Wirtschaft
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«Absolut unverständlich»

SRF lässt Schweizer Arbeitskräfte von deutscher Produktionsfirma anstellen

Dialekt: Schweizerdeutsch. Arbeitsort: Köln. Für die neue Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» stellt eine deutsche Produktionsfirma Schweizer TV-Profis zu deutschen Arbeitsbedingungen ein. Das sorgt für Kritik. 

Arbeitsort: Schweiz, Sprache: Schweizerdeutsch, Arbeitgeber: Deutsch. Für die neue Sendung «Mini Beiz, Dini Beiz» setzt das Schweizer Fernsehen auf ein deutsches Produktionsteam. Die ITV Studios Germany GmbH wiederum sucht explizit Personen mit perfektem «Schwizerdütsch».

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Das Inserat der ITV Studios Germany. Bild: ITV Studios/screenshot watson

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Die Produktion wird also nicht nur ausgelagert, wie das immer wieder der Fall ist. Jetzt werden Personen mit perfektem Schweizerdeutsch, also eigentlich Schweizer, gesucht, die – von einer deutschen Firma angestellt – fürs SRF arbeiten. Das dürfte für das SRF günstiger sein, als einheimische Produktionsfirmen anzustellen. Doch das Vorgehen ist fragwürdig. Und es schadet der hiesigen Branche.

«Mini Beiz, Dini Beiz»

Die neue SRF-Dokusoap startet im kommenden September. In der Sendung sollen fünf Stammgäste aus verschiedenen Lokalen jeweils ihre Lieblingsbeiz vorstellen. Am Ende wird ein Restaurant zum Sieger gekührt.

Rickli: «Das ist das Tüpfelchen auf dem ‹i›»

Peter Beck, Präsident der Swissfilm Association ärgert sich: «Die SRG und vor allem das SRF benehmen sich, als ob sie freie Unternehmer wären, sind dies aber keinesfalls», sagt Beck. «Sie sind zu drei Vierteln gebührenfinanziert und das bringt Pflichten mit sich», so der Filmproduzent. Ausserdem habe sich die SRG in einem Rahmenvertrag mit der Branche zur «Swissness» verpflichtet, sagt Beck. «Dass nun Schweizer für – ich nehme an – geringere Löhne als hierzulande üblich sind, über eine deutsche Firma angestellt werden, um für ‹ihr› Fernsehen zu arbeiten, das sie noch mit Gebühren unterstützen, geht einfach nicht», so Beck. 

Erst vergangenen Herbst wurde für die Sendung «Tacho» eine ausländische Produktionsfirma beauftragt. Die Schweizer Crew um die früheren Macher der Motor-Show ging leer aus. Damals sei der Entscheid vom SRF auf Qualitätsüberlegungen abgeschoben worden, sagt Beck. «Aber waren die ausländischen Konzepte wirklich viel besser? Das kann ich mir kaum vorstellen», so der Filmproduzent. 

«Diese Sendung ist ein typisches Privatsenderformat»

Für den SRG-kritischen Nationalrat und ehemaligen Vorsitzenden der Aktion Medienfreiheit Schweiz, Gregor Rutz, stellt sich die Frage, ob ausländische Konzepte besser sind als hiesige, gar nicht. «Wenn die SRG sich schon aus Gebührengeldern finanziert, dann soll auch alles, was irgendwie möglich ist, in der Schweiz produziert werden», so Rutz. «Das wäre das Mindeste.»

Und er geht noch einen Schritt weiter: Nicht nur das Vorgehen des SRF, auch die Sendung «Mini Beiz, Dini Beiz» selbst, überspanne den Service-Public-Auftrag. «Der Auftrag des SRF ist es, Formate sicherzustellen, die der Markt nicht erbringt», so Rutz. «Diese Sendung aber ist ein typisches Privatsenderformat und gehört nicht ins SRF».

Die Präsidentin der Aktion Medienfreiheit Schweiz, Nathalie Rickli, fügt an: «Es ist ja seit längerem so, dass das SRG Produktionen aus dem Bereich Unterhaltung nach Deutschland auslagert. Wenn aber nun vom SRF beauftragte Produktionsfirmen Schweizer anheuern würden, die dann in Deutschland arbeiten sollen, dann ist das einfach noch das Tüpfelchen auf dem ‹i›», sagt Rickli. 

«Das perfekte Dinner» als Vorlage für «Mini Beiz, Dini Beiz»

Ob wirklich Schweizer, oder auch Deutsche mit Mundartkenntnissen angestellt werden, steht offen. Das Auswahlverfahren läuft noch. Das Produktionsunternehmen ITV Studios Germany beteuert aber, Deutsche könnten sich auch bewerben. Sie hätten im Auswahlverfahren keine Nachteile gegenüber Schweizern. 

