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Yúnior García Aguilar über die wirtschaftliche und soziale Krise in Kuba

Madrid, 08/25/2022. The Cuban playwright Yunior García Aguilera. Photo: Tania Sieira. Archdc. Credit: Album / Archivo ABC / Tania Sieira
Yúnior García Aguilera wohnt seit fünf Jahren in Spanien. Das kubanische Regime drohte ihm mit 27 Jahren Haft.Bild: Imago

«Denen ist das Volk egal» – Ein Kubaner über den potenziellen Kollaps des Landes

Wie weit das Regime geht, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen, hat Yúnior García Aguilar am eigenen Leib zu spüren bekommen. Er ist sich sicher: Ändert die Regierung ihren Kurs nicht unmittelbar, droht der Insel der Kollaps.
01.03.2026, 19:5401.03.2026, 19:54
Natasha Hähni

«In Kuba lebt man von Tag zu Tag», sagt Yúnior García Aguilar. Der Schauspieler und Aktivist ist auf der Insel gross geworden. Das Land steckt seit Jahren in einer tiefen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise. Beobachter sprechen von der schwersten Bedrohung für die Regierung seit der Revolution von 1959. García ist überzeugt: «Gibt es in den nächsten drei Jahren keinen Wandel, ist das Land nicht mehr zu retten.»

Im Alltag seien vor allem die Stromausfälle ein Problem. «Kein Strom bedeutet zum Beispiel auch, dass man keine Lebensmittel oder Medizin im Kühlschrank aufbewahren kann», so der in Spanien lebende Kubaner im Gespräch mit CH Media.

Die Situation hat sich weiter verschärft, seit Trump den Zugang zu Öl aus dem Ausland abgeschnitten hat. Dies, nachdem er Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat verhaften lassen. Das südamerikanische Land war lange Zeit Kubas wichtigste Ölquelle.

Ende Juni drohte Trump mit Zöllen gegen Länder, die Öl an Kuba verkaufen oder liefern. Als Grund nannte der Präsident Verbindungen zu Russland, China und terroristischen Gruppen sowie politische Repression. Die Regierung in Havanna erklärte daraufhin unter anderem, dass ausländische Fluggesellschaften nicht mehr mit Treibstoff versorgt werden könnten. Erste Airlines fliegen Kuba deshalb nicht mehr an.

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Kuba befindet sich seit Jahren in einer tiefen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise.Bild: Imago

Die wirtschaftliche Situation ist einer der Hauptgründe für die Unzufriedenheit im Land. Jeglichen Widerstand bekämpft die Regierung aber entschieden. Massenproteste gab es zuletzt im Jahr 2021. Auch Yúnior García Aguilar lief mit und organisierte einige Wochen später landesweite Demonstrationen. Diese musste er wegen Drohungen aber letztlich absagen. «Die Staatsanwaltschaft von Havanna bestellte mich ein und sagte mir, man werde mich wegen Hochverrats zu 27 Jahren Haft verurteilen und schliesse die Todesstrafe nicht aus», sagt er. Man habe behauptet, er sei ein Agent der CIA.

Als er am nächsten Tag alleine mit einer weissen Rose auf die Strasse wollte, war seine Wohnung umzingelt. Er, seine Frau und seine Schwiegermutter, die mit ihm wohnten, wurden den ganzen Tag nicht aus der Wohnung gelassen – eine Botschaft. «Mein Leben in Kuba war vorbei – das haben sie mich spüren lassen», sagt García. An diesem Tag habe er entschieden, das Land zu verlassen.

Knapp 1200 politische Gefangene

Heute, fünf Jahre später, habe sich an der Unterdrückung durch das kubanische Regime nicht viel geändert. Protestiert werde aber immer noch. «Manche werden ins Gefängnis gesteckt, andere zu Hause eingesperrt, wie sie es bei mir getan haben. Bei anderen wird das Internet gekappt, damit sie nicht mit der Aussenwelt kommunizieren können», sagt García.

Per Ende 2025 hielt die Regierung laut der NGO «Prison Defenders» knapp 1200 politische Gefangene. Erst kürzlich wurden zwei junge Männer festgenommen, weil sie einen Youtube-Kanal hatten, den die kommunistische Regierung als kritisch einstufte. «Ich glaube, dass jetzt, wo das Regime in Gesprächen mit den USA ist, wieder mehr Menschen festgenommen werden, um sie als Verhandlungsmasse freizulassen», so García.

Während der aktuellen Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba setzt García seine Hoffnung vor allem in Trumps Aussenminister Marco Rubio. «Seine Eltern sind aus Kuba. Ich glaube, er hat ein aufrichtiges Interesse an der Insel», sagt er.

Angst, dass alles beim Alten bleibt

Angeblich ist die US-Regierung aktuell auf der Suche nach einem Äquivalent zu Delcy Rodríguez aus Venezuela. Die ehemalige Vizepräsidentin unter Nicolás Maduro arbeitet zurzeit als neue Präsidentin mit den Amerikanern zusammen.

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Eine Tankstelle in Havanna. In Kuba ist Benzin ein rares Gut.Bild: imago

Am Mittwoch sagte Rubio, Kuba müsse sich ändern. Anders als in Venezuela drohen die USA dem Inselstaat aber nicht mit militärischen Interventionen. Es sei klar, dass der Wandel «nicht von einem Tag auf den anderen» kommen könne, so Rubio. Bevor sie politische Freiheiten fordern, würden die USA zunächst wirtschaftliche Veränderungen akzeptieren, so der Aussenminister.

Die kubanische Regierung erklärte sich ihrerseits für Verhandlungen mit der Trump-Regierung bereit, betonte allerdings, dass ihre Verfassung und Souveränität nicht verhandelbar sind. Yúnior García Aguilera ist skeptisch: «Ich glaube nicht, dass das Regime letztlich Eingeständnisse machen wird. Denen ist das Volk egal.»

Wie seine Insel gerettet werden kann, weiss García nicht. «Wir haben protestiert, haben versucht, die Dinge von innen heraus friedlich zu verändern – vergeblich.» Ähnlich sei es auf Protestaktionen im Iran und in Venezuela ergangen. Erst die US-Intervention habe in Venezuela zu einer Veränderung geführt, wobei noch nicht klar sei, ob sie in Richtung Demokratie gehe. «Die Kubaner, die noch auf der Insel sind, haben Angst. Am meisten fürchten sie aber, dass alles so bleibt, wie es ist», so García.

Ein Regimewechsel oder zumindest eine Mässigung der aktuellen Regierung würde, für den Schauspieler vor allem eines bedeuten: «Ich könnte endlich meinen Sohn wieder sehen. Er lebt bei seiner Mutter, meiner Ex-Partnerin, in Kuba» Seit seiner Flucht vor 5 Jahren hat er ihn nicht mehr gesehen. «Er war ein kleines Kind (9) als ich gegangen bin, heute ist er 1.90 gross und hat den Hauch eines Schnauzes», sagt García und lacht.

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