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Elon Musks Grössenwahn schadet Tesla – die Gründe für den Börsenabsturz

FILE - Elon Musk arrives at the justice center in Wilmington, Del., Tuesday, July 13, 2021. According to a filing posted late Wednesday, Dec. 14, 2022, by the U.S. Securities and Exchange Commission,  ...
Bild: keystone

Elon Musks Grössenwahn schadet der Marke Tesla – die Gründe für den Börsenabsturz

Tesla-Gründer Elon Musk positioniert sich in der radikal-rechten Ecke der Politik – und könnte so Tesla-Fahrern den Spass verderben.
31.12.2022, 09:5931.12.2022, 10:02
Niklaus Vontobel / ch media

Es sieht nach einem Absturz aus, der es in die Geschichtsbücher schaffen wird. Der Elektroautohersteller Tesla fällt an der Börse tiefer und tiefer, seit Jahresanfang hat er um die 70 Prozent an Wert verloren.

Wie konnte Tesla so tief fallen? Der Börsenverlauf seit Jahresanfang sieht furchterregend aus.

Eine mögliche Erklärung sind die Eskapaden von Gründer Elon Musk auf Twitter, dem Kurznachrichtendienst. Musk hat Twitter für 44 Milliarden Dollar gekauft und seither eine gruselige Freak-Show abgezogen.

So könnte er den zuvor hell strahlenden Tesla-Brand zerstören, oder zumindest befürchten die Börsianer, dass er es tut.

Denn der Brand ist beim Autokauf fast alles. Und in den Augen der Öffentlichkeit gilt: Musk ist Tesla, Tesla ist Musk.

«Historisch gesehen, unglaublich wichtig» sei in der Automobilindustrie die Marke, so das Magazin «Forbes». Würden Autokäufer befragt, was für sie ausschlaggebend sei, komme an erster Stelle die Marke und damit das Image des Herstellers. Welchen Eindruck die Marke mache - auf sie selbst und auf andere.

Darum sei es für Automarken brandgefährlich, wenn sie mit politischen Strömungen in Verbindung gebracht werden. Ein erboster Tesla-Aktionär sagt zur «New York Times»: «Es ist mir egal, ob jemand nun Pizza oder Popcorn verkauft oder was auch immer - man gewinnt nie, wenn man die Kunden in die Politik reinzieht.»

Musk vertritt in seiner Realityshow klar rechte Positionen. Dadurch werden Gegenreaktionen hervorgerufen auf der anderen Seite des politischen Spektrums.

Das linksliberale Magazin «The Atlantic» titelte: «Musk ist ein rechtsextremer Aktivist». Laut Umfragen hat in den USA der Ruf von Tesla unter links wählenden Menschen bereits stark gelitten.

Zu den grössten Hits von Musks Show zählt, dass er nach dem Kauf von Twitter sogleich die Hälfte der Mitarbeitenden feuerte. Den Verbliebenen beschied er, sie müssten von nun an extrem hart arbeiten, man denke an Nächte unter dem Schreibtisch - sonst sollten sie besser gehen. Was viele taten.

Trotz Putschversuch: Musk hält zu Trump

Musk entsperrte das Konto von Donald Trump. Dieses hatte der Ex-Präsident zuvor genutzt, um zum Sturm auf das US-Parlamentsgebäude aufzurufen. «Seit dort, es wird wild werden!»

Trump wollte die Machtübergabe an Joe Biden stoppen, womit er zugleich die amerikanische Demokratie beendet hätte. Über 100 Polizisten wurden verletzt, vier begingen wenig später Suizid.

Dann gab es die Episode mit dem Rapper Kanye West. Dieser wurde unter der alten Twitter-Führung gesperrt; er hatte gegen Juden gehetzt. Musk liess dessen Konto frei und begrüsste West freudig: «Willkommen zurück auf Twitter, mein Freund.»

Kurz darauf war West zu Gast in einer ultrarechten Talkshow, erklärte dort «Ich mag Hitler», hetzte auf Twitter erneut gegen Juden - Musk sperrte ihn wieder.

Oder dann twittert Russlands ehemaliger Präsident Dmitri Medwedew wild über einen baldigen Bürgerkrieg in den USA und über Musk als Präsident – Musk fand es «episch», vier Stunden später dann doch «absurd».

