Ben McKenzie: Von «O.C., California» zum knallharten Krypto-Kritiker
Während der Pandemie hockte die Welt im Homeoffice, und viele entdeckten neue Hobbys. Ben McKenzie tat mehr als das: Er durchleuchtete die Krypto-Welt und beobachtete Promis wie Snoop Dogg oder die Kardashians, die öffentlich von futuristischen Möglichkeiten schwärmten. Matt Damons Werbung für Crypto.com habe ihm Albträume bereitet, erzählt er heute.
Der Grund: «Ich wusste von Anfang an, dass Matt Damon einen Scheiss über Krypto weiss.» Anders als er selbst, der einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, Aussenpolitik und internationalen Beziehungen hat und sich mittlerweile seit Jahren mit Kryptowährungen beschäftigt.
«Im besten Fall Glücksspiel, und im schlimmsten Fall Betrug»
«Kannst du in zwei einfachen Sätzen erklären, was Kryptowährung eigentlich ist?», fragt ihn Journalist Mehdi Hasan in seinem Podcast für alle Unwissenden. «Ich kann es sogar in einem Satz: Es ist eine Betrugsmasche zum schnellen Reichwerden», sagt McKenzie. Kleinanleger würden systematisch ausgenommen, während eine Handvoll Insider sich die Taschen füllen.
Der Schauspieler spricht mit derselben Leidenschaft über das Thema, mit der er früher seine Texte als Bad Boy Ryan Atwood in «O.C., California» vortrug – nur ist es diesmal echt. 2003 wurde der heute 47-Jährige zum Teenie-Schwarm tausender Zuschauer. Später landete er einen weiteren Hit als James Gordon in der Batman-Serie «Gotham». Und jetzt ist dieser Typ ein knallharter Krypto-Kritiker?
«Ich bin der einzige sechsfach nominierte Teen Choice Awards-Star, der einen Bestseller über Wirtschaftswissenschaften geschrieben hat», scherzt er in mehreren Interviews – und hat damit völlig recht. 2023 veröffentlichte er das Buch «Easy Money: Cryptocurrency, Casino Capitalism, and the Golden Age of Fraud» (übersetzt: «Leichtes Geld: Kryptowährung, Casino-Kapitalismus und das goldene Zeitalter des Betrugs»).
«Der Typ von ‹O.C.›»: Keine Ausnahme, aber eine Besonderheit
Im vergangenen April erschien sein – überraschend lustiger – Dokumentarfilm «Everyone Is Lying to You for Money» («Jeder lügt dich an, um Geld zu bekommen»). McKenzie ist darin Autor, Regisseur und Hauptdarsteller und sagt: «Kryptowährung ist ziemlich dumm.»
Auch ein Ausschnitt seines Interviews mit Sam Bankman-Fried kommt vor. Der Milliardär war eine Krypto-Galionsfigur, war auf dem Cover des Forbes-Magazins und mit US-Kongressabgeordneten auf du und du. 2024 wurde er wegen Finanzbetrugs und Geldwäsche zu 25 Jahren Haft verurteilt. McKenzie fühlte ihm bereits Monate zuvor auf den Zahn, als der Schauspieler ihn fragte, wie viel Geld Bankman-Fried Politikern gespendet hat. Er wich der Frage sichtlich nervös und angespannt aus, und die roten Flaggen wedelten nur so.
«Warum zum Teufel führt der Typ von ‹O.C., California› ein härteres Interview mit Sam Bankman-Fried als die Leute von CNBC, FOX Business, Bloomberg oder CNN?», fragt Mehdi Hasan, und McKenzie ist ebenso fassungslos: «Ja! Was soll das?! Ich? Ich muss das machen?»
Er ist nicht der erste Promi, der plötzlich mit «richtigem Wissen» überrascht. Ex-Disneystar Bridgit Mendler gründete nach dem Serienaus von «Meine Schwester Charlie» eine Firma für Satellitenkommunikation und arbeitet heute mit der NASA. Danica McKellar, bekannt als Winnie aus «Wunderbare Jahre», veröffentlichte mehrere mathematische Fachbücher und gilt als Expertin für die Förderung von Kindern in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
Doch McKenzies Fall ist besonders, weil er nicht nur in eine neue Branche wechselte – er wurde zu einem ihrer schärfsten Kritiker. Und er nutzt sein bekanntes Gesicht, um dieses Thema in den Mainstream zu tragen. Damit Menschen, die sonst nicht damit in Berührung kommen, diese Machenschaften ebenfalls hinterfragen. Gut möglich, dass er so nicht als Teenager-Schwarm, sondern für seine Aufklärung über die undurchsichtige Kryptoindustrie in Erinnerung bleibt. (aargauerzeitung.ch)

