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epaselect epa04780647 FIFA president Joseph S. Blatter (C) leaves after speaking at a press conference at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland, 02 June 2015. FIFA president Joseph Blatter intends to resign, calls an extraordinary congress to elect his successor, he announced at the news conference.  EPA/ENNIO LEANZA

Blatters Abgang wird von vielen begrüsst – doch der Imageschaden bleibt, auch für die Schweiz. Bild: EPA/KEYSTONE

FIFA droht Milliardenbusse: «Falls die USA die FIFA anklagen, wäre nicht klar, wie die Organisation das überleben würde»

Droht der FIFA ein ähnliches Debakel wie den Schweizer Banken? Einiges deutet darauf hin, dass es für die FIFA noch schlimmer kommen könnte. 

Beat Schmid / Schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Soweit bekannt, ermittelt das amerikanische Justizministerium im Korruptionsskandal bis jetzt nur gegen einzelne hochrangige FIFA-Funktionäre sowie Vertreter von Sportvermarktern. Doch gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Department of Justice (DoJ) auch die FIFA als Organisation ins Fadenkreuz nimmt.

Gemäss eines Gewährsmannes, der mit den Vorgängen innerhalb des Weltfussballverbands bestens vertraut ist, herrscht deshalb grosse Verunsicherung auf dem Adlisberg in Zürich, dem Sitz der Organisation. Es geht um viel Geld: Die FIFA hat über die Jahre ein Eigenkapitalpolster von über 2 Milliarden Franken angespart. «Auf diese prall gefüllte Kasse hat es das DoJ abgesehen», sagt der Gewährsmann. «Ich rechne mit einer Busse im Umfang von 1,5 Milliarden Franken.» Die Amerikaner seien auf das Geld aus, das habe man schon bei den Schweizer Banken gesehen.

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Die Angst der FIFA vor dem Knüppel der Amerikaner ist begründet. Jeffrey Neiman war selbst während Jahren Bundesstaatsanwalt in der USA und führt heute eine Anwaltskanzel in Florida. Er sagt: «Falls sich die Vorwürfe des DoJ und anderen Strafermittlungsbehörden bewahrheiten und zweifelsfrei erwiesen wird, dass Korruption bis in die obersten Chargen hinein praktiziert oder geduldet wurde, wird die FIFA in den USA angeklagt werden.»

Viel Geld, um Klagen abzuwenden

Eine Anklage verhindern könnte die FIFA nur, wenn sie zwei Dinge mache: «Vollumfänglich mit den Strafermittlungsbehörden kooperieren und eine Busse bezahlen.» Damit würde es der FIFA nicht anders ergehen als allen anderen multinationalen Unternehmen, die «tagtäglich riesige Summen bezahlen, um eine Klage abwenden zu können», sagt Anwalt Neiman.

WM-Neuvergabe von 2018 und 2022?

Die «SonntagsZeitung» berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, dass die Fussball-WM 2018 an Russland sowie Katar womöglich neu vergeben werden müssen. «Sollten Beweise dafür vorliegen, dass die Vergabe nach Katar und Russland nur dank gekaufter Stimmen zustande kam, dann könnte die Vergabe nichtig sein», sagt Domenico Scala, der Präsident der Compliance-Kommission der FIFA. Noch gebe es allerdings keine Beweise, so Scala. (kub)

Ins gleiche Horn bläst William Sharp, amerikanischer Anwalt mit Büros in Zürich und den USA. Eine Klage durch die Amerikaner sei «sehr wahrscheinlich», sagt er. Insbesondere dann, wenn es den Verantwortlichen nicht gelingt aufzuzeigen, dass die FIFA nicht primär dem Vereinszweck gedient habe, sich also der Förderung des Fussballs in der Welt gewidmet habe, sondern vor allem zur persönlichen Bereicherung korrupter Funktionäre. Schlechte Karten habe die FIFA laut Sharp, falls die Amerikaner belegen könnten, dass die Schmiergeldzahlungen tatsächlich systematisch erfolgten und die höchsten Organe davon wussten. Laut amerikanischem Recht reiche lediglich die Mitwisserschaft dieser Machenschaften, um in die juristische Mühle zu geraten.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

Auch die Schweiz selbst müsse aufpassen, damit sie nicht noch tiefer in den Strudel hineingerät. Der Imageschaden sei beträchtlich. Sollten die Politik und die Ermittlungsbehörden nicht genügend Druck ausüben, muss sich die Schweiz den Vorwurf gefallen lassen, einer mutmasslich kriminellen Organisation Schutz zu bieten.

Kein Überleben?

Sharp zieht einen brisanten Vergleich mit den Schweizer Banken. Obwohl das DoJ und die Steuerbehörde IRS nicht nachweisen konnten, dass die Mitglieder der Geschäftsleitung von den Steuerhinterziehungs-Exzessen gewusst hätten, mussten die Banken Hunderte von Millionen Franken Busse bezahlen. Im Fall der Bank Wegelin wussten die beiden Geschäftsführer Konrad Hummler und Otto Bruderer nicht nur von der Praxis, sie gaben zu, aktiv Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Die Bank wurde in den USA angeklagt und musste darauf ihre Geschäftstätigkeit einstellen. Nur durch einen Notverkauf nichtverseuchter Vermögenswerte an Raiffeisen konnte ein grosser Teil der Bank gerettet werden.

