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MoneyTalks

Solltest du jetzt anders anlegen als noch vor einem halben Jahr?

Jetzt investieren? Aber in was? Auf den Finanzmärkten geht es hin und her. Was sich beim Anlegen verändert oder nicht verändert hat. Hier sind ein paar Ideen und Themen, ganz ohne Gewähr.
07.07.2022, 14:25
Olga Miler
Olga Miler
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Anfang Jahr gibt es ja immer diese verschiedenen Prognosen zum Wirtschaftsausblick und welche Themen und Anlagen sich vielversprechend entwickeln könnten. Ich hatte mir Ende 2021 viele davon angeschaut und ein paar Punkte hatten sich herauskristallisiert, die vorausgesagt wurden, z. B. wurde eine neue Normalität nach der Pandemie, eine Normalisierung der Geldpolitik mit etwas erhöhter Inflation und weiterhin robustes globales Wirtschaftswachstum vorausgesagt.

Bei den Anlagethemen waren es nachhaltige Anlagen, vor allem Lösungen für die CO₂-Reduktion, erneuerbare Energien, aber auch langfristige Trends wie Cybersicherheit, Robotik, Cloud- und Tech-Aktien, die u. a. als Zukunftsversprechen genannt wurden. Jetzt, 6 Monate später und mit allen Vorkommnissen dieses Jahres, hat es mich sehr interessiert, was aus all den Vermutungen geworden ist und wo gegenwärtig die Chancen liegen. Hier einige Gedanken dazu, ganz ohne Gewähr und als Gedankenanstoss.

Es kommt oft anders, als man denkt

Ende Dezember 2021 herrschte noch Hochstimmung an den Börsen, der SMI stand Ende Jahr bei 12,997 Punkten. Mit dem Krieg in der Ukraine kam dann die Kehrtwende, mit steigender Unsicherheit, Inflationsängsten und steigenden Energie- und Rohstoffpreisen ging es steil bergab. Seit Jahresanfang hat der SMI um ca. -16 % verloren. Global sieht es auch nicht viel rosiger aus, so hat der MSCI World z. B. um ca. -20 % nachgegeben.

Die steigende Inflation sitzt uns allen im Nacken, in Deutschland bereits bei über 8 %, ist sie jetzt auch in der Schweiz spürbar und liegt neu bei 3,4 % im Juni, deutlich über den ursprünglichen Erwartungen von 1,9 %.

Mit der anhaltenden Inflation kommt die Zinswende, nach der Fed hat auch die Schweizer Nationalbank die Leitzinsen ab dem 17. Juni überraschend um 0,5 % erhöht, und mit der weiterhin steigenden Inflation rechnen Ökonomen mit einer baldigen weiteren Zinserhöhung. Damit ist dann auch endgültig Schluss mit Negativzinsen, die meisten Banken haben diese bereits angepasst. Steigende Preise und Zinsen gehen auch an den Hypotheken nicht spurlos vorbei, so sind die Zinsen für Festhypotheken um ca. 1 % gestiegen. Bei einer Hypothek von 500'000 Franken macht dies schon 5000 Franken im Jahr an Mehrkosten aus.

Gewinner und Verlierer

Investoren haben auf all diese Veränderungen reagiert. Gemäss Berichten von Refinitiv Lipper zu den Bewegungen in Europa im Mai (European Fund Flow Trends May 2022) mussten Investmentfonds ca. -32 Mrd. CHF an Abflüssen hinnehmen, während ETFs +2,5 Mrd. CHF an Zuflüssen verzeichneten.

Mischfonds waren auch im Mai 2022 die meistverkaufte Anlageklasse insgesamt, gefolgt von Immobilienfonds (+2,2 Mrd. Franken), die Investitionen in Rohstofffonds sind mit -0,1 Mrd. Franken fast gleich geblieben. Die grössten Abflüsse verzeichneten Aktienfonds (-11,2 Mrd. Franken). Zudem haben Geldmarktprodukte Abflüsse von -6,5 Mrd. CHF verzeichnet. Schaut man genauer hin, dann fand bei den Geldmarktprodukten eine Umschichtung statt, z. B. wurden auf britische Pfund (GBP) laufende Geldmarktprodukte verkauft und in USD zurückgekauft. Der Bericht vermutet, dass Investoren eine Aufwertung des USD gegenüber dem Pfund und Euro erwarten.

