Wirtschaft
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Nigel Farage (L), Britain's UK Independence Party (UKIP) leader takes part in a plenary session at the European Parliament on the outcome of the

Das hässliche Gesicht des Brexit: Ukip-Chef Nigel Farage. 
Bild: YVES HERMAN/REUTERS

Brexit: Begehen die Briten Selbstmord aus Angst vor dem Tod?

Wirtschaftliches Chaos und eine politisch geschwächte EU: Wenn die Briten am 23. Juni Ja zum Brexit sagen, verlieren alle – ausser Wladimir Putin.



In der vergangenen Woche ist den Finanzmärkten ein Licht aufgegangen: Als die jüngsten Meinungsumfragen zeigten, dass ein Ja zum Austritt von Grossbritannien durchaus möglich geworden ist, sackte das Pfund auf einen neuen Tiefpunkt ab.

Die Briten haben keine bilateralen Verträge

Die wirtschaftlichen Folgen eines Brexit, wie der Austritt genannt wird, wären in der Tat gravierend: Wie für die Schweiz ist auch für das Vereinigte Königreich die EU der weitaus wichtigste Handelspartner. Bei einem Ja wäre dieser Austausch gefährdet.

Die Briten müssten somit ihre Version von bilateralen Verträgen aushandeln, und sie hätten dabei schlechte Karten. Wie bei der Schweiz würde die EU auf einem freien Personenverkehr beharren und sehr zurückhaltend sein bei Dienstleistungen. Gerade darauf ist jedoch der Finanzplatz London in hohem Mass angewiesen.

«Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, ist das ein enormer Anreiz für andere, das Gleiche zu tun.»

Geert Wilders, holländischer Oppositionspolitiker

Nicht nur die Briten setzen ihren Wohlstand aufs Spiel. Ein Brexit wäre auch ein schwerer Schock für die Weltwirtschaft und könnte Anlass für eine globale Rezession sein. Bereits jetzt stagnieren Handel und Wirtschaft rund um den Globus. Das Treffen der G20-Finanzminister ist ohne handfeste Ergebnisse verlaufen, die Stimmung an den Märkten gedrückt.  

Noch fataler wären die politischen Folgen eines Brexit: Ein Austritt von Schottland aus dem Vereinigten Königreich würde erneut aktuell, denn anders als die Engländer fühlen sich die Schotten wohl in der EU. Auch die Nordiren wären sehr unglücklich, wenn sie den Zugang zum Euroraum verlieren würden, zumal Irland dank der EU aufgeblüht ist.  

Machen es die Dänen den Briten nach?

Ein Brexit könnte auf dem Kontinent eine Kettenreaktion auslösen. Die Dänen beispielsweise fühlen sich den Engländern kulturell stark verbunden und könnten ihrerseits ebenfalls mit einem Austritt aus der EU liebäugeln. Das wiederum könnte Auswirkungen auf die übrigen Skandinavier haben.

epa05144879 Danish Prime Minister Lars Lokke Rasmussen (R) and his British counterpart David Cameron (L) adresses the media at a press conference at the Prime Minister's Office in Copenhagen, Denmark February 5, 2016  EPA/Mathias Loevgreen Bojesen DENMARK OUT

Premierminister unter sich: David Cameron (links) und Lars Rasmussen.
Bild: EPA/Scanpix Denmark

«Der Brexit könnte ein sehr attraktives Modell für einige europäische Politiker sein, um einige sehr egoistische Ziele zu verfolgen.»

Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rats

Die Staaten des ehemaligen Ostblocks hingegen werden sich kaum von Brüssel lossagen. Gordon Bajnai, einst Premierminister einer linksliberalen ungarischen Regierung, nennt den Grund: «Der Verlust der EU-Fonds wäre für Ungarn und andere Oststaaten eine Katastrophe.» In den reichen EU-Ländern hingegen würde ein Brexit den Populisten willkommenen Auftrieb verschaffen. In Holland sieht Geert Wilders, Chef der EU-feindlichen Freiheitspartei, eine Götterdämmerung aufziehen: «Das Ende der EU hat bereits begonnen», erklärte er kürzlich. «Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, ist das ein enormer Anreiz für andere, das Gleiche zu tun.»

