Für Ringier-CEO sind nur 3 Medienmarken digital fit fürs Überleben
Digital werden in der Schweiz nur drei Medienmarken ökonomisch überleben: Die «NZZ», der «Blick» und «20 Minuten». Dieser Meinung ist Ringier-CEO Marc Walder, wie er der «NZZ am Sonntag» sagte. Auch srf.ch. gehöre dazu, weil es subventioniert sei. Walder ist zudem überzeugt, dass künstliche Intelligenz die Medienwelt umpflügen werde.
Als digitale Geschäftsmodelle dürften Regionaltitel und Lokalpublikationen nicht aufrechtzuerhalten sein, glaubt Walder. Vielleicht werde es noch Nischenpublikationen geben, aber sie wären die Ausnahme. Der «Tages-Anzeiger» und Zeitungen von CH Media sieht der Ringier-Chef somit dem Untergang geweiht.
«Ein nüchterner, pragmatischer Blick auf die Medienindustrie» helfe bei der Evaluation der strategischen Entscheide. Digital würden nur zwei Modelle funktionieren, so Walder weiter: Grosse Reichweite – in der Schweiz also «20 Minuten» und «Blick» – oder hoch positionierte Nische – das wäre nzz.ch.
Gefragt, ob dies bedeute, dass die Medienbranche den gleichen Weg gehen werde, wie andere Branchen: Ikea oder Ligne Roset, McDonald’s oder Sterneküche, antwortet Walder: «Masse oder Spitze. Korrekt.»
«KI wird Arbeitsablauf fundamental verändern»
In allen 15 Ländern, in denen Ringier tätig sei, wolle das Unternehmen herausfinden, wie der Newsroom der Zukunft aussieht. Künstliche Intelligenz (KI oder AI) werde den Arbeitsablauf fundamental verändern. Aber um zu verstehen, was in Politik, Gesellschaft und Sport passiere, brauche es nach wie vor guten Journalismus. «Und dafür braucht es intelligente Menschen, die den Newsflow kuratieren», betont Walder.
Das Internet werde heute zugemüllt mit dem sogenannten AI-Slop oder AI-Trash. Auf den grossen Social-Media-Plattformen werde heute bereits fast die Hälfte des Inhaltes, der an einem normalen Tag hochgeladen werde, von künstlicher Intelligenz generiert.
«Wenn ich am Abend zum Relaxen durch meinen Instagram-Feed scrolle, kann ich nicht mehr unterscheiden, ob das Video echt ist oder nicht», klagt Walder. Das sei in erster Linie schlecht für alle Plattformen, weil die Erschöpfung der Menschen radikal zunehme. Es sei aber auch eine Chance für die Medienindustrie. «Vielleicht ist es gar die letzte Chance für guten Journalismus», resümiert der CEO von Ringier. (sda)
