Rätsel um Bitcoin-Gründer geht in die nächste Runde
Seit 17 Jahren, also seit die Kryptowährung Bitcoin 2009 das Licht der Tech-Welt erblickte, wird darüber gerätselt, wer das verschlüsselte Bezahlsystem erfand. Die Suche nach der Person hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ruft seit Jahren Journalistinnen und Journalisten, Tech-Fachleute und zigtausende Online-User auf der ganzen Welt auf den Plan.
Kein Wunder also, dass der Kreis der Personen, die für Nakamoto gehalten werden, bereits an die hundert Leute umfasst. Eine über alle Zweifel erhabene Identifikation ist jedoch noch immer niemandem gelungen.
Verdächtiger Auftritt in HBO-Doku
Einen der jüngsten und öffentlichkeitswirksamsten Versuche, den wohl milliardenschweren Erfinder von Bitcoin aus der Anonymität zu reissen, unternahm vor zwei Jahren der Regisseur Cullen Hoback im Auftrag des Streaming-Giganten HBO. In der 2024 veröffentlichten Doku «Money Electric: The Bitcoin Mystery» wird der kanadische Software-Entwickler und Kryptograph Peter Todd als möglicher Gründer genannt. Die Beweislage ist jedoch dünn und stützt sich eher auf Indizien und Spekulationen anstelle verifizierbarer Informationen.
Eine Sequenz in der Dokumentation liess den New-York-Times-Journalisten John Carreyrou jedoch aufhorchen. Carreyrou, der sich wie viele andere seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, empfand das Verhalten des britischen Kryptografen Adam Back während eines Interviews als äusserst auffällig. Als dieser damit konfrontiert wurde, dass auch er als möglicher Erfinder in Frage komme, wirkte dieser nervös und angespannt. Er forderte die Filmschaffenden auf, die Unterhaltung nicht zu veröffentlichen. Der Ausschnitt stand am Anfang einer kürzlich veröffentlichten Recherche der New-York-Times, welche den Briten mit hoher Wahrscheinlichkeit als Erfinder von Bitcoin identifiziert.
Krypto-Pionier und Weggefährte Satoshis
Adam Back gilt als einer der führenden Köpfe in der globalen Bitcoin-Community. Er war Teil der Cypherpunk-Bewegung, einer Gruppe von Anarchisten, die Anfang der 90er-Jahre mit Hilfe von Datenverschlüsselung gegen die zunehmende Überwachung durch Behörden kämpften. In frühen E-Mails aus dieser Zeit schrieb der 55-Jährige über die Idee, ein verschlüsseltes Bezahlsystem zu entwickeln. Da die digitale Abwicklung von Zahlungen immer populärer wurde, wollten Back und die Cypherpunks ein Zahlungsmittel schaffen, das die Anonymität von Bargeld gewährleistet, jedoch im digitalen Raum.
Im gleichen Zeitraum tauchte auch das Pseudonym Satoshi Nakamoto im Umfeld der Cypherpunks auf. Während der Brite Back sich vor dem Launch von Bitcoin oft und gerne zu verschlüsselten Bezahlsystemen äusserte, verschwand dieser exakt zum gleichen Zeitpunkt von der Bildfläche, als Satoshi Nakamoto und Bitcoin einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.
Just in dem Moment, in dem sich Backs Traum vom anonymen digitalen Bezahlmittel zu bewahrheiten schien, begann dieser zu schweigen. Erst im Jahr 2011, zwei Jahre nach der Lancierung von Bitcoin, meldete sich der Krypto-Experte ein erstes Mal zu diesem Thema zu Wort. Erneut bedeutete das Auftauchen des einen das Abtauchen des anderen. Das Pseudonym Satoshi Nakamoto verstummte.
Schriftanalysen zeigen diverse Gemeinsamkeiten
Ein äusserst auffälliges Verhaltensmuster, jedoch noch lange kein Beweis. Etwas handfester hingegen sind Schriftanalysen von Back und Nakamoto, welche die Journalisten der «New York Times» anfertigen liessen. So untersuchten sie Texte, welche die beiden zu Zeiten der Cyberpunks als eine Art Newsletter veröffentlichten und fanden auffällige Gemeinsamkeiten.
Beide begannen teilweise dieselben Rechtsschreibfehler und benützten identische Formulierungen. Sie schrieben beispielsweise die Worte «half way» oder «down side» getrennt statt zusammen. Die Analyse deutete ebenfalls darauf hin, dass Nakamoto aufgrund seiner Wortwahl Brite sein könnte. Aus über 100 Personen, die ebenfalls innerhalb dieser Community Texte verfassten, passte lediglich das Schreibverhalten von Back mit dem des späteren anonymen Bitcoin-Erfinders überein.
«I am not Satoshi»
Adam Back hat sich nun auf der Plattform X selbst zu Wort gemeldet und schreibt: «I'm not Satoshi.» Er sei lediglich früh darin gewesen, auf die positiven gesellschaftlichen Auswirkungen von Kryptografie, Online-Privatsphäre und elektronischem Geld hinzuweisen. Der Rest sei einfach eine «Kombination aus Zufall und ähnlichen Formulierungen von Personen mit vergleichbaren Erfahrungen und Interessen», schreibt Back auf X weiter.
i'm not satoshi, but I was early in laser focus on the positive societal implications of cryptography, online privacy and electronic cash, hence my ~1992 onwards active interest in applied research on ecash, privacy tech on cypherpunks list which led to hashcash and other ideas.
— Adam Back (@adam3us) April 8, 2026
Das letzte Kapitel des Mysteriums Satoshi Nakamoto dürfte wohl auch mit dieser Enthüllung noch nicht geschrieben worden sein. Es erscheint logisch, dass Back dementiert, der Erfinder von Bitcoin zu sein. Die Enttarnung würde dazu führen, das Back auf einen Schlag als Multimilliardär im Fokus der Öffentlichkeit stünde. So gehen Schätzungen davon aus, dass der noch immer anonyme Gründer über ein digitales Vermögen von bis zu 1.1 Millionen Bitcoins verfügt. Nach heutigem Stand wäre dies ein Gegenwert von rund 62 Milliarden Schweizer Franken.