Und so weiter und so fort. Musk hat auf Twitter regelmässig freundlichen Austausch mit Figuren auf der extremen Rechten des politischen Spektrums.

Das hat Folgen. Ein Analyst sagt über die Zeit von Musk als Twitter-Chef, sie sei «eine massive Markenzerstörung für ihn und für Tesla». In Deutschland ist dies für Showgrössen ein Thema. Satiriker Jan Böhmermann hat eine klare Meinung:

Wie sich das Image von Tesla wandelt, kann man in der Schweiz mit einem Gedankenexperiment ausprobieren.

Es wurde noch reihum gut geheissen, als sich Doris Leuthard mit einem Tesla zeigte. «Neuer Dienstwagen» - so wurde es lässig kommentiert vom Verkehrsdepartement der CVP-Bundesrätin. Was, wenn es ihr nun Albert Rösti gleichtut? Wirkt es noch so cool, wenn sich auch der neue SVP-Departementschef mit Tesla präsentiert?

Nicht länger einzigartig

Die Musk-Show auf Twitter ist einzigartig, Tesla ist es nicht mehr. Diese neue Realität wird von deutschen Autozeitungen so auf den Punkt gebracht: «Elon Musk nervt? Das sind die Alternativen.»

Es gebe andere gute Elektroautos, von zig Herstellern, so die «New York Times» und nennt Ford, Mercedes, Kia oder Chevy. «Die Wahrheit ist, dass viele der besten Elektroautos, die heute auf dem Markt sind, nicht von Musk hergestellt werden.»

Ein beschädigtes Image, mehr Konkurrenz - anscheinend hat Tesla bereits mehr Mühe, seine Autos zu verkaufen. Das ist zumindest eine Sorge der Aktionäre. Jegliche Anzeichen, dass dem tatsächlich so ist, lassen die Aktie noch tiefer fallen.

So war dies, als kürzlich bekannt wurde, dass Tesla in den USA einen Discount von 7500 Dollar gewähren muss. Solche Preisabschläge hatte Musk früher abgelehnt. Und in China schaltete Tesla gar traditionelle Werbung - auch darauf konnte Musk zuvor immer verzichten.

Am Nervenkostüm der Tesla-Aktionäre nagt auch Musks Grössenwahn, zugleich mehrere Unternehmen lenken zu wollen. Tesla allein sollte seinen Tag ausfüllen. Twitter ebenso. Und dann hat Musk noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX und zwei kleinere Unternehmen.

Nicht alles dreht sich um Musk

Eine Erklärung für Teslas Börsenabsturz dürfte Musk besonders nerven: Es dreht sich nicht alles um ihn; was er tut und lässt, ist vielleicht zweitrangig.

Als die Zinsen rekordtief waren, hoben die verzweifelten Investoren die Aktie schlicht in lächerliche Höhen. Auf dem Höhepunkt hatte Tesla einen Börsenwert von 1.2 Billionen Dollar. Es war viel mehr wert als einige Konkurrenten zusammen; so viel, als würde jeder Tesla zu über 1 Million Dollar verkauft.

Inzwischen sind die Zinsen nicht länger rekordtief, die Investoren müssen nicht mehr jede waghalsige Wette mitmachen. Was zuvor hochgejubelt wurde, wird nun fallen gelassen. Es sind altbekannte Mechanismen an der Börse, anscheinend gelten sie auch für Elon Musk. (aargauerzeitung.ch)

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114 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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King33
31.12.2022 11:57registriert April 2017
Musk gehört NICHT zu den Gründer von Tesla! Heilandtonnernochmals...
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Emil Eugster
31.12.2022 11:59registriert Juni 2020
"Tesla-Gründer Elon Musk …"
Da habe ich aufgehört zu lesen.
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Saul_Goodman
31.12.2022 11:51registriert Dezember 2015
Musk hat offensichtlich nicht verstanden, dass er sich gerade bei seiner konservativen rechten Klientel anbiedert, die nie und nimmer hinter der Idee von Tesla steht.
Gleichzeitig vergrault er all jene die sich mit fortschrittlicher grüner Mobilität identifizieren könnnen.
Für mich ist nach 2022 klar, dass ich wohl so schnell keinen Tesla mehr kaufen würde. Da müsste schon einiges passieren. Elektro autos gibts ja nun gute Alternativen und der Zug ist immer noch umweltfreundlicher.
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