Wirtschaft
Gesundheit

Coop, Migros und Co. sollen auf Werbung für Süsses für Kinder verzichten

Ein Kind, das gerade dabei ist, sich die klebrigen Schokoladenh�nde abzulecken A three year old child about to lick sticky melted chocolate from fingers. Focus on hands and mouth. Concept of forbidden ...
Schokoladen-Werbung wird teilweise gezielt auf Kinder ausgerichtet. (Symbolbild)Bild: www.imago-images.de

Chips- und Schoggiwerbung soll von Schweizer Kindern ferngehalten werden

Werbung für Chips und Schokolade soll aus dem Umfeld von Kindern verbannt werden. Der Bund plant entsprechende Massnahmen. Noch ist man sich nicht einig mit der Branche.
17.05.2026, 10:37

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ist ein verbreitetes Problem, auch in der Schweiz. Oft spielt ungesunde Ernährung eine grosse Rolle: Fettiges, Salziges, Süsses, Fast Food. Schon die Werbung zielt oft auf junge Kundschaft ab. Und Studien belegen, dass diese Werbung Kinder dazu verleitet, mehr Kalorien zu sich zu nehmen. Das will das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) nun ändern, wie die NZZ am Sonntag schreibt.

Demnach soll es im Umkreis von hundert Metern der Haupteingänge von Schulen und auch an den Schulen selbst keine Werbung für Chips, Schokolade oder Süssgetränke mehr geben. Nur in den Läden selbst soll sie noch erlaubt sein. Auch im TV und Radio soll Werbung für ungesunde Nahrungsmittel 30 Minuten vor und nach einer Kindersendung verboten sein. In Spiel-Apps oder Online-Seiten für Kinder soll sie ebenfalls tabu sein. Im Kino darf die Werbung nur gezeigt werden, wenn der Film erst ab 13 Jahren freigegeben ist.

Die Produkte selbst sollen nicht verboten werden, betont Michael Beer, stellvertretender BLV-Direktor, gegenüber der Zeitung. Man wolle vielmehr die Gesundheit der Kinder schützen, wie es die Bundesverfassung vorsehe. «Wir wollen die Eltern entlasten, indem wir dafür sorgen, dass sie und ihre Kinder nicht ständig mit Werbung bombardiert werden.»

Ein aufblasbarer goldfarbiger Osterhase wirbt vor einem Wohnblock fuer den Lindt Schokolade Goldhasen, am Ostersonntag, 31. Maerz 2024 in Ostermundigen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Werbung für Lindt-Osterhasen auf einem Dach.Bild: KEYSTONE

In der Politik ist man geteilter Meinung. Mitte-Nationalrat Nicolò Paganini betont, dass es schliesslich um erlaubte Produkte gehe und Werbung zu einer freien Wirtschaft gehöre. SP-Nationalrätin und Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, Nadine Masshardt, spricht sich hingegen klar für eine Einschränkung aus, auch wenn sie befürchtet, dass nicht alle Unternehmen mitziehen werden.

Detailhändler wollen Ausnahmen

Andere Länder verfolgen ähnliche Bestrebungen, etwa mit Werbeverboten oder Abgaben. In der Schweiz soll alles noch auf freiwilliger Selbstregulierung basieren, statt das Verbot gesetzlich zu verankern, wie es etwa bei der Tabakwerbung der Fall war. Eine Selbstregulierung ist im Interesse der Branchenvertreter, wie die NZZ weiter schreibt.

In einem ersten Entwurf stellen sie aber auch Forderungen, insbesondere die Detailhändler. So wollen sie Ausnahmen für die Wochen vor Weihnachten und Ostern. Das BLV ist dagegen: «Die Firmen zeigen sich verantwortungsbewusst, ausser dann, wenn sie am meisten Produkte bewerben wollen», sagt Beer.

Lindt Schokolade Werbung Zürich Central
Eine Lindt-Werbung in Zürich.Bild: keystone

Noch hat sich also keine Einigung ergeben. Ziel ist es, die neuen Regeln Anfang 2027 in Kraft zu setzen. Gemäss der NZZ haben sich Coop und Migros nicht auf eine Anfrage geäussert. Lidl hingegen erklärt, dass man sich für eine Lösung einsetze, die den Jugendschutz stärke, die Tradition um Weihnachten oder Ostern aber auch bewahren wolle.

Wer gegen ein selbstauferlegtes Verbot verstösst, soll jedoch keine Busse bezahlen müssen. Stattdessen sollen entsprechende Firmen aus der Vereinbarung ausgeschlossen werden und dies soll auch bekannt gemacht werden. (vro)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sah IKEA-Werbung aus, bevor sie cool sein wollte ...
1 / 15
So sah IKEA-Werbung aus, bevor sie cool sein wollte ...
IKEA Katalog 1970
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Keine Tabakwerbung mehr – zum Schutz der Minderjährigen
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
46 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
46
Ökonom zu Zuwanderung: «Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben»
Reto Föllmi erklärt, weshalb die Schweiz nicht nur den Nutzen der Zuwanderung haben kann – und in welchem Bereich ein Ja zur SVP-Initiative den Reformdruck befeuern könnte.
Kann die Schweiz ihren Wohlstand halten, wenn die Zuwanderung deutlich sinkt – etwa von 80’000 auf 40’000 Personen pro Jahr, wie es der SVP vorschwebt?
Reto Föllmi: Eine deutlich tiefere Zuwanderung wäre für die Schweiz grundsätzlich verkraftbar – allerdings nur mit Anpassungen im Geschäftsmodell vieler Unternehmen. Firmen könnten für offene Stellen nicht mehr so einfach Personal im Ausland rekrutieren und müssten stärker in die Ausbildung und Förderung des eigenen Nachwuchses investieren. Das dürfte in gewissen Branchen funktionieren, in anderen – etwa in der IT oder bei hoch spezialisierten Fachkräften – aber deutlich schwieriger sein. Und von Letzteren haben wir gerade auch steuerlich stark profitiert.
Zur Story