Ein Blick in die Kindheit von Wladimir Putin

And the winner is: Wladimir Putin

Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rats, teilt diese Befürchtung. Das britische Referendum könnte «ein sehr attraktives Modell für einige europäische Politiker sein, um einige sehr egoistische Ziele zu verfolgen», warnte er kürzlich.

Ein Auseinanderbrechen der EU ist selbst bei einem Brexit wenig wahrscheinlich. Euro- und Flüchtlingskrise haben sie jedoch schon arg geschwächt. Zeigen die Briten Brüssel ebenfalls die kalte Schulter, dann wird der geopolitische Einfluss von Europa noch weiter schwinden. Freude daran hätte Waldimir Putin. Er könnte seine geplante Rolle als Fürst Metternich eines neuen reaktionären Europas weiter ausbauen.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Evan 01.03.2016 21:58
    Highlight Highlight Ich hoffe auf einen Brexit. Würde die europäische Politik ein wenig spannender machen. ;)
  • meliert 01.03.2016 03:22
    Highlight Highlight Falls GB aus der EU austritt passiert überhaupt nichts. Brüssel ist unfähig und ist nur eine Drohgestalt. Der Handel läuft so oder so, die EU kann nicht 60 Mio. Konsumenten äh Menschen ignorieren. Eine wirtschaftliche Vereinigung von Europs (Grundidee) war ja sicherlich eine gute Sache, wo es hinführte sicherlich nicht.
  • tooempty7 01.03.2016 00:22
    Highlight Highlight Werter Herr Löpfe

    Donald Tusk ist meines Wissen Präsident des Europäischen Rates und nicht vom Europarat, der prinzipiell nichts mit der EU zu tun hat.
    • WStern 01.03.2016 06:04
      Highlight Highlight Das ist korrekt. Der Text wurde dementsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.
    • Philipp Löpfe 01.03.2016 09:55
      Highlight Highlight Sorry. Kommt davon, wenn man meist englisch liest. ..
  • Luca Brasi 29.02.2016 22:13
    Highlight Highlight Die Briten haben eben ein etwas gespaltenes Verhältnis zum europäischen Festland. ;)
    Benutzer Bild
    • Luca Brasi 01.03.2016 21:08
      Highlight Highlight Eigentlich "Come Fly with Me", aber die gleiche Besetzung. ;)
  • wasylon 29.02.2016 21:16
    Highlight Highlight Ich bin ziemlich sicher das Putin zusammen mit den Illuminaten den Brexit eingefädelt haben.
  • Dä Brändon 29.02.2016 21:16
    Highlight Highlight "...verlieren Alle - ausser Putin." Herr Löpfe, waren Sie zufällig an der HSG?
  • koks 29.02.2016 20:36
    Highlight Highlight naja, natürlich kann man die angst vor politischen entscheidungen mit horrorszenarios schüren. klingt wie wenn mutti aus deutschland gesprochen hätte. die eu wird jedoch nicht darum herumkommen, ihre politik pragmatischer am tagesgeschäft auszurichten. die totale ideologie hat sowohl in der eu wie auch bei putin versagt. deshalb wird das leben und das wirtschaftswachstum auch mit einem brexit weitergehen. ohne grosse negative folgen.
  • irational 29.02.2016 20:20
    Highlight Highlight und wenn schon. wenn die EU als das neoliberale projekt dass es ist scheitert, werden wohl nur ein paar anhänger des gottes markt ein paar tränen darüber vergiesen. die auswirkungen einer so grossen volkswirtschaft wie sie die globalisierung geschaffen hat, ist beträchtlich. doch ist ein ausbruch aus einem käfig, auch wenn man ihn sich selbst gebaut hat immer mit risiken verbunden
  • dommen 29.02.2016 19:43
    Highlight Highlight Diese antirussische Propaganda hier wird auch immer penetranter...
  • Amboss 29.02.2016 19:43
    Highlight Highlight Sorry, Herr Löpfe, wenn man ihre Artikel liest, hat man immer folgendes Gefühl: Intressant was er schreibt, hat sicher teilweise recht, aber was ihn nicht passt, lässt er lieber weg.

