Migros verzeichnet Rekordgewinn – dank Firmenverkäufen
Auch 2025, in ihrem 100-jährigen Jubiläumsjahr, musste die Migros sinkende Umsatzzahlen bekannt geben. Verkäufe und Schliessungen von Tochtergesellschaften trugen zu diesem Ergebnis bei – zugleich führte diese Schrumpfkur zu einem Abbau von rund 1500 Vollzeitstellen und einem Rekordgewinn, wie der Tages-Anzeiger schreibt.
Der orange Riese hat zwar schon länger defizitäre Tochterfirmen abgestossen, allerdings handelte es sich meist um Problemfälle, deren Verkauf mit schmerzhaften Verlusten einherging. Doch 2025 wurden Verkäufe verbucht, die Geld in die Kasse spülten: So brachte der Verkauf von Interhome und Hotelplan zusammen etwa 300 Millionen Franken ein. Weitere 400 Millionen Franken spülte der Verkauf der südkoreanischen Kosmetikfirma Gowoonsesang an L'Oreal in die Migros-Kasse. Und der Kauf von Mibelle durch das spanische Familienunternehmen Persán brachte der Migros zusätzlich 500 Millionen Franken. Insgesamt brachten die Verkäufe der Migros 2025 laut Tages-Anzeiger rund 1,2 Milliarden Franken ein.
Ende der Expansionspolitik
Der Verkauf der Mibelle Group markierte das Ende der Pläne der Migros, ein globaler Player in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie zu werden. Diese Expansionspolitik war vornehmlich das Werk von Walter Huber, dem vormaligen CEO des Milchverarbeiters Emmi. Huber stiess 2007 zur Migros und trieb als Chef der Industrie die Internationalisierung des Konzerns bis 2019 voran.
Um den Umsatzanteil, den die Produktionsbetriebe im Ausland beitrugen, auf 15 bis 20 Prozent zu steigern, verordnete Huber der Migros einen forcierten Akquisitionskurs im Ausland. So übernahm die Kosmetiktochter Mibelle 2018 die südkoreanische Firma Gowoonsesang mit ihrer Marke «Dr. G». Doch die Übernahme brachte nicht die erhofften Vorteile und 2024 stiess die Migros Gowoonsesang wieder ab. Der Gewinn aus dem Verkauf an L'Oreal wurde 2025 verbucht.
Nullwachstum im Kernbereich Food Retail
Nach der Abstossung von verlustbringenden oder nicht mehr zum Kerngeschäft passenden Unternehmen konzentriert sich die Migros künftig auf die Bereiche Detailhandel, Finanzdienstleistungen und Gesundheit. Doch gerade der Bereich Food Retail – dazu zählen der genossenschaftliche Detailhandel inklusive Migros Online, die Migros Industrie, Denner, Migrolino sowie Migrol – wuchs im vergangenen Jahr kaum; er erreichte 24,3 Milliarden Franken.
Und der Umsatz der Migros-Supermärkte inklusive Migros Online sank leicht um 0,5 Prozent auf 12,7 Milliarden. Konkurrent Coop konnte dagegen in seinen Supermärkten und der dazugehörigen Onlineplattform den Nettoerlös um 2,6 Prozent auf 12,4 Milliarden Franken steigern. Im Konzernumsatz liegt Coop mit 35,4 Milliarden Franken erneut vor der Migros mit 31,9 Milliarden Franken.
Vergünstigungen für Genossenschafter?
Schwer im Magen dürfte der Migros-Führung der deutsche Supermarkt Tegut liegen, der sich nach wie vor im Migros-Besitz befindet und ein Milliardenrisiko darstellt. Doch am meisten Sorgen dürfte man sich an der Spitze des orangen Riesen darüber machen, dass die Kundentreue erodiert, die früher legendär war. Um hier Gegensteuer zu geben, versuche die Migros, die Preise zu senken, schreibt der «Tages-Anzeiger».
Zudem sollen die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter mehr von der Migros profitieren können; etwa über Vorteile durch ein Bündelangebot, wenn man Mitglied ist und zugleich sein Konto bei der Migrosbank hat, im Migros-Supermarkt einkauft und sich bei den Ärzten und Zahnärzten der Migros-eigenen Medbase behandeln lässt. Auch sollen einzelne Produkte gezielt für Mitglieder verbilligt werden. (dhr)
