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Iran: Flugbenzin-Schock bleibt aus – doch kleinen Airlines droht Pleite

Grosser Flugbenzin-Schock bleibt aus – doch jetzt droht den Airlines etwas anderes

Gute Nachrichten für die Sommerferien: Das Flugbenzin dürfte diesen Sommer nicht ausgehen – Turbulenzen drohen dennoch.
25.05.2026, 05:4125.05.2026, 05:41
Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel

Die Strasse von Hormus ist nach wie vor blockiert – das hat einen globalen Ölschock angestossen. Sicher ist bloss, dass dieser Schock jetzt die Weltwirtschaft durchläuft. Schwer vorhersehbar ist jedoch auch für Experten, wie die Wirtschaft genau reagiert, welche Teile standhalten und welche in die Brüche gehen.

Ein Mann der Firma Skytanking fuellt den Tank eines Swiss International Air Lines Flugzeugs mit dem Treibstoff Kerosin auf, aufgenommen am Donnerstag, 23. April 2026 auf dem Rollfeld am Flughafen Zuer ...
Da hatte es noch genug: Im April füllt ein Mann am Flughafen Zürich den Tank eines Swiss-Flugzeugs mit dem Treibstoff Kerosin.Bild: keystone

Besonders grosse Sorgen bereitete lange Zeit die Versorgung mit Flugbenzin. Der Preis dafür schoss global weit höher als jener für Rohöl. Zwischenzeitlich erreichte er einen Höchststand von 230 Dollar pro Fass – und übertraf damit sogar den Rekord von 2022, als Europa in eine Energiekrise gestürzt wurde durch Russlands Präsident Wladimir Putin. Die Sorgen schienen sich zu bestätigen, als die Lufthansa bekanntgeben musste, sie werde bis zum Oktober rund 20'000 Flüge streichen.

Das war im April. Ungefähr vier Wochen später sieht die Lage jedoch schon viel besser aus. Das hat vor allem einen Grund: Der Markt spielt. Die hohen Preise haben eine Gegenreaktion angestossen: Die Öl-Raffinerien weltweit haben ihre Produktion von Flugbenzin stark erhöht.

Der Preis für Flugbenzin liegt deshalb heute wieder deutlich tiefer: nicht mehr auf 230 Dollar pro Fass, sondern aktuell bei etwa 160 Dollar. Das ist zwar noch immer vergleichsweise hoch. Es ist jedoch kein schrilles Warnsignal mehr dafür, dass der Welt bald das Flugbenzin ausgeht. Ein Sommerferien-Grounding des europäischen Luftverkehrs ist anscheinend nicht mehr zu befürchten.

Eine der grössten asiatischen Airlines, die Cathay Pacific, konnte bereits ihre Treibstoffzuschläge wieder senken. Und die Flugindustrie selbst klingt wieder zuversichtlicher. Der CEO von IAG, Eigentümer von British Airways, sagte beispielsweise:

«Zurzeit erwarten wir im Sommer keine Unterbrechung der Versorgung und auch keine Lieferengpässe.»

Insgesamt könnte man die Lage für Europa so zusammenfassen, wie es Javier Blas tut, Energieexperte der Nachrichtenagentur «Bloomberg». Natürlich könne der Krieg im Iran wieder eskalieren, das schlimmste Szenario sich einstellen. Aber wenn nicht, dann spiele der Markt gut genug, um die meisten Flugzeuge in der Luft zu halten.

«Nein, der Iran-Krieg wird Ihren Europa-Ferienflug nicht grounden.»

Nicht das Flugbenzin könnte knapp werden, sondern das Geld

Zuversichtlich gibt sich auch der Chef der Billig-Airline Ryanair. Im Interview mit «Bloomberg» reagierte der 65-jährige Michael O‘Leary mit einem Lachen auf die Frage, ob er eine Krise wie die heutige schon einmal erlebt habe:

«Natürlich, solche Krisen ereilen unsere Branche regelmässig. Russlands Angriff auf die Ukraine, der zweite Golfkrieg, der erste Golfkrieg, die Terroranschläge vom 11. September 2001.»

O’Leary hat auch eine klare Antwort auf die Frage, wann Europa das Flugbenzin ausgehen werde. «Das wird nicht passieren.» Das sei zwar im April eine grosse Sorge gewesen, aber inzwischen nicht mehr. Er habe letzte Woche alle seine Lieferanten in Paris getroffen.

«Probleme gibt es bis Ende September keine.»

Damit kann man die Flugbenzin-Versorgung anscheinend streichen von der Liste der möglichen Bruchstellen im globalen Energiesystem. Dass es schnell auf die Gefahren-Liste kam und schnell wieder verschwindet, liegt an seinen besonderen Eigenschaften.

Die Lagerung von Flugbenzin ist technisch aufwendiger und damit teurer als die Lagerung von Autobenzin. Es wird deshalb möglichst direkt an die Flughäfen transportiert und in die Maschinen gefüllt. Wenn in der Welt etwas schiefläuft, läuft in diesem System deshalb meist noch mehr schief.

