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Die Moderatoren von «Fox & Friends» befragen den Präsidenten am Telefon. bild: sreenshot youtube.

Trump schiesst sich selbst ab – ausgerechnet bei «Fox & Friends»

In einem stürmischen Interview faselt der Präsident wirres Zeug – und zerstört seine Verteidigungsstrategie im Cohen-Fall.



MSNBC und Fox News sind Todfeinde im amerikanischen TV-Business. Doch am vergangenen Donnerstag hat Lawrence O’Donell, Moderator der MSNBC-Sendung «The Last Word», seinen Zuschauern eindrücklich empfohlen, das Interview anzuschauen, das Donald Trump den Gastgebern von «Fox & Friends» gewährt hat – und zwar in seiner gesamten Länge von qualvollen 31 Minuten.

So sieht man aus, wenn man Trump 31 Minuten lang zuhören muss

Video: watson

«Fox & Friends» ist das Sprachrohr Trumps. Die drei Moderatoren Steve Doocy, Ainsley Earhardt und Brian Kilmade schrecken vor keiner Peinlichkeit zurück, um dem Präsidenten zu schmeicheln. Am Donnerstag war das wirre Geschwätz des Präsidenten selbst den Fox-Schosshunden zu viel. Mit den Worten: «Herr Präsident, Sie haben sicher noch eine Million Dinge zu tun» warfen sie ihn förmlich aus der Sendung. Was war geschehen?

Selbst für Trumpsche Verhältnisse war das Interview chaotisch. Der Präsident beantwortete keine Frage, sondern prahlte einmal mehr mit seinem Wahlsieg, zog einmal mehr über Hillary Clinton her, verdammte das FBI, wollte nichts von Zusammenarbeit mit den Russen wissen und erwähnte, dass er seiner Gattin zum Geburtstag eine «sehr schöne Karte» geschenkt habe.

epa06664206 Attorney Michael Cohen, US President Donald J. Trump's long-time personal attorney, walks from his hotel to his apartment in New York, New York, USA, 12 April 2018. Cohen's hotel room, apartment and office were raided earlier this week by federal authorities reportedly as part of an investigation into possible bank fraud, wire fraud and campaign finance violations.  EPA/JUSTIN LANE

Hat mächtig Stress: Michael Cohen, Trumps langjähriger Anwalt. Bild: EPA/EPA

All dies wäre halb so schlimm gewesen, hätte Trump nicht einen für ihn möglicherweise fatalen Fehler begannen. Es geht um Folgendes: Das FBI hat die Büros und Wohnung seines persönlichen Anwalts und Mann fürs Grobe, Michael Cohen, durchsucht und dabei eine Menge Dokumente und technische Geräte wie Handys und Laptops beschlagnahmt.

Cohen bewegt sich seit rund zwölf Jahren im engsten Kreis von Trump. Er weiss über seine Geschäfte Bescheid, vor allem über die dreckigen. Als Fixer hat er auch das Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels bezahlt. Das war auch der Anlass für die Hausdurchsuchung.

Trump und seine Anwälte setzten alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass die beschlagnahmten Dokumente und technischen Geräte ausgewertet werden können. Dabei beriefen sie sich auf das Anwaltsgeheimnis, das in den USA als sakrosankt gilt.

Michael Avenatti, Stormy Daniels' attorney, leaves federal court in New York after a hearing for Michael Cohen, President Donald Trump's personal attorney, Thursday, April 26, 2018. (AP Photo/Mary Altaffer)

Kann sein Glück kaum fassen: Michael Avenatti, Anwalt von Stormy Daniels. Bild: AP/AP

Im Interview hat Trump nun diese Strategie gegen die Wand gefahren. Cohen sei eigentlich gar kein Anwalt, er sei mehr ein Businessman, führte Trump aus und ergänzte: « Ich habe nichts mit seinen Geschäften zu tun. Ich kann Ihnen höchstens sagen, er ist ein guter Typ.»

Michael Avenatti, der sehr clevere Anwalt von Stormy Daniels, konnte sein Glück kaum fassen. «Das ist ein wahres Geschenk des Himmels. Ich weiss gar nicht, wie ich das verdient habe», erklärte er in mehreren TV-Shows. Tatsächlich hat Trump in diesem Interview nicht nur seine Anwaltsgeheimnis-Strategie zerstört, er hat auch erstmals zugegeben, dass Cohen ihn im Fall Daniels vertritt. Bisher hat er stets bestritten, dass er je Sex mit dem Pornostar gehabt habe.

Michael Cohen könnte sich als Trumps Archillesferse erweisen. Gemäss «Wall Street Journal» schwört er ihm zwar nach wie vor Nibelungentreue – «Boss, ich vermisse dich so. Ich wünschte, ich wäre bei dir in Washington», soll er ihm in einem Telefongespräch gesagt haben –, doch die Zweifel an seiner Standhaftigkeit wachsen.

Der Elefant im Porzellanladen

Das hängt auch mit Trumps Persönlichkeit zusammen. Tony Schwartz, der Ghostwriter seines Bestseller «The Art of the Deal», erklärt in der «New York Times»: «Menschen sind keine Menschen für ihn, sie sind Instrumente seines Egos. Das Schicksal eines jeden, der sich mit Trump einlässt, besteht darin, dass er letztlich weggeworfen wird.»

Offensichtlich hat auch Cohen Angst, bald weggeworfen zu werden. Trump distanziert sich immer mehr von ihm und mindert seine Bedeutung. Der Fixer ist auch frustriert. Angeblich wollte er mit Trump ins Weisse Haus ziehen, als Stabschef beispielsweise, hatte jedoch nie eine Chance. Im privaten Kreis soll Trump Cohen als «Elefant im Porzellanladen» bezeichnet haben. Elefanten sind dünnhäutig. Das könnte Trumps Verhängnis werden.

Trump und Macron zelebrieren ihre neue Freundschaft

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Trump und Macron zelebrieren ihre neue Freundschaft
quelle: epa/epa / jim lo scalzo
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