Wirtschaft
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Google klagt über das knappe Zürcher Kontingent – Basel zapft seit Februar von der Bundesreserve



Harte Worte von Julien Borel, leitender Ingenieur am Google-Hauptsitz in Kalifornien:  

«Zürich kommt mir vor wie eine schlecht organisierte Fussballmannschaft. Sie möchten die Champions League gewinnen, wollen aber keine Ausländer im Team.»

Julien Borel, Engineering Director Google

Outside view of the new Google Engeneering center in Zurich, Switzerland, Thursday, March 6, 2008.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Aussenansicht des neuen Google-Zentrums in Zuerich, am Donnerstag, 6. Maerz 2008. Google hat am Mittwoch das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum in Zuerich eroeffnet. Das neue Zentrum ist mit mehr als 300 Mitarbeitenden die groesste Forschungsstaette von Google ausserhalb der USA. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Google in Zürich.
Bild: KEYSTONE

Hintergrund dieser Aussage, die der ausgewanderte Schweizer in einem Interview mit der NZZ am Sonntag machte, ist die Kontingentspolitik des Bundesrats: Dieses Jahr erhielten 6500 Personen aus Drittstaaten ausserhalb der EU eine Arbeitserlaubnis (2000 B- und 4500 L-Bewilligungen) in der Schweiz. Zu wenig für einen internationalen Konzern wie Google, der auch in Nordamerika und Asien Fachkräfte rekrutiert. 

Im Vergleich zum Vorjahr müssen Schweizer Unternehmen mit 25 Prozent weniger Kontingenten zurechtkommen – der Bundesrat hatte sie Ende 2014 als Reaktion auf die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative erstmals seit vier Jahren gekürzt. Google ist mit seiner Kritik auch nicht allen, wie Bruno Sauter, Chef beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich, gegenüber watson erklärt:

«Von der massiven Kontingentskürzung sind alle international tätigen Unternehmen betroffen, die von der Schweiz aus mit Firmen oder anderen Standorten in Asien und Amerika in gemischten Projekten tätig sind oder deren Businessmodelle eine internationale Wertschöpfungskette aufweisen.»

Bruno Sauter, Direktor AWA Zürich

So tönt es bei anderen Unternehmen, die wie Google Fachkräfte aus Drittstaaten rekrutieren: «Für uns ist es wichtig, dass der Arbeitsmarkt möglichst liberal und flexibel bleibt», sagt Sylvia Gäumann, Mediensprecherin Zurich Insurance Group. «Als weltweit tätiges Versicherungsunternehmen sind wir auf hochqualifizierte Fachleute angewiesen, und zwar aus der Schweiz, der EU und aus Drittstaaten.»

The headquarters of Zurich Financial Services at the Mythenquai in Zurich, Switzerland, pictured on November 11, 2008. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Hauptsitz der Zurich Financial Services, aufgenommen am 11. November 2008 am Mythenquai in Zuerich, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Hauptsitz der Zurich Insurance am Mythenquai in Zürich.
Bild: KEYSTONE

Ähnlich äussert sich der Pharmagigant Novartis: «Novartis spürt die Verschärfung bei den Drittstaatenkontingenten und nimmt diese mit Sorge zur Kenntnis, denn der Erfolg von Novartis basiert massgeblich auf der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte nicht nur aus dem EU-Raum sondern auch aus Drittstaaten», erklärt Mediensprecher Patrick Barth – und erinnert an die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pharmabranche: «Die Exporte der pharmazeutischen Industrie entsprechen rund einem Drittel des Schweizer Exportvolumens. Allein der Novartis-Anteil aller Schweizer Exporte beträgt 14,9%.»

In Basel war schon im Februar Schluss

Die Hälfte der 6500 Bewilligungen werden an die Kantone verteilt, die andere Hälfte bleibt als Reserve beim Bund. Laut Amtschef Sauter waren die für den Kanton Zürich zugewiesenen Kontingente bereits im Mai ausgeschöpft. Dann musste er beim Staatssekretariat für Migration (SEM) in Bern um zusätzliche Kontingente aus der Bundesreserve ersuchen. Noch schneller als in Zürich gingen die Kontingente in Basel zuneige, wo ebenfalls zahlreiche internationale Konzerne beheimatet sind:

«Die dem Kanton Basel-Stadt zugeteilten Kontingente waren 2015 Ende Februar/Anfang März ausgeschöpft.»

