Wirtschaft
Digital

USA: Instagram und YouTube wegen Suchtgefahr verurteilt

epa12849222 FILE Mark Zuckerberg, Chief Executive Officer of Meta Platforms, arrives for a court appearance at the Los Angeles County Superior Court in downtown Los Angeles, California, USA, 18 Februa ...
Mark Zuckerberg trifft zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Obersten Gerichtshof des Bezirks Los Angeles ein.Bild: keystone

Präzedenzfall in den USA: Instagram und YouTube wegen Suchtgefahr verurteilt

25.03.2026, 19:1726.03.2026, 06:47

Ein Gericht in Los Angeles hat Meta und Google erstmals für die psychischen Folgen von Social-Media-Sucht haftbar gemacht. Der britische Nachrichtensender BBC berichtete zuerst über den Fall.

Die Jury entschied, dass die Plattformen Instagram und YouTube vorsätzlich so programmiert wurden, dass sie Abhängigkeit fördern und damit die Gesundheit einer 20-jährigen Klägerin massiv geschädigt haben.

Meta trägt gemäss dem Urteil 70 Prozent der Schuld, während YouTube für 30 Prozent der Schäden verantwortlich gemacht wird.

Präzedenzfall

Obwohl der Facebook-Gründer und Meta-CEO Mark Zuckerberg im Prozess betonte, man schütze Minderjährige, belasteten interne Dokumente den Konzern schwer. Während Snap und TikTok das Verfahren durch geheime Vergleiche abwendeten, markiert dieser Schuldspruch nun einen wegweisenden Präzedenzfall für hunderte weitere Klagen in den USA.

Die Geschworenen sprachen der 20-jährigen Klägerin laut US-Medien als Wiedergutmachung einen Betrag von drei Millionen Dollar zu, der zu 70 Prozent von Meta bezahlt werden solle. In einem zweiten Schritt ordneten sie zusätzlich eine Strafzahlung von weiteren drei Millionen an, die die Unternehmen im gleichen Verhältnis tragen sollen.

Google und Meta kündigten an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Google behauptete dabei, YouTube gehöre gar nicht erst zur Kategorie Social Media.

Doomscrolling schon als Kind

In dem Prozess warf die 20-jährige Klägerin, die unter den Initialen KGM auftrat, Online-Plattformen vor, sie hätten ihre Dienste absichtlich so gestaltet, dass User danach süchtig werden. Dabei geht es zum Beispiel um die Funktion, bei der man immer weiter zum nächsten Beitrag weiterscrollen kann. Dieses Phänomen wird auch als «Doomscrolling» bezeichnet.

Die Frau fing ihren Angaben zufolge bereits als Kind an, die Plattformen zu nutzen – und führt ihre Depressionen und Angstzustände darauf zurück.

Die Klage richtete sich zuletzt gegen YouTube und den Foto- und Videodienst Instagram, der dem Meta-Konzern gehört. Die Unternehmen hinter den ursprünglich ebenfalls verklagten Konkurrenten Snapchat und TikTok waren durch einen Vergleich dem Prozess entgangen.

Hunderte weitere Klagen

Der Ausgang des Verfahrens könnte wegweisende Wirkung für hunderte weitere Klagen ähnlicher Art haben. Meta und Google wiesen in dem Prozess die Vorwürfe zurück. In dem Prozess wurde vor den Geschworenen auch Meta-Chef Mark Zuckerberg befragt.

Erst am Vortag hatten Geschworene im US-Bundesstaat New Mexico Meta zu einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar verurteilt, weil das Unternehmen nach Überzeugung einer US-Jury wider besseres Wissen nicht genug für den Schutz junger Nutzer getan hat. Meta will in Berufung gehen.

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda/dpa/afp.

(val)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
32 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Rethinking
25.03.2026 19:40registriert Oktober 2018
Sehr gut. Weiter so
633
Melden
Zum Kommentar
avatar
future--?
25.03.2026 19:21registriert November 2023
Endlich ein Urteil, das die Verantwortung von Plattformen für Social-Media-Sucht anerkennt – ein wichtiger Präzedenzfall, der hoffentlich Signalwirkung für den Schutz junger Menschen hat.
572
Melden
Zum Kommentar
avatar
Neruda
25.03.2026 20:10registriert September 2016
Ist zwar typisch USA dieses Urteil, aber es hat halt schon Hand und Fuss. Die Apps wurden extra so programmiert, dass die menschliche Schwäche zur Sucht angesprochen wird. Nur weil das digital stattfindet, sollten wir ein solches Vorgehen von Firmen nicht erlauben. Andere Firmen dürfen ihre Produkte auch nicht gezielt süchtig machen für Kinder.

Wir sollten diese bewusst süchtig machenden Algorithmen verbieten.
562
Melden
Zum Kommentar
32
Senioren reisen dank VR durch andere Länder
Im Altersheim «St Vincent’s Care» in der australischen Stadt Toowoomba können Senioren seit neustem durch die Landschaft anderer Länder fahren.
Zur Story