DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Secondhand-Markt boomt: Tutti, Ricardo und Digitec Galaxus werden von Kunden überrannt

Gebrauchte Waren zu kaufen, liegt im Trend. Auf sämtlichen Schweizer Onlinebörsen haben die Secondhand-Verkäufe sei letztem Jahr stark zugenommen – auch dank Corona.
18.08.2021, 07:08
Gabriela Jordan / ch media
Weiterverkaufen statt entsorgen: Die Kreislaufwirtschaft kommt allmählich ins Rollen.
Weiterverkaufen statt entsorgen: Die Kreislaufwirtschaft kommt allmählich ins Rollen.
Bild: Shutterstock

Noch vor einigen Jahren galt es als verpönt, bereits getragene Kleidungsstücke anzuziehen oder gebrauchte Handys zu benutzen. Doch viele Kundinnen und Kunden haben heute kein Problem mehr damit, Altware zu kaufen. Im Gegenteil: Secondhand ist hip und nachhaltig – und das Shoppen so ohne schlechtes Gewissen möglich.

Kein Wunder also, dass der gesamte Secondhand-Markt einen rasanten Wachstumsschub erlebt. Begünstigt durch den coronabedingten Online-Boom verzeichnen insbesondere Onlinebörsen wie Tutti und Ricardo eine stark gestiegene Nachfrage. Darüber hinaus profitieren aber auch klassische Onlinehändler, die vermehrt ins Secondhand-Geschäft einsteigen.

So etwa der grösste Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus: Er zeigt in einer Exklusivauswertung, dass sich der Absatz gebrauchter Produkte im vergangenen Jahr fast verdoppelt hat (+96 Prozent). Verkauft werden die Produkte dabei von den Kundinnen und Kunden selbst: Seit Herbst 2017 haben sie die Möglichkeit, ihre bei Digitec und Galaxus gekauften Produkte auch dort wieder zu verkaufen. Wie bei Tutti und Ricardo können sie den Verkaufspreis selber bestimmen, Digitec Galaxus streicht je nach Betrag eine Vermittlungsprovision von 4 bis 14 Prozent ein.

«Zweitmarkt für Elektronik hat sich etabliert»

Am häufigsten verkauft die Kundschaft der beiden zur Migros gehörenden Onlineshops laut Mediensprecher Alex Hämmerli Handys, Grafikkarten und Monitore – also in erster Linie Elektronik-Produkte, auf die sich Digitec spezialisiert hat. Rund 75 Prozent der Verkäufe fanden denn auch bei Digitec statt, und 25 Prozent auf Galaxus. «Der Zweitmarkt für Elektronik hat sich bei Digitec definitiv etabliert», sagt Zara Hegemann, die beim Unternehmen für die Wiederverkaufs-Funktion verantwortlich ist.

«Weil wir diese einfache, schnelle und sichere Möglichkeit zum Occasion-Verkauf bieten, landen weniger gebrauchte Produkte im Müll oder in der Recycling-Tonne», ergänzt Hegemann. Umsatz- oder Stückzahlen gibt sie keine bekannt, im Vergleich zum Gesamtgeschäft sei das Secondhand-Wachstum aber überproportional. Das Unternehmen erwartet nun via Galaxus auch in anderen Produktkategorien eine Zunahme der Secondhand-Verkäufe. Der Onlineshop deckt inzwischen fast alle Warengruppen ab.

Ein starkes Wachstum zeichnet sich gemäss Unternehmensangabe schon fürs laufende Jahr ab: Im ersten Halbjahr 2021 wurden bereits zwei Drittel so viele Occasion-Produkte verkauft wie im gesamten Jahr 2020. Zu Ramschläden sollen die beiden Plattform aber nicht werden. Zum Weiterverkauf zugelassen sind nur Artikel, die beim Neukauf mindestens 50 Franken gekostet haben.

Mehr Secondhand-Verkäufe auf Tutti und Ricardo

Etablierten Onlinebörsen läuft Digitec Galaxus mit seinen über 2 Millionen Kundinnen und Kunden trotzdem nicht den Rang ab. Auch Tutti, Ricardo und Ebay verzeichneten seit dem letzten Jahr eine stark gestiegene Nachfrage, wie sie auf Anfrage bestätigen. Auf allen drei Plattformen werden mehrheitlich gebrauchte Waren verkauft.

«Die Besucherzahlen haben 2020 auf Ricardo generell und im Bereich Secondhand insbesondere stark zugenommen. 6.5 Millionen Artikel wurden erfolgreich verkauft, das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr 2019», sagt Ricardo-Sprecherin Mojca Fuks. Jeder zweite angebotene Artikel sei aus zweiter Hand gewesen – ein doppelt so hoher Wert wie noch vor zwei Jahren. Fuks führt das Wachstum sowohl auf die Pandemie-Situation, als auch auf das wachsende Bedürfnis nach nachhaltigem Konsum zurück.

Bei Tutti beträgt das Verhältnis von neu und gebraucht ungefähr 20 zu 80. «Das Coronajahr 2020 hat auch uns das kräftigste Wachstum seit langem beschert», sagt Sprecherin Patrizia Negri. «Viele haben in der Zeit ihr Zuhause aufgehübscht und dabei aussortierte Sachen verkauft anstatt weggeworfen. Neue Gebrauchtwaren haben sie günstig erworben.»

Die Websitebesuche seien bei Tutti 2020 um 22 Prozent gewachsen, die Anzahl neuer Inserate um 32 Prozent. Im laufenden Jahr seien die Zahlen wieder leicht gesunken, sie hätten sich jedoch auf einem höherem Niveau eingependelt als in den Jahren vor Corona.

Ebay meldet hohe Nachfrage nach gebrauchten Uhren

Der amerikanische Onlinehändler Ebay, der auch auf dem Schweizer Markt tätig ist, weist auf den Trend mit «Slow Fashion» hin. Demnach wird das Angebot von Secondhand-Modeartikeln auf der Plattform immer grösser. Ein noch stärkeres Wachstum verzeichne das Geschäft mit Secondhand-Uhren. Im ersten Halbjahr 2020 konnte im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Anstieg im zweistelligen Bereich verzeichnet werden.

Der Handel mit gebrauchten Produkten erhält laut Ebay durch ein steigendes Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung. Die Zahl der Suchanfragen nach «nachhaltigen» und «umweltfreundlichen» Angeboten sei von 2018 auf 2019 um knapp 100 Prozent gestiegen. (aargauerzeitung.ch)

Hier kommen 16 schräge Onlineshopping-Fails

1 / 18
Hier kommen 16 schräge Onlineshopping-Fails
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Highspeed-Leihvelo-Anbieter Bond ist pleite – und bringt Blitz-Lieferdienst in Bredouille

Der Leihvelo-Anbieter Bond muss Konkurs anmelden. Das sorgt beim stark expandierenden 10-Minuten-Lieferdienst Stash für Probleme.

Nach und nach sind die bis 45 km/h schnellen Bond-Highspeed-Leihvelos in den letzten Wochen von den Zürcher Strassen verschwunden. Sehr zum Ärger der Stammkunden, die nach wie vor vergeblich auf offizielle Informationen warten. Bond-Chef Stephan Müller sprach letzte Woche von «technischen Problemen mit der App» und kündigte für die einst hunderten quer über die Stadt verstreuten Velos eine frühzeitige «Winterpause» an.

In Tat und Wahrheit ist die Firma aber pleite. Vor wenigen Tagen ist der …

Artikel lesen
Link zum Artikel