Nicole Hostettler, Mitglied der Geschäftsleitung AWA Basel-Stadt

Die L-Bewilligungen für Kurzaufenthalter waren demnach Ende Februar, die B-Bewilligungen Anfang März ausgeschöpft. Basel-Stadt hat für 2015 vom Bund 84 L-Bewilligungen zugeteilt bekommen – aber bis Oktober insgesamt 317 erteilt. Das heisst, 233 oder fast drei Viertel aller L-Bewilligungen stammen aus der Bundesreserve. Bei den B-Bewilligungen beträgt das Stadtbasler Kontingent 52, tatsächlich erteilt wurden 264. Der Anteil des Bundes liegt hier bei 80 Prozent.

Angesichts solcher Zahlen drängt sich die Frage auf, ob die Kontingente für die wirtschaftsstärksten Kantone angemessen sind. Hierzu erklärt das zuständige Staatssekretariat für Migration (SEM):

«Im Kern der Arbeitskräftezulassung aus Drittstaaten liegt das gesamtwirtschaftliche Interesse. Für dieses Interesse reichen die Kontingente für die Schweiz und die Kantone aus. Erfahrungsgemäss kann im Konsens keine vordefinierte Verteilung der Kontingente auf die Kantone den sich verändernden Bedarf der Wirtschaft und der Kantone verlässlich abbilden. Daher gibt es Bundeskontingente, die den Kantonen auf Antrag hin laufend sehr rasch zugeteilt werden.»

Céline Kohlprath, Sprecherin SEM

Derweil neigt sich auch die Bundesreserve dem Ende zu. Wie das SEM auf Anfrage mitteilt, sind die B-Bewilligungen seit Ende November aufgebraucht. Kurzaufenthalter-Bewilligungen L werden im Dezember ausgeschöpft sein. Darüber hinausgehender Bedarf könnte der Bund durch die Vorjahresreserve 2014 abdecken.

