Wirtschaft
Schweiz

Prämien: Krankenkassen rechnen mit einem Anstieg von drei Prozent

Prämien wieder rauf? Krankenkassen rechnen mit einem Kosten-Anstieg von drei Prozent

17.06.2019, 11:0017.06.2019, 16:36

Die Atempause beim Anstieg der Krankenkassenprämien ist vorbei. Santésuisse rechnet für 2019 und 2020 mit einem Kostenwachstum im Gesundheitswesen von je rund drei Prozent. In einigen Bereichen könnten die Kosten in den nächsten zwei Jahren gar bis fünf Prozent steigen.

Weniger als drei Prozent, aber stärker als im vergangenen Jahr steigen dürften die Krankenkassenprämien, teilte der Krankenkassenverband Santésuisse am Montag mit. Grund für den etwas geringeren Anstieg seien die Reserven, die die Kassen wegen des in den letzten Jahren tieferen Kostenwachstums hätten aufbauen können.

2019 war die mittlere Prämie um durchschnittlich 1,2 Prozent gestiegen. Gesundheitsminister Alain Berset wertete dies im vergangenen Herbst als Zeichen für die gute Arbeit des Bundesrates und des Parlaments in den letzten Jahren.

Zuwachs bei Physiotherapie und Spitex

Einen überdurchschnittlichen Anstieg erwartet der Verband etwa bei der Physiotherapie, mit einem Plus von je sechs Prozent im Jahr 2019 und 2020 . Als Gründe nennt er die höhere Zahl von Therapeutinnen und Therapeuten und auch die gestiegene Zahl von Behandlungen.

Ebenfalls rund sechs Prozent mehr kosten dürfte die Spitex. Grund ist laut Santésuisse, dass immer mehr Menschen nicht ins Alters- oder Pflegeheim umziehen, sondern sich zuhause von der Spitex versorgen lassen. Die Kosten der Pflegeheime dürften derweil stabil bleiben.

Ein Kostenwachstum von rund fünf Prozent erwartet Santésuisse schliesslich bei den ambulanten Spitalleistungen sowie bei den Laboruntersuchungen. Auch bei den von Ärzten abgegebenen Medikamenten sei in den nächsten zwei Jahren mit einem Kostenwachstum von über drei Prozent zu rechnen.

«Endlich griffige Gegenmassnahmen»

Wegen des befürchteten Anstiegs der Kosten brauche es nun «endlich griffige Gegenmassnahmen», hielt der Verband fest. Vorschläge gibt es zwar. Doch das Problem sei die Umsetzung, sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold in Bern vor den Medien.

Von neun von Experten vorgeschlagenen Massnahmen bei den Medikamenten sind laut Santésuisse lediglich zwei im ersten Kostendämpfungspaket des Bundesrates enthalten. Es sind tiefere Vertriebsmargen und das Referenzpreissystem.

Nicht weiterverfolgt wurde die von Santésuisse geforderte jährliche Überprüfung der Preise mit dem Ausland. Ebenfalls auf der langen Bank liegt laut Santésuisse die Möglichkeit für Patientinnen und Patienten, Medikamente günstiger im Ausland zu kaufen und sich den Preis von der Kasse rückerstatten zu lassen.

Generika kosteten in der Schweiz doppelt so viel wie im Ausland und ihr Anteil im Markt belaufe sich nur auf 20 Prozent, sagte Nold. Das sei im europäischen Vergleich ein sehr kleiner Anteil.

«Zusatzwünsche» kosten

Für Gesundheitseinrichtungen - ob ambulant oder stationär - fordert Santésuisse eine Koordination über die Kantonsgrenzen hinaus. Nötig wären laut Nold auch Pauschalen für ambulant erbrachte Leistungen. Bei den stationär erbrachten Leistungen hätten die Fallpauschalen zu einer Stabilisierung der Preise geführt.

«Zusatzwünsche», die gegenwärtig in der Politik diskutiert werden, könnten die Kosten noch mehr nach oben treiben, so Santésuisse. Zu Milliardenkosten führen würde etwa die Umsetzung der Pflegeinitiative oder eines indirekten Gegenvorschlages. Höhere Kosten befürchtet Santésuisse auch durch die personalisierte Medizin und neue Medikamente. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du weisst, dass du zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringst, wenn ...
1 / 20
Du weisst, dass du zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringst, wenn ...
In den folgenden 17 Bildern siehst du, was passiert, wenn die Handysucht erschreckende Ausmasse erreicht: Du verbringst zu viel Zeit mit dem Smartphone, wenn im Ausgang DAS passiert.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Nur weil ich dünn bin, bin ich nicht automatisch krank!»
Video: watson
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
74 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
w'ever
17.06.2019 11:21registriert Februar 2016
wieso Schock?
Sind doch die gleichen news wie jedes jahr, oder?
00
Melden
Zum Kommentar
avatar
creative
17.06.2019 11:10registriert November 2014
🙄🤮
10
Melden
Zum Kommentar
avatar
Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
17.06.2019 11:22registriert Juni 2016
Und wenn ich die Prämien nicht mehr Zahlen kann?
00
Melden
Zum Kommentar
74
Haile Selassie warnte Europa – doch sein Appell verhallte
Nach dem Überfall des faschistischen Italiens auf Abessinien 1935 bat der abgesetzte äthiopische Kaiser Haile Selassie den Völkerbund in Genf um Unterstützung. Vergebens. Die Schweiz betrachtete ihn als «lästigen Gast» und verwehrte ihm das Asyl.
Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich am 10. Januar 1920 42 Nationen zum Völkerbund (League of Nations) mit Sitz in Genf zusammen. Die Gründung dieses ersten überstaatlichen Weltparlaments war 1919 von den Siegermächten beschlossen und als integraler Bestandteil im Vertrag von Versailles verankert worden. Die solidarisch gedachte Organisation sollte bei internationalen Konflikten vermitteln und dauerhaften Frieden in der Welt sichern. Die Satzung enthielt die Verpflichtung, dass die Mitgliedstaaten jedem angegriffenen Mitglied sofort und direkt militärische Hilfe zukommen lassen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte in Europa neben Frankreich, Italien und Grossbritannien auch die Schweiz. Deutschlands Beitritt erfolgte erst 1926.
Zur Story