«Fehlkonstruktion»: Seco-Mitarbeitende schreiben wegen IT-Chaos Briefe per Hand
Das neue IT-System Asal 2.0, das am 6. Januar eingeführt wurde, sorgte unter anderem für verspätete Auszahlungen der Arbeitslosengelder. Vier Monate nach der Einführung herrscht bei den Arbeitslosenkassen noch immer Chaos.
Kündigungen und Krankschreibungen bei den Mitarbeitenden nehmen zu, berichtet der Tages-Anzeiger. Teilweise würden sie Briefe an die Versicherten per Hand schreiben, erzählt ein Mitarbeiter der Zeitung. Das IT-System kenne nur Standardfälle. «Entspricht ein Fall nicht einer der vorprogrammierten Schablonen, können Schreiben nicht digital generiert werden», sagt er. Das System sei eine «Fehlkonstruktion», sagt eine weitere Mitarbeiterin dem «Tages-Anzeiger».
Teilweise warten Arbeitslose noch immer auf ihre Gelder. Allein im April seien über neun Tage hinweg wichtige Funktionen ausgefallen, schreibt der «Tages-Anzeiger» unter Berufung auf interne E-Mails.
Mehr Fachpersonal notwendig – aber über 1 Jahr Anlernzeit
Anfang April hatte das Seco Fehler eingeräumt und gleichzeitig versichert, dass das Schlimmste überstanden sei. Das System funktioniere inzwischen «zuverlässig».
Mitarbeitende der Arbeitslosenkassen sehen die Lage anders. Denn selbst wenn das System stabil laufe, erfordere die Bedienung von Asal 2.0 langfristig mehr Personal. Schweizweit seien rund 200 Neueinstellungen nötig, sagte der Direktor der Walliser Arbeitslosenkasse, Jean-Claude Frésard.
In Schaffhausen, Luzern und Genf hat sich der Personalbestand laut dem «Tages-Anzeiger» bereits erhöht. Es sei jedoch schwierig, Fachpersonal zu finden, da die Bedienung des neuen Systems so komplex sei, dass man mit über einem Jahr Anlernzeit rechne. (hkl)