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    Alle Leser-Kommentare
  • StefanZaugg 22.12.2015 01:31
    Highlight Highlight Jessesmaria, als gäbs nur zwei Extremvarianten: Grenzen dicht, keiner mehr rein oder die PFZ, die in diesen Kommentarspalten ja fast als heilige Kuh scheint.
    Die Schweiz ist unbestritten auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen (dies bestreitet wohl nicht einmal der grösste Hardcore-SVP-Wähler), deswegen muss auch eine sinnvolle Immigrationsregulung her, sodass Arbeitsbewilligung auf Grund des Fachausweises und der Marktnachfrage verteilt werden. Die PFZ mit der EU macht aber genau das Gegenteil, sie bevorzugt nämlich Nationalitäten (EU-Bürger) und nicht Fähigkeiten.
    • Hierundjetzt 22.12.2015 06:59
      Highlight Highlight PS: ihnen ist schon bewusst, dass Sie als Lösungsvorschlag einfach das Grundmuster der PFZ erklären? ;-)
    • FrancoL 22.12.2015 09:43
      Highlight Highlight Die PFZ macht per se gar nichts und regelt den Personenverkehr mit der EU. Wie Arbeitsplätze in der Schweiz vergeben werden ist Sache der Schweizer Unternehmen! Ja und der Vertrag ist tatsächlich mit der EU, es würde sich etwas schwierig gestalten einen Vertrag mit den Fähigkeiten zu stipulieren.
    • StefanZaugg 22.12.2015 10:25
      Highlight Highlight Eben nicht, geschätzte Kommentatoren. Ich denke da spezifisch an eine Regelung à la Kanada, Neuseeland, Australien (in gewisser Weise auch USA).
      Ein weiterer Faktor, der in der jetztigen Regelung gar nicht beachtet wird, ist auch der Inländervorrang, der bei einem solchen System wieder besser gegeben wäre.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FrancoL 22.12.2015 00:35
    Highlight Highlight Zumindest bei Google ist eine gewisse Vorsicht geboten. Google bringt wohl die mangelnde Qualifikation ins Spiel aber mit unter sind folgende Aussagen von Borel von grösserer Wichtigkeit: "Ein Ingenieur koste 20 bis 30 Prozent mehr als einer in London", sagt Julien Borel.
    "Die Erfassung der Arbeitszeiten, die die Schweiz durchsetzen will, töte jeden Unternehmergeist", so Borel weiter zur «NZZ am Sonntag». Nun stellt sich die Frage; Kann der Lohn-Gap ausgeglichen werden? Sollen die Arbeitsgesetze, die meines Erachtens auch einen Arbeitsfrieden generiert haben, für Google angepasst werden?
    • dä dingsbums 22.12.2015 08:55
      Highlight Highlight Interessanter Kommentar. Mich würde interessieren warum er geblitzt wurde.
    • flvv 22.12.2015 09:49
      Highlight Highlight Zudem reizt Google schon heute das Schweizer Arbeitsgesetz bis an seine Grenzen aus indem Google kaum Festanstellungen anbietet. Mitarbeiter (ausser teilweise höheres Kader) werden grösstenteils über Vermittlungsfirmen temporär angestellt. Das bedeutet, max. 2 jähriges Anstellungsverhältnis mit minimalen Sozialleistungen, "eingerechnetem" 13. Monatslohn und Ferienentschädigung. Die tollen Goodies am Arbeitsplatz sollen bloss über die ansonsten miserablen Anstellungsbedingungen und Entlöhnung hinwegtäuschen.
    • FrancoL 22.12.2015 09:51
      Highlight Highlight Weil der Kommentar einen Mechanismus aufzeigt der TÄGLICH so abläuft und dies seit Jahren! Überspitzt gesagt, jeder ist in der Wirtschaft sich selbst am nächsten! Bei mir bitte nein keine Einschränkung, bei anderen Wirtschaftszweigen die mich nicht treffen bitte schön einschränken! Das ist leider vorallem bei vielen KMU die Praxis. Nota bene den KMUs die zum grösseren Teil von SVP treuen Bürgern geführt werden. Unerklärlich aber wahr!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Toerpe Zwerg 22.12.2015 00:32
    Highlight Highlight Fachkraefte muessen immer kommen duerfen, wenn sie einen Job haben. Immer.
    • Str ant (Darkling) 22.12.2015 08:05
      Highlight Highlight Es ist einfach dann Paradox wenn es mehrere Leuten gibt die im Inland mit Weiterbildung Position X besetzten könnten und man aber trotzdem eine Person mit gleicher Qualifikation aus dem Ausland holt.
      Wenn es wirklich niemanden gibt der eine Position besetzen kann das muss es logischerweise immer Möglich sein!
  • Triesen 21.12.2015 20:57
    Highlight Highlight @Hierundjetzt ...sie hat diesen Fachausweis, nach einem Studium an der HSH, und ob meine Bedenken nur ein Gerücht sind, glaube ich erst wenn jemand den Maurern der Nation ernsthaft Paroli bietet - im Moment erstarren alle wie das Kaninchen vor der Schlange...
    • Hierundjetzt 21.12.2015 21:25
      Highlight Highlight Wie gesagt, Sie hat im interesse der Firma gehandelt. Aber ich gehe davon aus das Sie ein Europäer eingestellt hat und nicht das Drittstaaten-Kontingent angezapft hat.

      Die eigentliche Kritik gilt der Volchs- und peinopartei, die es als stärkste politische Kraft einmal mehr nicht zustande bringt nachhaltige Lösungen i.S. Ausländer zu präsentieren, von denen a-l-l-e profitieren können. Nope, wie immer präsentiert Sie sich als gackernder Haufen planloser Menschen, die tatsächlich das Gefühl haben, sie kämen zu kurz. In der Schweiz. Im reichstes Land der Erde. Ja ne is klar. Dumm und dümmer
  • Thomas_54 21.12.2015 20:39
    Highlight Highlight Paradox ist ja, dass diese Unternehmen von der Politik betüdelt und angelockt werden (tiefe Steuern, etc), gleichzeitig man ihnen aber nicht die Fachkräfte (Ausländer) zur Verfügung stellen will. D.h entweder könnte man mehr Ausländer reinholen (+Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum) oder andererseits die Unternehmenssteuern erhöhen, um die Unternehmen zu "vergraulen" und die Nachfrage zu dämpfen. Sehr paradox wirds dann bei den Parteien, wo die einen für Ausländer und hohe Steuern sind, die anderen dagegen (vereinfacht dargestellt).
    Oder sehe ich das zu einfach?
    • Triesen 21.12.2015 21:12
      Highlight Highlight Anlocken durch tiefe Steuern und dann den Zuzug von Fachkräften erschweren ist in der Tat ein Widerspruch. Dieser Widerspruch erhielt an der Urne vielvZzspruch
    • Triesen 21.12.2015 21:13
      Highlight Highlight Anlocken durch tiefe Steuern und dann den Zuzug von Fachkräften erschweren ist in der Tat ein Widerspruch. Dieser Widerspruch erhielt an der Urne viel Zuspruch. Ein typischer Fall von nicht nachgedacht oder wie es früher hiess: Schildbürgerstreich...
    • Hackphresse 22.12.2015 04:11
      Highlight Highlight Und nicht zu vergessen für jedes Übel anderen meistens den Ausländern die Schuld zu geben. Sind das nicht auch Symptome bei mahnischer Schizophrenie?
  • Ruffy 21.12.2015 19:47
    Highlight Highlight Wartet mal ab bis die MEI umgesetzt wird, dann können wir den Laden hier dicht machen..
    • Hierundjetzt 21.12.2015 20:07
      Highlight Highlight Das wird eine Katastrophe. Das kann ich Dir schon jetzt schriftlich geben
  • Hierundjetzt 21.12.2015 19:21
    Highlight Highlight Also ich komm da nicht ganz mit.

