, schmackhaftes Erlebnis. Das Fleisch ist super zart und zergeht auf der Zunge. Geniessen Sie Ihr Stück Fleisch, zubereitet wie in den besten Steakhäusern Amerikas.»

Blick durch das Fenster des «800° Premium Steakhouse» in Kleinbasel. bild: tripadvisor

So weit so fein, nur stellt sich nach Recherchen von watson heraus: In der Küche im Untergeschoss des Restaurants brät kein spezieller amerikanischer «Southbend Broiler», wie bei der Eröffnung angekündigt, sondern ein gewöhnlicher Gasgrill der Marke MagiKitch'n, Modell «MKG Gas Griddle». Dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen. 

 «Die Angaben über die servierten Produkte müssen den Tatsachen entsprechen.»

Oliver Lehmann, Lebensmittelinspektorat Basel-Stadt

Anpreisungen müssen den Tatsachen entsprechen

«Kundentäuschung», vermutet der Chef des Basler Lebensmittelinspektorats, Oliver Lehmann: «Die Angaben über die servierten Produkte müssen den Tatsachen entsprechen. Falls der Ofen nicht auf 800° Celsius aufgeheizt wird, handelt es sich um eine Täuschung», sagt er. Problematisch sei vor allem, dass auf der Homepage ausdrücklich mit den 580-800° Celsius geworben werde. Das Lebensmittelgesetz schreibe vor, dass die für Lebensmittel verwendeten Bezeichnungen und ihre Anpreisung den Tatsachen entsprechen müssen. 

«Wir benutzen einen Ofen, der theoretisch bis zu 800° Celsius heiss werden könnte.»

Philipp Fink, Eigentümer «800° Premium Steakhouse»

800°-Inhaber Philipp Fink, der nicht nur vier Restaurants besitzt, sondern auch Teilhaber zweier Beratungsfirmen, einer Immobiliengesellschaft und einer Internetagentur ist, sieht keine Probleme in seiner Küche: «Wir benutzen einen Ofen, der theoretisch bis zu 800° Celsius heiss werden könnte, den gewünschten Effekt erreicht man aber schon bei 420° Celsius», behauptet Fink und fügt an: «Wir garen meistens bei einer Temperatur von rund 600° Celsius. Das ist auch am angenehmsten für das Personal. Es wird sehr heiss in der Küche.» 

So brutzeln Steaks in einem echten amerikanischen «Southbend Broiler».  video: youtube/foodservice latino

Allerhöchstens 450° Celsius

Doch der im «800° Premium Steakhouse» verwendete MagiKitch'n erreicht laut Produktbeschreibung bloss 550° Fahrenheit, was nur knapp 290° Celsius entspricht. Laut Kennern der Grillmaterie kann das Gerät unter bestimmten Umständen bis zu 450° Celsius erreichen, aber auch die entsprechen noch nicht den von Fink angegebenen 600° Celsius.  

Ein gewöhnlicher Gasgrill: Im Bild das Modell «MKG Gas Griddle» eines MagiKitch'n Grills.  bild: magikitchn.com

Dass der aus den USA eingeführte Hochtemperatur-Grillofen in seiner Küche wegen feuerpolizeilichen Abluftbestimmungen gar nie in Betrieb genommen werden konnte und durch einen gewöhnlichen Gasgrill ersetzt werden musste, stellt Fink ebenfalls in Abrede. Ohne allerdings Angaben dazu machen zu können, welcher Grill im «800° Premium Steakhouse» benutzt wird.

Lebensmittelinspektorat «ergreift Massnahmen»

In der Tatsache, dass er mit 800° wirbt und nicht bei 800° Celsius gart, sieht Fink kein Problem: Der Name «800°» stehe lediglich für diese bestimmte Methode der Fleischzubereitung.

Das sieht das Lebensmittelinspektorat der Stadt Basel anders. «Informationen von Dritten über mögliche Missstände in Betrieben im Kanton Basel-Stadt fliessen selbstverständlich in unsere Tätigkeit ein und wir ergreifen die notwendigen Massnahmen», sagt Lehmann.



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