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Für Ringier-CEO sind nur 3 Medienmarken digital fit fürs Überleben

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CEO von Ringier, Marc WalderBild: keystone

Für Ringier-CEO sind nur 3 Medienmarken digital fit fürs Überleben

05.04.2026, 10:1505.04.2026, 10:15

Digital werden in der Schweiz nur drei Medienmarken ökonomisch überleben: Die «NZZ», der «Blick» und «20 Minuten». Dieser Meinung ist Ringier-CEO Marc Walder, wie er der «NZZ am Sonntag» sagte. Auch srf.ch. gehöre dazu, weil es subventioniert sei. Walder ist zudem überzeugt, dass künstliche Intelligenz die Medienwelt umpflügen werde.

Als digitale Geschäftsmodelle dürften Regionaltitel und Lokalpublikationen nicht aufrechtzuerhalten sein, glaubt Walder. Vielleicht werde es noch Nischenpublikationen geben, aber sie wären die Ausnahme. Der «Tages-Anzeiger» und Zeitungen von CH Media sieht der Ringier-Chef somit dem Untergang geweiht.

«Ein nüchterner, pragmatischer Blick auf die Medienindustrie» helfe bei der Evaluation der strategischen Entscheide. Digital würden nur zwei Modelle funktionieren, so Walder weiter: Grosse Reichweite – in der Schweiz also «20 Minuten» und «Blick» – oder hoch positionierte Nische – das wäre nzz.ch.

Gefragt, ob dies bedeute, dass die Medienbranche den gleichen Weg gehen werde, wie andere Branchen: Ikea oder Ligne Roset, McDonald’s oder Sterneküche, antwortet Walder: «Masse oder Spitze. Korrekt.»

«KI wird Arbeitsablauf fundamental verändern»

In allen 15 Ländern, in denen Ringier tätig sei, wolle das Unternehmen herausfinden, wie der Newsroom der Zukunft aussieht. Künstliche Intelligenz (KI oder AI) werde den Arbeitsablauf fundamental verändern. Aber um zu verstehen, was in Politik, Gesellschaft und Sport passiere, brauche es nach wie vor guten Journalismus. «Und dafür braucht es intelligente Menschen, die den Newsflow kuratieren», betont Walder.

Das Internet werde heute zugemüllt mit dem sogenannten AI-Slop oder AI-Trash. Auf den grossen Social-Media-Plattformen werde heute bereits fast die Hälfte des Inhaltes, der an einem normalen Tag hochgeladen werde, von künstlicher Intelligenz generiert.

«Wenn ich am Abend zum Relaxen durch meinen Instagram-Feed scrolle, kann ich nicht mehr unterscheiden, ob das Video echt ist oder nicht», klagt Walder. Das sei in erster Linie schlecht für alle Plattformen, weil die Erschöpfung der Menschen radikal zunehme. Es sei aber auch eine Chance für die Medienindustrie. «Vielleicht ist es gar die letzte Chance für guten Journalismus», resümiert der CEO von Ringier. (sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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Madison Pierce
05.04.2026 11:33registriert September 2015
Da bin ich anderer Meinung. Internationale Nachrichten bekommt man auch bei der BBC. Die nationale Berichterstattung deckt das SRF gut ab. Aber Informationen zum regionalen Verkehrskonzept, dem Schulhausneubau in der Gemeinde oder eine Vorstellung der Kandidaten für den Gemeinderat gibt es nur in der Regionalzeitung. Deshalb halte ich den Lokaljournalismus für überlebensfähig.
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Amadeus
05.04.2026 11:47registriert September 2015
Wieder einmal der sattsam bekannte rational-nüchterne Blick auf die Gesamtsituation von einem CEO. Dabei wird 1. das eigene Produkt natürlich überleben und 2. Wird so getan als müsse man sich mit den gegenwärtigen Entwicklungen einfach abfinden. Dabei wird vom CEO vergessen, dass wir Menschen es in der Hand haben wie wir mit Technologie umgehen. AI ist kein Naturgesetz, das einfach so passiert. Aber wenn man AI benutzt um noch mehr Menschen zu entlassen und Profite zu maximieren, dann ist natürlich die herbeigeredete Machlosigkeit wegen der Gesamtsituation eine hilfreiche Ausrede.
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Rethinking
05.04.2026 11:14registriert Oktober 2018
Die grossen Medienkonzerne haben viel zu viel Einfluss auf die Meinung der Bevölkerung…

Dies ist insbesondere darum ein Problem, weil dahinter reiche Familien stecken
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