    Google kommt nach Zürich, da wir das grösste und beste Pool an Spitzenfachkräften haben.
    Google ist eine Internetfirma.
    Google braucht vor Ort für 3 Monate Arbeitnehmer.

    Hm. Bauen die Bauernschränke? Oder forsten Sie Wälder auf? Pflegen Sie alte Menschen?
    • Hierundjetzt 21.12.2015 19:29
      Highlight Highlight Gerne darf man seine Blitze auch mit Argumenten unterlegen. Ganz ehrlich, ich verstehe das Problem nicht ganz
    • Yolo 21.12.2015 19:31
      Highlight Highlight Die (noch) besten Bedingungen für Innovationen bietet unser Land, dies gilt aber nicht zwingend für die Fachkräfte, da sind wir nur Mittelmass...
    • Hierundjetzt 21.12.2015 19:47
      Highlight Highlight Absolut klar. Aber um das einzuordnen. Auch die USA haben Kontingente für kurzfristige Arbeitsaufenthalte. So, jetzt geht das halt zB im 2016 nicht (Ausgangsprämisse). Weil dieses sehr kleine Kirchenlicht in den USA vergessen hat, neue MA anzumelden. Ich lass mir doch von einem mimi-äschiniör mit zu grossem Ego nicht ans Bein pinkeln (Arbeitszeit, Kontingente) nur weil er per Zufall bei einer Internet-Suchmaschine (!) arbeitet. Schön mal die Kirche im Dorf behalten. Das sind 1st World Problems

      Als weltweit tätige Internetfirma gibt es doch alternativen. Nein, er versucht nur Druck aufzubauen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • boeserkeinohrhase 21.12.2015 18:52
    Highlight Highlight Na dann geht doch zu Uncle Sam und heult. Stellt doch Schweizer an. Oder bildet diese aus.
    • Triesen 21.12.2015 19:10
      Highlight Highlight Oh, ein weiser und überlegter Kommentar. Ingenieure gehören in der Schweiz seit Jahren in die Kategorie "Fachkräftemangel". Gilt auch für andere Berufe. Bei Bildung sparen hilft dagegen ganz bestimmt. Auch eine Mauer um die Schweiz herum ist sicher ein gutes Gegenmittel und als Kombination ist es "die Lösung". Aber wenn die grossen, internationalen Konzerne weg sind, können wir uns ja wieder auf das Kerngeschäft Landwirtschaft konzentrieren. Äh, nein: Das ist ja ein Verlustgeschäft...
    • Yolo 21.12.2015 19:19
      Highlight Highlight Genau, stellen wir die Bauern ein, die sind ja weltweit bekannt für ihre Innovationskraft...
    • Hierundjetzt 21.12.2015 19:26
      Highlight Highlight Triesen: setzten 1. Wir in der Schweiz sind unfähig die richtigen Menschen zur richtigen Zeit auszubilden. Das meint ihr Vorredner.

      Beispiel Ärztemangel. Der Bedarf steht. Wir haben selber keinen ausreichenden Bestand. Wir "importieren" Menschen. Wow. Voll krass gespart. Geben wir das Geld doch den Bauern. Für Ihren 3 Traktor.
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