«Falls die USA die FIFA anklagen, wäre nicht klar, wie die Organisation das überleben würde», sagt Anwalt Neiman. US-Sponsoren müssten sich wohl zurückziehen, und Dollartransaktionen wären nicht mehr möglich. Zumindest der Wegfall der Sponsoren wäre laut Neiman verkraftbar: «Wäre es wirklich so ein grosser Verlust, wenn der McDonald’s-Schriftzug nicht mehr alle drei Minuten auf den Fernsehschirmen aufblinken würde?» Eine FIFA-Pressesprecherin sagt, dass die FIFA vollumfänglich mit den US-Behörden kooperieren würde. Zu einem allfälligen Verfahren und einer Busse äusserte sich die Sprecherin nicht. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tschungel Buch 07.06.2015 12:28
    Highlight Highlight Dies nennt sich dann "Offene Korruption"!
    Wenn es den Amis um Gerechtigkeit gehen würde, würden sie diese Verfahren ihren gerechten Ende zuführen und sich nicht für deren Einstellung bezahlen lassen.
    Ansonsten - "Offene Korruption" ermittelt gegen "verdeckte Korruption"!
  • Tatwort 07.06.2015 12:00
    Highlight Highlight Im Vorfeld der WM-Vergabe haben US-Hedgefonds mit gütiger Hilfe der US-Behörden alles versucht, um die Vergabe in die USA zu garantieren. Immerhin ging es damals um Beträge von rund 4 Milliarden US-Dollars.
    Der Plan ging nicht auf - auch deshalb nicht, weil die Amerikaner sich in Zürich anstellten wie die Elefanten in der Porzellan-Manufaktur.
    Nun kommt die Retourkutsche. Denn die US-Bankwirtschaft muss von Obama und seinen Konsorten geschützt werden. Denn genau diese Wirtschaft wird ihnen nach dem Amtsende die Brötchen zahlen.
  • flyingdutch18 07.06.2015 11:07
    Highlight Highlight Der Vergleich mit den Schweizer Banken hinkt. Die FIFA hat ihren Sitz in der Schweiz und abgesehen von den - wichtigen - amerikanischen Sponsoren keine Interessen in den USA. Andere Sponsoren würden noch so gerne in die Bresche springen. Die Schweizer Behörden sollten ihre Zuständigkeit wahrnehmen und aufhören, Erfüllungsgehilfe der USA zu sein. Dann würde eine allfällige Busse auch hier vereinnahmt werden.
  • Kronrod 07.06.2015 09:32
    Highlight Highlight Bekannte amerikanische Einschüchterungstaktik. Ist leider gegen die Schweiz auch schon aufgegangen.
  • smarties 07.06.2015 08:59
    Highlight Highlight Woher nimmt sich die US-Justiz das Recht die FIFA anzuklagen? Kann das jeder oder nach welchen Mechanismen ist das möglich?
    Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, fliesst das Geld in die US-Kasse. Einfach weil sie geklagt haben? Ich meine, ausser dass Obama seine WM nicht gekriegt hat, sind sie wohl kaum geschädigte...
    • smoe 07.06.2015 10:25
      Highlight Highlight Nun, die Fifa-Konfederation CONCACAF hat ihren Hauptsitz in Miami. Die bisher Verhafteten stehen allen in Verbindung mit dieser und hunderten Millionen Dollar Bestechungsgelder, die im Zusammenhang mit Videospiel-Vermarktungsrechten in den beiden Amerikas und des Copa America, welcher 2016 in der USA stattfindet, geflossen sein sollen. Diesbezüglich hat die US-Justiz gutes Recht aktiv zu werden. Welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssen, um direkt gegen die Mutter Organisation FIFA klagen zu können weiss ich auch nicht. Aber ich fände es absurd, wenn man es prinzipiell nicht könnte.
    • Ikarus 07.06.2015 12:16
      Highlight Highlight Ja bei den concacaf fällen kann die US justiz verdienen aber wieso bei der fifa? Sorry aber seh ebenfalls nicht ein wieso amerika dieses geld kassieren sollte, wenns jemand verdient hat dann die betrogenen verbände, oder habt ihr den bericht
      von heinz barmettler schon vergessen wie sie zu spielen reisen mussten?und überhaupt wieso soll die fifa zahlen wenn sie selbst nichts daran verdiente?
    • Angelo C. 07.06.2015 12:49
      Highlight Highlight Eine ganz miese, geld- und machtgierige Abzockernation auf moralisch tiefstem Niveau, diese unsäglichen USA! Profilierungssüchtige Staatsanwälte und geldgeile Anwälte runden das Bild anschaulich ab. Die ganze Welt steht da immer stramm und nickt brav und ergeben ab, was dort sowohl aus monetären wie machtpolitischen Gründen angerissen und vorgegeben wird. Man darf aber davon ausgehen, dass wenn man dort zugunsten der USA auch noch versuchen wird Russland seine WM streitig zu machen, dass dann ENDLICH mal was geschehen wird. Putin ist nicht die Sorte von ohnmächtigen Würstchen, das man bei wahren Interessentangierungen Russland en passant durch den Fleischwolf dreht. Sowas würde unabsehbare Risiken beinhalten, davon darf man problemlos ausgehen...
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