Wirtschaft
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epa07864111 A man walks past a Thomas Cook advertising board at Gatwick Airport in Sussex, England, Britain, 23 September 2019. More than 600,000 vacation reservations were canceled on 23 September, after Thomas Cook ceased to operate. According to media reports, the company's collapse will see Britain's largest peace time repatriation take place to get stranded customers home.  EPA/VICKIE FLORES

Ein älterer Herr geht an einem Thomas Cook Werbeplakat am Flughafen von Sussex (GB) vorbei, nachdem sein Flug gestrichen wurde. Bild: EPA

Thomas Cook – warum der zweitgrösste Reisekonzern der Welt konkurs ging

Thomas Cook, zweitgrösster Reisekonzern der Welt, ist insolvent. Gestrandete Schweizer erhalten anders als Briten keine staatliche Hilfe. Dem Tourismusunternehmen fehlten am Ende 200 Millionen Pfund. Während dem Konkurs am Steuer: ein Schweizer Konzernchef.

Leo Eiholzer / ch media



Was ist passiert?

Montagfrüh um drei Uhr war es klar: Der britische Tourismuskonzern Thomas Cook ist konkurs. Es ist eine Pleite von historischer Dimension. 178 Jahre Firmengeschichte fanden ein Ende, als letzte Gespräche mit potenziellen Investoren scheiterten. Thomas Cook war mit seinen Tochterunternehmen wie «Neckermann Reisen» bis zum Konkurs der zweitgrösste Reiseanbieter der Welt. Zur Firma gehören mehrere Airlines mit über 100 Flugzeugen; sie betreibt fast 200 Hotels rund um den Globus und veranstaltet Kreuzfahrten.

Wer ist vom Konkurs betroffen?

Am Montagmorgen wurden tausende Passagiere an Flughäfen rund um die Welt von der Pleite überrascht. 600 000 Gäste bangen nun um ihre Heimkehr. Wie viele Schweizer momentan im Ausland gestrandet sind, ist nicht bekannt. Die Schweizer Niederlassung von Thomas Cook war gestern nicht erreichbar. Mit «höchstens einigen hundert» rechnet Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. Dies, weil Thomas Cook in der Schweiz einen vergleichsweise geringen Marktanteil habe. Im deutschsprachigen Raum sind insgesamt 140 000 Kunden betroffen, die aber noch nicht alle Ihre Ferien angetreten haben.

British passengers with Thomas Cook wait in long queue at Antalya airport in Antalya, Turkey, Monday Sept. 23, 2019. Hundreds of thousands of travellers were stranded across the world Monday after British tour company Thomas Cook collapsed, immediately halting almost all its flights and hotel services and laying off all its employees. According to reports Monday morning some 21,000 Thomas Cook travellers were stranded in Turkey alone.(IHA via AP)

Gestrandete Touristen in Antalya – ihre Flüge wurden gestrichen. Bild: AP

Was geschieht mit den Betroffenen?

Grossbritannien startete die grösste Rückführungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg, Codename: «Operation Matterhorn». Mit dutzenden Charter-Flugzeugen sollen die 150 000 im Ausland gestrandeten Briten zurückgeholt werden. In Grossbritannien liegt die Verantwortung für die Rückführung gestrandeter Staatsbürger bei der Regierung. Anders in der Schweiz: Jeder Tourist muss seine Rückreise selber organisieren. Allenfalls hilft das Reisebüro. Das Schweizer Aussendepartement (EDA) sagt: «Das EDA organisiert in einem solchen Fall keine Rückführung.»

Nicht glücklich ist auch Zermatt Tourismus, und zwar über den Namen der Operation «Matterhorn». In einer Medienmitteilung machte die Organisation deutlich, dass die Destination Zermatt-Matterhorn mit dieser Aktion nicht in Verbindung stehe.

Was können betroffene Schweizer Touristen tun?

Für die Pauschaltouristen steht bei der Zurich-Versicherung in Frankfurt ein Versicherungsfonds in Form von Sicherungsscheinen bereit. Das bestätigte gestern ein Zurich-Sprecher. Der Fonds hat jedoch nur ein Volumen von 110 Millionen Euro. Da alle Gäste ihre Forderungen geltend machen können, also auch für gebuchte und noch nicht angetretenen Reisen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Geld nicht reicht. Laut Zurich-Sprecher ist zudem noch gar kein Versicherungsfall eingetreten, da die deutsche Tochterfirma von Thomas Cook noch keinen Konkurs angemeldet hat. Thomas Cook Deutschland lotet laut eigenen Angaben letzte Optionen aus. Sollten diese ins Wasser fallen, würde auch sie Insolvenz anmelden.

Wer ist für die Pleite verantwortlich und wie viele Mitarbeiter sind betroffen?

Das Licht bei Thomas Cook löscht ein Schweizer: Konzernchef Peter Fankhauser, aufgewachsen im Emmental. Er sprach in einer Mitteilung von «tiefem Bedauern» und entschuldigte sich bei Kunden, Angestellten, Partnern und Zulieferern. Am härtesten trifft die Pleite die 22 000 Angestellten des Konzerns. Sie sind mit einem Schlag arbeitslos. 9000 Stellen gehen in England verloren, der Rest in 15 anderen Ländern. Fankhauser geriet entsprechend ins Fadenkreuz von britischen Medien, weil er in den fünf Jahren als Thomas-Cook-Chef 8.3 Millionen Pfund (etwa 10.2 Millionen Franken) Gehalt und Boni bezog, während die Firma kollabierte.

