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Mit dem Tupperware an die Fleischtheke – was bringt das wirklich?

Die deutsche Supermarkt-Kette Edeka pröbelt an Mehrwegverpackungen für Fleisch und Käse. Noch ziehen Schweizer Detaillisten nicht nach. Doch in vielen Supermärkten gilt: Du darfst dein eigenes Gefäss mitbringen.
03.08.2018, 06:5503.08.2018, 17:07

Eine Zahl, die einfährt. Ein Europäer verursacht durchschnittlich 163 Kilogramm Verpackungsmüll. Im Jahr, notabene.

Im Kampf gegen die Müllmassen nimmt die deutsche Supermarktkette Edeka jetzt ihre Fleisch- und Käsetheke ins Visier. In einer Pilot-Filiale werden die offenen Lebensmittel ab sofort nicht mehr selbstverständlich vom Personal in Papier oder Plastik eingepackt, sondern auf Wunsch des Kunden in eine Mehrwegbox. Diese hat der Detailhändler mit Kooperationspartner WWF entwickelt und kann ab 3,99 Euro erworben werden.

Die neue Mehrwegbox

Bild: edeka

Der Clou: Beim nächsten Einkauf kann der Kunde die gebrauchte Dose im Laden zurückgeben und bekommt kostenlos eine saubere. Die Reinigung der Mehrwegboxen übernimmt also der Detailhändler selber. 

«Das neue System ist einfach, praktisch und hilft dabei, Einwegverpackungen aus Plastik oder Papier zu vermeiden», wird Edeka-Sprecher Rolf Lange in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Und Kooperationspartner WWF Deutschland ergänzt: Man wolle damit den Kunden die Möglichkeit geben, selbst einen Beitrag zur Reduzierung des Verpackungsmaterials zu leisten.

Falls das Angebot bei den Kunden ankommt, wird in Zukunft auch bei anderen Edeka-Filialen Fleisch und Käse in Mehrwegboxen abgepackt. Zudem hätten bereits andere Kaufleute Interesse am System bekundet, teilt Edeka mit.

In die Schweiz

Auf Anfrage von watson spricht zwar kein Schweizer Detaillist davon, demnächst auf das System zu setzen. Doch man zeigt sich interessiert. Man sei gespannt auf die Erkenntnisse, teilt Manor mit. Und Migros-Sprecherin Alexandra Kunz sagt: «Wir prüfen laufend, wie und wo wir Mehrweglösungen vorantreiben können.» Die Genossenschaft setzt bereits auf Mehrwegschalen in ihren Restaurants und Take-aways.

Der grosse Plastik-Selbsttest der watsons

Video: watson/Lya Saxer

«Eine gute Sache», attestiert Fredy Dinkel solche Mehrweg-Systeme. Dinkel arbeitet bei der Basler Umwelt-Beratungsfirma Carbotech. Der Wissenschafter geht davon aus, dass die Ökobilanz von solchen Mehrwegverpackungen ab der 25. Nutzung besser abschneidet als Einwegverpackungen. Unter einem Vorbehalt: «Das trifft nur zu, wenn durch die Mehrwegverpackung nicht mehr Food Waste entsteht», so Dinkel. Denn die Verpackung mache in den meisten Fällen lediglich ein bis zehn Prozent der Umweltbelastung aus.

Auf diesen Punkt verweist auf Anfrage auch WWF Schweiz. Man begrüsse das deutsche Projekt, doch die grossen Umweltprobleme würden dadurch nicht gelöst. Zudem hofft die Umweltorganisation, dass sich die Branche bei einer breiten Einführung auf eine Einheitsbox einigen kann. «Nur so kann umgangen werden, dass Konsumenten zuhause ein Sammelsurium von Mehrweg-Dosen lagern müssen, weil sie je nach Anbieter ein anderes System benötigen», so Sprecherin Corina Gyssler.

Noch ist es ein weiter Weg bis dahin. Das heisst aber nicht, dass Schweizer Kunden nicht jetzt schon auf Mehrwegverpackungen setzen können. Denn: Einige Detailhändler erlauben explizit, dass ihre offenen Lebensmittel in selber mitgebrachte Gefässe abgepackt werden können. Dazu gehören einige Manor-Food-Filialen und sämtliche Coop-Supermärkte.

Kannst du dir vorstellen, mit deinem eigenen Tupperware im Supermarkt einzukaufen?

Coop-Sprecherin Andrea Bergmann: «Unsere Kundinnen und Kunden können eigene Behälter mitbringen, um diese an den bedienten Theken mit den Esswaren ihrer Wahl füllen zu lassen, also auch an der Fleisch- oder Käsetheke.» Die Behälter müssen aber sauber und bruchfest sein.

Zurückhaltender zeigt sich der grosse Konkurrent. «Der Migros-Genossenschafts-Bund rät davon ab, Fleischstücke in mitgebrachte Tupperware abzufüllen, da die Lebensmittelsicherheit nicht zu 100% gewährleistet werden kann», teilt Migros-Sprecherin Alexandra Kunz mit. Die jeweiligen Genossenschaften könnten aber selbständig entscheiden, ob sie dies auf aktives Nachfragen der Konsumenten anbieten wollen.

Wiederverwendbares Gemüse- und Früchtesäckli
Im vergangenen Jahr haben sowohl die Migros (April 2017) wie die Coop (November 2017) ein wiederverwendbares Gemüse- und Fruchtsäckli lanciert. Gemäss eigenen Angaben hat die Migros in der Zwischenzeit 900'000 sogenannte Veggie-Bags verkauft, der Multi-Bag der Coop ging knapp 400'000 über den Ladentisch.

Der gewollte Effekt ist bei Coop offenbar eingetreten. «Wir stellen fest, dass der Verbrauch der Raschelsäckli zurückgegangen ist», berichtet Sprecherin Bergmann. Eine definitive Auswertung folge aber erst nach einem Jahr.

Bald könnte auch Manor Food auf den Trend aufsteigen. Beim Detailhändler läuft derzeit ein entsprechendes Pilotprojekt. (fvo)

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