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Währungs-Crash: Eurokurs erstmals seit 20 Jahren auf einen Dollar gefallen

Währungs-Crash: Eurokurs erstmals seit 20 Jahren auf einen Dollar gefallen

12.07.2022, 11:5812.07.2022, 14:00
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Erstmals seit etwa zwei Jahrzehnten kostet nun auch der Euro genau einen US-Dollar. Gegenüber dem Franken notiert der Euro bereits seit einiger Zeit um die Parität. Darunter versteht man ein Tauschverhältnis von eins zu eins.

Euro und Dollar haben am Dienstag erstmals seit dem Jahr 2002 die Parität erreicht. Kurzzeitig ist der Euro gar noch minimal unter die Marke von einem Dollar bis auf 0,9999 gefallen. Dies ist aber nicht der tiefste Stand in der Geschichte des Euro. Dieser wurde nämlich nach seiner Einführung als Buchgeld im Jahr 1999 im Oktober 2000 bei 0,82685 Dollar verbucht.

Euro seit längerem unter Druck

Der Euro steht an den Finanzmärkten seit längerem unter Druck. Seit Jahresbeginn ist er nun um rund 13 US-Cent gefallen. Als Gründe nennen Ökonomen zum einen die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, die Europa besonders treffen. Als problematisch gilt vor allem die hohe Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen und die Neigung Russlands, Energie als Druckmittel einzusetzen. Ein Gaslieferstopp könnte eine schwere Rezession auslösen, warnen Ökonomen.

Ein zweiter Grund für den schwachen Euro ist das eher zurückhaltende Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die hohe Inflation. Im Gegensatz zu vielen anderen Notenbanken hat die EZB ihre Leitzinsen noch nicht angehoben, sondern sich nur zu einer Ankündigung durchgerungen. Am 21. Juli sollen die Zinsen im Euroraum erstmals seit etwa elf Jahren steigen. Dabei wird aber nur eine leichte Anhebung um 0,25 Prozentpunkte angepeilt. Andere Zentralbanken gehen viel entschiedener gegen die Inflation vor.

Warum dich die Inflation betrifft & was der Leitzins damit zu tun hat – kurz erklärt

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US-Notenbank hebt Leitzinsen an

So hat die US-Notenbank im Kampf gegen die hohe Teuerung die Leitzinsen zuletzt um 0,75 Prozentpunkte angehoben und dürfte diese am 27. Juli um weitere 50 bis 75 Basispunkte erhöhen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Zinsen gar - nicht nur unerwartet, sondern gleich auch unerwartet stark - um 50 Basispunkte erhöht.

Zugleich signalisierte die SNB klar, dass sie einen festeren Franken nicht nur akzeptiert. Sie stellte gar Interventionen zugunsten des Frankens in Aussicht, sollte dieser gegenüber dem Euro zu schwach werden. Damit hatte sie die Märkte auf dem falschen Fuss erwischt. Denn darauf setzte der Euro seinen Sinkflug zum Franken verstärkt fort und tauchte erstmals seit Januar 2015, als die SNB den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben hatte, unter die Parität. Am heutigen Dienstag markierte sie mit 0,98355 gar den tiefsten Kurs seit Aufhebung des Mindestkurses.

Starker Franken nicht nur gut

Die Stärke des Frankens kommt der hiesigen Wirtschaft im aktuellen Umfeld mit hohen Inflationsraten gelegen, hilft dies doch die Preissteigerungen bei Importen zu dämpfen. Denn je höher der Wechselkurs des Franken ist, desto schwächer werden im Verhältnis andere Währungen wie eben der Euro. Konsumenten müssen bei einem steigenden Franken somit weniger tief in die Tasche greifen, um ihre Lebenshaltungskosten zu stemmen.

Auch die Ferien in vielen Ländern mit dem Euro als Währung dürften mit fallendem Euro tendenziell günstiger werden. Und natürlich wird der Inflationskampf der SNB weniger heftig.

Als Exportnation ächzt die Schweizer Wirtschaft dagegen auch unter dem starken Franken. Denn dadurch werden hiesige Waren für andere Länder teurer. Dies könnte die Wirtschaft schwächen. Zudem werden Ferien für ausländische Gäste in den Schweizer Alpen weniger erschwinglich.

(awp/sda/international)

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