Wieso wurde Konkurs eingereicht?

Die britische Muttergesellschaft «Thomas Cook Group plc» hat ihren Konkurs derweil bereits eingereicht. Das kurzfristige Überleben des Unternehmens scheiterte an 200 Millionen Pfund (rund 250 Millionen Franken). Das Geld hätte der Konzern gebraucht, um bis November 2020 solvent zu bleiben. Im Sommer hatten Aktionäre und Gläubiger noch ein Hilfspaket von 900 Millionen Pfund geschnürt. Als nun nach neuen Investoren gesucht wurde, fand sich schlussendlich keiner mehr. Die britische Regierung lehnte die Bitte nach einer Finanzspritze von 150 Millionen Pfund ab. Die Rettungsaktion soll nun laut britischen Medien aber bis zu 600 Millionen Pfund kosten.

Sind noch andere Fluggesellschaften involviert?

Die Fluggesellschaft Condor gehört ebenfalls zum Thomas-Cook-Konzern, kündigte aber an, dass der Flugbetrieb regulär weiterlaufe. Allerdings werden aus rechtlichen Gründen keine Thomas-Cook-Kunden transportiert. Die Airline hat bei der deutschen Regierung einen Antrag für einen Überbrückungskredit von 200 Millionen Euro eingereicht. In die lange Liste der Verlierer beim Thomas-Cook-Konkurs reihen sich die klassischen Zielländer von Pauschaltouristen ein. Auf der griechischen Insel Kreta beispielsweise haben 70 Prozent der Tourismusanbieter Verträge mit Thomas Cook. Der kretische Tourismusminister sagte: «Das ist ein Erdbeben der Stärke 7, und der Tsunami kommt erst noch.» (mim/bzbasel.ch)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • schibu73 24.09.2019 19:46
  • Apicius 24.09.2019 14:13
    Highlight Highlight Warum der zweitgrösste Reisekonzern Konkurs ging?

    Leider steht in diesem Artikel nichts davon wieso TC Konkurs ging, schade.
    Lustig, dass das Wort Konkurs von eurem Auto-System korrigiert wird, wenn man es klein schreibt ;-)
  • Thoro Z 24.09.2019 13:53
    Highlight Highlight Typisch für die Boris Johnson Regierung: lieber 9000 Arbeitslose und 600 Mille für Rückführungen zahlen statt 150 Mille staatliche Beteiligung! So krank sieht Hardliner Politik aus!
  • time_saver 24.09.2019 11:46
    Highlight Highlight Also *warum* ging der Konzern pleite?
  • weissauchnicht 24.09.2019 09:31
    Highlight Highlight Ohne Thomas Cook, individuell nach Kreta ohni Flugi. Geht auch und ist nachhaltiger:
    www.ohniflugi.ch/ohni-flugi/uf-kreta
    • Pitefli 24.09.2019 13:58
      Highlight Highlight Vielen Dank für den Link. Ist echt spannend zu sehen was alles möglich ist
  • Kaspar Floigen 24.09.2019 08:42
    Highlight Highlight "Operation Matterhorn" hört sich einfach cool an. Verstehe, warum man den Namen wählt, wenn man mal ein Projekt benennen darf, dass nachher prominent in den Medien ist.
  • Menoo 24.09.2019 08:12
    Highlight Highlight Titel: Warum der zweitgrösste Reisekonzern der Welt konkurs ging

    Inhalt: Papedipupi und kein Warum.

    Wie war das noch mal in der User-Umfrage mit den "treffenden Titeln"?
  • Bits_and_More 24.09.2019 08:05
  • Lebenundlebenlassen 24.09.2019 08:00
    Highlight Highlight Greta wirds freuen wenn es weniger Flugzeuge am Himmel hat 😉
  • Rolf stühlinger (1) 24.09.2019 06:44
    Highlight Highlight Tja so ist mit den ceos von heute. Abkassieren und am schluss nur einen trümmerhaufen hinterlassen.
    • Lustiger Baum 24.09.2019 08:09
      Highlight Highlight Den CEO trifft hier sicherlich nicht die alleinige Schuld. Mal davon abgesehen dass das Gehalt Von 10.3mio, über 5 Jahre, für knapp 22‘000 Angestellte nicht hoch ist. Da lacht sich der Sergio der UBS glatt ins Fäustchen. Bei ihm ist ein schlechter Bonus für 1 Jahr „Arbeit“. Trotz Staatshilfe...
    • c_meier 24.09.2019 08:48
      Highlight Highlight hauptsache er hat "Verantwortung" übernommen was auch immer das heisst...
    • Still N.1.D.1. 24.09.2019 09:51
      Highlight Highlight Tja, das ist so mit den Kommentaren von heute. Einfach mal pauschalisieren, denn alle 586'000 CEO in der Schweiz wollen nur abkassieren und zerstören.
  • wilbur 24.09.2019 06:37
    Highlight Highlight Ferien in der schweiz und/oder mit dem zug -> alles kein problem ;)

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