Zugleich können Ausfälle beim Flugbenzin leichter ersetzt werden. Das liegt daran, dass Flugbenzin einen deutlich kleineren Anteil von der globalen Ölnachfrage ausmacht, als es Benzin oder Diesel tun. Fast vier Mal weniger. Es reicht deshalb, wenn die Öl-Raffinerien bloss etwas weniger Benzin produzieren und dafür etwas mehr Flugbenzin – schon ist der Markt wieder ausgeglichen. Bei den hohen Preisen für Flugbenzin produzierten die Raffinerien liebend gern und rasend schnell mehr davon.

All das heisst allerdings noch lange nicht, dass diesen Sommer alle Fluggäste ohne jegliche Turbulenzen ihre Ferienorte erreichen werden. Das Flugbenzin sollte den Airlines nicht ausgehen. Was hingegen einigen kleineren Airlines diesen Sommer ausgehen könnte, ist das Geld.

Solche scheiternden Airlines sind eine Sorge für Experte Blas, für Ryanair-Chef O'Leary eine Gelegenheit, zu makabren Sprachbildern zu greifen.

Blas schreibt, er könne sich vorstellen, dass einige Reiseveranstalter mit eigener Airline scheitern könnten. Nämlich dann, wenn sie sich zu den aktuell hohen Flugbenzin-Preisen eindecken müssen, aber ihre Reisen schon davor zu tiefen Preisen verkauft haben. Solche Konkurse hätten dann Folgen für die Kunden: Ihre Flüge würden abgesagt.

Die Lunte brennt – und keiner tritt drauf

O'Leary sagt sogar:

«Einige unsolide Konkurrenten werden in Särgen herausgetragen werden.»

Ihnen werde zum Verhängnis, dass sie sich nicht gegen steigende Ölpreise abgesichert haben und bis über beide Ohren verschuldet sind. Übernehmen würde er solche scheiternden Airlines nicht. «Es gibt nichts, was man in Europa kaufen will. Es ist alles Mist.»

epa12325673 Ryanair Group CEO Michael O'Leary speaks during a press conference in Brussels, Belgium, 27 August 2025. During the press conference, O'Leary noted the decline in air traffic con ...
Gewohnt deutliche Worte: Ryanair-Chef Michael O'Leary.Bild: keystone

So sieht es für den Sommer aus. Für den Herbst gilt, was nun schon seit beinahe drei Monaten gilt: Alles hängt davon ab, wann die Strasse von Hormus wieder frei ist. Wenn sie im Herbst noch immer zu ist, wird Europa laut O'Leary zwar noch genug Flugbenzin zur Verfügung haben. Aber es werde so lange so teuer gewesen sein, dass viele Airlines unter der Last einbrechen werden. «In ganz Europa werden Airlines pleitegehen.»

Angesichts solcher üblen Folgen wundern sich viele Öl-Analysten ohnehin, wie entspannt die westliche Welt auf den Iran-Krieg blickt. So wirkt es etwa für den altgedienten US-Analysten Paul Sankey, «als würde eine lange Lunte zu einer Bombe abbrennen – und niemand tritt auf sie.» (aargauerzeitung.ch)

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offgrid
25.05.2026 07:36registriert Oktober 2019
Auf die Lunte treten kann man nur indirekt indem man fossile Brennstoffe möglichst schnell und möglichst überall ersetzt. Den verrückt gewordenen Petrolheads in Washington und Teheran ist der Rest der Welt extremst egal, nur ihr eigenes Portemonnaie nicht. Deshalb kommen sie vielleicht wieder zur Vernunft, wenn ihnen ihr Saft spürbar weniger abgekauft wird. Wir hätten für unser Portemonnaie auch einen positiven Effekt. Deshalb gehören SVP Initiativen wie "Windkraft Ja, aber mit Abstand" abgelehnt.
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Ragl
25.05.2026 08:31registriert Juli 2015
Als ob es ein Grundrecht ist als Westeuropäer*in in den Urlaub fliegen zu dürfen….. und davon dann auch gleich noch den Zustand der Welt abhängig machen aus der ‚Ich‘ Perspektive…..


Reflektiert euch mal

#Mimimimini
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Horst-Rüdiger
25.05.2026 08:51registriert März 2020
Ich dachte ich habe vor ein paar Wochen gelesen, dass wenn die Strasse von Hormus geschlossen bleibt, es zu einer grossen Katastrophe kommt .
Mal abgesehen von diesem Thema gibt es wohl einfach viel zu viele Analysten in allen Bereichen, welche ständig irgendwelche Prognosen abgeben, die dann meist nicht zutreffen. (Ihr bei Watson habt ja auch so einen zum Thema USA;-))
Leider werden aber viele davon von Steuergelder finanziert was den Staatsapparat unnötig aufbläht.
Weniger ist hier definitiv mehr!
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