    Beispiel aus dem Text gefällig: Irland sei aufgeblüht danke der EU. Ja das stimmt. Aber Irland war auch in einer mehrjährigen tiefen Wirtschaftskrise...
    • Frausowieso 29.02.2016 19:53
      Highlight Highlight Dafür hat Irland jetzt super Strassen und gaaaaanz viele Kreisel und Verkehrsschilder in rauen Mengen. Das Beispiel Irland zeigt eine Schattenseite. Zuerst boomte es und die Leute kauften Häuser. Dann brach die Wirtschaft zusammen und die Iren konnten ihre überteuerten Immobilien nicht mehr finanzieren. Verkaufen ist jedoch auch kaum möglich und solange man Immobilien besitzt, kann man keine staatliche Hilfe beziehen. Wenn ich Irland vor 7 Jahren und Irland heute vergleiche, könnte ich weinen.
    • Berggurke 29.02.2016 21:29
      Highlight Highlight Natürlich ist die EU schuld, dass Irland seit Jahren in einer Wirtschaftskrise steckt... Die Finanzkriese 2008, von skrupellosen Banken und Versicherungen in den USA ausgelöst, hat sicher nichts damit zu tun...
    • Amboss 29.02.2016 23:01
      Highlight Highlight @ Berggurke: Die Krise hat dazu geführt, dass die Zinsen teurer wurden und so viele ihre Kredite nicht mehr bezahlt werden konnten.

      Und warum hatten so viele Iren Kredite, die sie abzahlen mussten?
      Weil wegen dem Euro die Zinsen in den Keller rutschten, auf ungesundes Niveau.
      Samesame in Spanien.

      Jetzt kannst du dir überlegen wer schuld hat...
  • simiimi 29.02.2016 19:29
    Highlight Highlight Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Insofern wäre ein Brexit als Gnadenstoss für die marode EU wünschenswert, nur so ist ein Neuanfang der europäischen Zusammenarbeit möglich. Daran dass die EU sich von innen tiefgreifend reformieren kann glaube ich nämlich nicht.
    • koks 29.02.2016 20:39
      Highlight Highlight scrambler, wenn du propagierst, dass der kleine bürger allen schaden tragen muss, und die globale grossfinanz den gewinn einstreicht: nein.
  • Jol Bear 29.02.2016 19:22
    Highlight Highlight Für viele Engländer ist der Kontinent weiter weg als Neuseeland oder Kanada. Die EU: als Freihandelszone interessant, gemeinsame Währung, Überwindung nationaler Grenzen, gemeinsame Steuer-oder Finanzpolitik mit Franzosen, Italienern... - schlicht undenkbar. Man bewundert die Deutschen insgeheim, als zeitweise etwas arrogante Macht, sind sie aber erfahrungsgemäss alle paar Jahrzehnte in die Schranken zu weisen. Engländer sind es gewohnt, unter misslichen Bedingungen selber klar zu kommen. Die aktuelle Krise offenbart Schwächen der EU, vielleicht ist sie deshalb für Engländer noch erträglich.
  • Chrigi-B 29.02.2016 19:21
    Highlight Highlight Die EU: Super angedacht - Richtig 💩 umgesezt
  • NWO Schwanzus Longus 29.02.2016 19:12
    Highlight Highlight Die EU ist zu einem Regulierungsapparat verkommen die den Staaten vorschreibt was sie zu tun haben selbst wenn es gegen ihre Interessen ist. Daher verstehe ich die Briten sehr gut.
    • a-n-n-a 29.02.2016 19:46
      Highlight Highlight Dann geh man nach Italien, bei (ziemlich) jeder touristischen Sehenswürdigkeit ist ein Hinweisschild angebracht, das auf EU-Fonds hinweist. In Sardinien z.B. sind 99% der touristischen Angebote von der EU subventioniert. Da kann sich die CH noch einiges abschauen, denn touristisch sind wir echt noch ein Entwicklungsland!
  • Grundi72 29.02.2016 18:54
    Highlight Highlight Als ehemalige Kolonial- und Weltmacht ist Großbritannien es gewohnt, Leitlinien vorzugeben. Mühsam nach Kompromissen zu ringen oder nach der Pfeiffe der Deutschen zu tanzen ist nicht des Briten Sache. Und die Ostblockstaaten finanzieren macht ja auch nicht wirklich Spass.
    • FrancoL 29.02.2016 21:21
      Highlight Highlight Ich bin ja sehr selten mit Ihren Kommentaren einig, aber Ihre etwas kurze Darstellung geht in die richtige Richtung. Ich meinerseits denke die Briten überschätzen sich gehörig.
  • phreko 29.02.2016 18:52
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