Bei den ETFs investierten Anleger gemäss dem Amundi ETF Flow Report (Amundi ETF Market Flows Analysis, Daten per Ende Mai) im Mai insgesamt ca. 42,5 Mrd. Franken in globale Aktien-ETFs und 33 Mrd. Franken in festverzinsliche Wertpapier-ETFs. Bei den Aktien-ETFs waren US- und nordamerikanische Aktien und S&P-500-ETFs am beliebtesten, sowie Nasadaq-100-ETFs. Den europäischen Aktienstrategien flossen ca. 1,3 Mrd. Franken zu, ausgeglichen zwischen traditionellen und nachhaltigen (ESG) Indizes.

Bei den Sektor- und Themen-ETFs gab es Abflüsse von -22 Millionen Franken, zu den Verlierern gehörten vor allem Finanzstrategien. Zugelegt haben soziale Strategien, z. B. legten ETFs, die darauf abzielen, die Ungleichheit der Geschlechter anzugehen, um 699 Millionen Franken zu. Allgemein legten ESG-Aktien um 1,3 Mrd. Franken zu, wobei die Anleger 747 Mio. Franken in die weltweiten Indizes und 393 Mio. Franken in Europa investierten.

Schaut man neben Zu- und Abflüssen auch auf die Rendite, dann gehören zu den Top-Performern seit Anfang 2022 vor allem Energieinfrastruktur-ETFs und Natürliche-Ressourcen-ETFs. Eine kurze Suche auf justetf.com (Stand 5. Juli 2022) zeigt z. B. den S&P 500 Energy Sector mit +47 % oder Nickel mit +45,1 % seit Anfang 2022. Die Bestenliste, in der vor einem Jahr noch viel Technologie und Krypto zu finden war, ist gepackt mit Energie- und Rohstoff-ETFs.

Krypto befindet sich weiterhin im Tiefflug, seit Jahresanfang hat der Bitcoin-Kurs von ca. 46'000 Franken auf 19'000 Franken um fast 60 % nachgegeben (coinmarketcap.com, 5. Juli 2022). Für den Goldpreis erwarten die Analysten von Goldman Sachs einen weiteren Anstieg auf US$ 2500 pro Unze (ca. 2400 Franken) bis Ende 2022.

Hat sich beim Anlegen wirklich etwas verändert?

Neben einem diversifizierten Portfolio, welches neben Aktien auch Rohstoffe einbezieht, gibt es Möglichkeiten weiterer Instrumente für den Inflationsschutz, z. B. Derivate. Für neue Möglichkeiten kann man gezielt Themen und Sektoren wie erneuerbare Energie, Lebensmittel, aber auch Cybersecurity, Künstliche Intelligenz oder z. B. das Metaverse hinzunehmen. Wer sich die Unsicherheit und Volatilität zunutze machen möchte, kann z. B. den Volatilitätsindex nutzen. Bei Obligationen ist Vorsicht geboten, da sich die Rahmenbedingungen für die Zinsanstiege geändert haben. Bei Anlagen in Immobilien oder beim Kauf von Immobilien sollten auch die möglicherweise steigenden Zinsen miteinbezogen werden.

Neu sind diese Dinge im Vergleich zum Jahresanfang nicht, was sie alle gemeinsam haben, ist, dass sie langfristige Themen darstellen. Das Gleiche gilt für Nachhaltigkeit generell, selbst wenn nicht alle Anlagen so nachhaltig sind, wie wir sie uns wünschen.

Was macht ihr mit euren Anlagen im Moment? Welche Möglichkeiten seht und verfolgt ihr? 😉

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Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sir Edmund
07.07.2022 19:44registriert August 2019
Ich investiere jeden Monat den selben Betrag in ETF's. Auch wenn es momentan auf dem Konto bergab geht bin ich sicher, dass sich die Börsen wieder erholen werden. Darum, günstig nachkaufen, aussitzen, nicht zu oft reinschauen und ruhig bleiben. Nach jeder Wirtschaftskrise gings wiwder hoch 🤗
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