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Palästina und Co.: Detailhandel will Importe aus Konfliktregionen besser deklarieren



Viele Grossverteiler führen Produkte aus dem Konfliktgebiet Westsahara. Hilfsorganisatoren kritisieren solche Geschäfte seit langem – mit Erfolg: Coop stoppt ab 2017 den Import aus dem afrikanischen Kriegsgebiet. Auch die Migros ergreift Massnahmen.

ARCHIV - Eine Coop Filliale, aufgenommen am Mittwoch, 16. November 2011, in Zuerich. Die Coop-Gruppe hat sich 2014 erfreulich entwickelt und den Nettoerloes um 1.4% auf fast CHF 28.2 Milliarden gesteigert. Der Jahresgewinn betraegt 470 Millionen. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Vorbildlich: Coop will keine Tomaten mehr aus der Westsahara importieren, für deren Anbau kostbares Wasser verloren geht.
Bild: KEYSTONE

Recherchen der SRF-Sendung «Kassensturz» und der Hilfsorganisation terre des hommes schweiz zeigen: Viele Schweizer Detailhändler verschleiern die Herkunft von Produkten aus dem Konfliktgebiet Westsahara. Beispielsweise Tomaten aus dem von Marokko besetzten Gebiet würden oft unzulässigerweise mit «Marokko» angeschrieben.

Entwicklungsorganisationen kritisieren dies als «fragwürdiges Geschäft auf dem Buckel der darbenden Bevölkerung». Die drei Grossverteiler Migros, Coop und Denner handeln nun – aufgrund verschiedener Hinweise und aus Eigenantrieb, wie sie sagen. Die Entwicklungsorganisationen freut das.

Keine Importe aus Westsahara mehr

Den konsequentesten Weg geht Coop. Der Detailhändler importiert ab nächstem Jahr keine Cherry-Rispentomaten mehr aus Westsahara. Sprecher Ramon Gander bestätigte am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda entsprechende Informationen von terre des hommes schweiz.

Sich aus dem politisch und ökologisch umstrittenen Anbaugebiet zurückzuziehen, sei bereits im vergangenen Herbst ins Auge gefasst worden. «Nun ist der Entscheid gefallen.» Der Importstopp hänge vor allem mit den überarbeiteten Coop-Richtlinien zur nachhaltigen Beschaffung zusammen. «Der Tomatenproduzent zapft fossile Grundwasservorkommen an», sagte Gander. Das sind nicht erneuerbare Wasserreserven in einem sehr trockenen Gebiet.

Ab kommendem Jahr kompensiere Coop den Importausfall aus Westsahara mit vermehrten Importen aus Spanien und dem Norden Marokkos sowie aus Agadir.

Als «Westsahara» deklarieren

Andere Schweizer Detailhändler folgen diesem Beispiel vorerst nicht. «Wir haben die Situation geprüft», sagte Migros-Sprecherin Martina Bosshard der sda. Das Ergebnis: «Wir machen keinen Boykott.» Die Migros werde saisonal auch künftig Melonen aus der Westsahara beziehen.

Doch auch die Migros nimmt die Kritik ernst und prüft laufend, ob mit Herkunft «Marokko» bezogene Waren nicht in Wirklichkeit aus der Westsahara stammen. Sei dies der Fall, würden diese Produkte umgehend richtig deklariert, sagte Bosshard. Dann sei es an den Kunden zu entscheiden, ob sie dieses Produkt kaufen wollen oder nicht.

Ein Schritt in diese Richtung will auch Denner machen. «Wir prüfen mit den Lieferanten, ob wir uns in Zukunft an die Praxis der Migros halten wollen», sagte Sprecher Thomas Kaderli auf Anfrage. Denner verkauft heute Melonen und Rispentomaten aus der Westsahara – nach eigenen Angaben während saisonal kurzen Phasen.

Weil die Westsahara kein anerkanntes Staatsgebiet ist, gibt es laut Kaderli derzeit keine Möglichkeiten, die Deklaration zu ändern.

Einigkeit bei Deklaration von palästinensischen Gebieten

Geeinter treten die drei Grossverteiler bei der Deklaration für Produkte aus den von Israel besetzten Palästinensergebieten auf. Dabei geht es vor allem und teilweise ausschliesslich um Küchenkräuter.

Früher stammten solche Produkte gemäss Herkunftsangabe schlicht aus «Israel». Tatsächlich kommen einzelne Artikel jedoch aus palästinensischen Gebieten, die von Israel besiedelt sind, etwa aus der Westbank oder Ostjerusalem. Die betreffenden Siedlungen werden von der UNO und vom Bundesrat als völkerrechtswidrig beurteilt.

Seit ein paar Jahren werden Produkte aus besetzten Gebieten mit «Westbank, israelisches Siedlungsgebiet» oder «Ostjerusalem, israelisches Siedlungsgebiet» gekennzeichnet. Auch hier hatten Hinweise von Hilfsorganisationen dazu geführt, dass Grossverteiler genauer hinschauten.

(sda)

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