Dumme Siri: Apple will wegen KI-Verzögerung 250 Millionen Dollar zahlen
Von der aussergerichtlichen Vergleichsvereinbarung profitieren sollen US-Kundinnen und -Kunden, die sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums eines der damals neu eingeführten iPhone-Modelle gekauft haben.
Hintergrund ist eine verzögerte Weiterentwicklung der Assistenzsoftware Siri mit Künstlicher Intelligenz (KI): Apple hatte sie bei seiner Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2024 angekündigt und zum Start der iPhone-16-Modellreihe im Herbst zeitweise auch Werbung dafür gemacht.
Die verbesserte Siri soll für Nutzerinnen und Nutzer besonders hilfreich sein, weil sie Zugang zu persönlichen Informationen der Nutzenden hat und quer über verschiedene Apps auf Apple-Geräten aktiv sein kann.
Im März 2025 musste der Konzern jedoch bekanntgeben, dass sich die Software verzögert. Sie habe nicht verlässlich genug funktioniert, um sie zu veröffentlichen, hiess es später.
Inzwischen stellt Apple die personalisierte Siri für dieses Jahr in Aussicht. An der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni dürfte es weitere Informationen dazu geben. Andere bereits angekündigte KI-Funktionen wie Live-Übersetzungen und Text-Korrekturen führte Apple bereits schrittweise ein.
Wer bekommt Geld zurück?
Von der Vergleichsvereinbarung soll die US-amerikanische Kundschaft profitieren, die sich zwischen der WWDC-Präsentation am 10. Juni 2024 und Apples Verzögerungs-Eingeständnis am 29. März 2025 eines der iPhone-16-Modelle oder ein iPhone 15 Pro gekauft hatten. Mit dem aussergerichtlichen Vergleich gesteht Apple kein Fehlverhalten ein.
Ein Beispiel für die neuen KI-Funktionen, die Software-Chef Craig Federighi bei der WWDC 2024 präsentiert hatte: Ein Arbeitstermin soll verschoben werden und Siri soll ihm sagen, ob er es dann immer noch zur Theater-Aufführung seiner Tochter schaffen würde. Um diese Frage zu beantworten, muss die Software unter anderem wissen, wo der verschobene Termin und die Aufführung sind – und anhand des Verkehrs die Fahrzeit berechnen.
Hat Apple das KI-Rennen verloren?
Obwohl sich die schlaue Siri verzögert, kann Apple gemäss unabhängigen Experten im Bereich der KI-Assistenten von einer einzigartigen Ausgangslage profitieren. Der entscheidende Vorteil ist nicht, wie viel ein digitaler Helfer über die Welt weiss, sondern wie gut er den User «versteht».
Der US-Konzern hat sich durch seine weitreichende Kontrolle über Hardware, Software und eine eigene Cloud-Server eine Infrastruktur geschaffen, die fast schon einzigartige Möglichkeiten bietet. Der wirtschaftliche Fachbegriff dazu lautet vertikale Integration: Da das Unternehmen von den Computer-Chips über das Betriebssystem bis hin zur App alles selbst entwickelt, greifen die Zahnräder nahtlos ineinander:
- Die Chip-Eigenentwicklungen der Kalifornier (Apple Silicon) verfügen über spezialisierte «Neural Engines», die darauf optimiert sind, generative KI-Modelle lokal und mit minimalem Stromverbrauch auszuführen.
- Zugriff auf persönlichen Kontext: Auf dem iPhone oder Mac selbst wird (nach Zustimmung der User) automatisch ein «Semantic Index» erstellt. Man kann ihn sich als ein Inhaltsverzeichnis des digitalen Lebens vorstellen. Die Apple-KI ist mit E-Mails, Nachrichten, Kalendereinträgen oder Fotos verknüpft und hat Zugriff auf alles Wichtige. Die sensiblen Informationen verlassen das Gerät aber nicht.
- Da Apple die Programmier-Schnittstellen (APIs) für Entwickler kontrolliert, ist die Integration in Drittanbieter-Apps nahtloser als bei anderen KI-Assistenten.
Für komplexere Aufgaben hat Apple mit «Private Cloud Compute» eine digitale Infrastruktur geschaffen, bei der die Daten zwar in der Cloud (also in Rechenzentren) verarbeitet, aber sofort wieder gelöscht werden – ein Sicherheitsstandard, der von unabhängigen Fachleuten überprüft werden kann.
Quellen
- Nachrichtenagenturen SDA/DPA
(dsc)