Wer letztendlich für die ITV Studios Germany arbeitet, dürfte dem SRF egal sein. Mundartkenntnisse seien aber bei Dreharbeiten in der Schweiz von Vorteil, sagt SRF-Mediensprecherin Saskia Wegmann. Zu den Produktionskosten gibt das SRF keine Auskunft. «Grundsätzlich wählen wir aber die jeweils sinnvollsten und effizientesten Kooperationsmodelle», sagt Wegmann.

Den Entscheid, eine deutsche Produktionsfirma anzuheuern, begründet Wegmann mit der Erfahrung der ITV Studios Germany. Das Unternehmen habe bereits «Das perfekte Dinner» produziert, eine Sendung, der «Mini Beiz, Dini Beiz» sehr ähnlich sein soll. «Das Konzept hat uns überzeugt», so Wegmann. Insgesamt hätten sich neun Produktionsfirmen an der Ausschreibung beteiligt, drei davon aus der Schweiz. 



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    Alle Leser-Kommentare
  • Ruckzuck 02.06.2014 19:57
    Highlight Highlight wir zahlen also mit gesetzlichem Zwang für eine deutsche Firma, die uns mit echtem Schweizer Fernsehen aus Deutschland beglückt! Und dann man will uns nicht einmal sagen wie viel Geld wir dafür unfreiwillig zahlen müssen: Stinkt doch alles grausam zum Himmel. Das Schweizer Fernsehen glaubt nicht an die Schweizer, wie geil und absurd ist denn das!!!
    • DaySi1972 02.06.2014 20:54
      Highlight Highlight Sehr gut auf den Punkt gebracht!
  • alessandro 02.06.2014 18:37
    Highlight Highlight Naja, alle die nach einer Öffnung des Markes schreien... Ehrlich gesagt finde die Werbung der Privatsender zum Kotzen, die Staatssender sind auch die einzigen die in echtem Zweikanal-Ton senden... lieber etwas bezahlen als dann für nen 1,5h Film 3h brauchen...
    Die Qualität der Berichterstattung SRF ist durchgängig besser als bei Privatsendern. Aber in der Schweiz produzieren wäre wohl schon angebracht.
    • MediaEye 03.06.2014 00:57
      Highlight Highlight Na ja; was die Qualität der Berichterstattung angeht bin ich etwas anderer Meinung, und richtig; bei den Privatsendern wird die Werbung ja durch Serien unterbrochen!
      Was die Gebühren angeht; früher wurde die PTT für die Sendeanlagen entschädigt, dann via allgemeine Bundeskasse umverteilt, und jetzt sind Steuern äähh Gebühren angesagt; würde so aber vermutlich vor Bundesgericht nicht Bestand haben
  • simone 02.06.2014 17:33
    Highlight Highlight freier markt? kann srf haben. einfach ohne gebührengelder.
  • gsaver 02.06.2014 16:53
    Highlight Highlight Und wir bezahlen noch dafür
  • alex DL 02.06.2014 13:24
    Highlight Highlight Einen quasi Monopol-Betrieb mit tpc zu führen und im Ausland unter komplett andern Bedingungen Kosten sparen. Clever: so senkt man Kosten ,ohne effektiv an der eigenen Preisstruktur was ändern zu müssen. Sinnvoller und nachhaltiger wäre eine echte Öffnung und damit Wettbewerb im CH-Markt (was davon noch übrig ist)
    • dokterphil 02.06.2014 13:42
      Highlight Highlight Oder vielleicht mal endlich den Begriff "Service Public" definieren und sich daran halten.
    • Daniel Reichenbach 02.06.2014 16:38
      Highlight Highlight Dazu kommt dieser Wahnsinn: Neun!!! Produktionsfirmen (ohne Honorar?) offerieren lassen, um am Schluss doch auf jene zu setzen, die schon wissen wie's geht. Wird Zeit, dass die schöne, alte, in sich abgeschottete Welt von tpc und srf dem rauhen Wind des freien Marktes ausgesetzt wird.
    • tomdance 02.06.2014 22:41
      Highlight Highlight @dan: das war doch wohl eher so, dass der Auftrag ausgeschrieben wurde und die Firmen sich mit einem Konzept beworben haben. Gewonnen hat 1 Firma. Das gleiche Vorgehen wie in der Bauwirtschaft eben. Oder beim Bau von Zügen. Nur dass dort die Unterlegenen Klage einreichen.

      Einige Produzenten in der Schweiz sprechen sich immer wieder vehement gegen eine "Verhätschelung" der SRG / SRF durch Gebührengelder aus und wollen freie Marktwirtschaft in der Medienbranche haben. Wenn die SRG / SRF eben dieses mit einer Projektausschreibung macht ist aber der Aufschrei der (unterlegenen) Produzenten gross. Irgendwie nicht ehrlich, finde ich.
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